Liebesperlen

Liebesperlen mit Suchtfaktor

Foto: Diethelm Textoris

Lünen. Vorbei ist die Zeit, als der New Yorker Broadway das Zentrum des Show-Business war. Die Achse hat sich in Richtung Lünen verschoben. Das vermittelte jedenfalls der Filmvorspann zur Neufassung der „Liebesperlen“. Auch wenn das nicht ganz ernst gemeint war, so konnte man bei der glanzvollen Premiere am Samstagabend im ausverkauften Heinz-Hilpert-Theater doch den Eindruck gewinnen, dass hier ein ganz großes Show-Ereignis ablief.

Liebesperlen, so wie wir sie aus unserer Kindheit kennen, sind bunt und süß. Diese Attribute treffen auf die Revue von Heinrich Huber und Jürgen Uter im vollem Maße zu. In immer wieder wechselnden, farbenfrohen und ausgefallenen Kostümen präsentiert das sechsköpfige Ensemble die Lieder vergangener Schlagerzeiten. Von der zuckersüßen Seite zeigten sich die Liebesperlen u.a. mit den wiederentdeckten maritimen Songs, mit denen das Ensemble die Zuschauer in die Welt von Lolita, Hans Albers und Freddy Quinn führte: „Seemann, lass das Träumen.“

Gerade an diesen Beispielen erkennt man das Geheimnis des jahrzehntelangen Liebesperlen-Erfolges. Der liegt in der humorvollen, parodistischen Präsentation der Lieder. Da taucht zwischen Bombay, Rio und Südsee auch Heines Loreley auf, da werden beim „Junge komm bald wieder“ die Heimatberichte und Ermahnungen aus den Briefen der Ruhrgebietsmutter zitiert: „Zieh dich draußen auf See immer schön warm an, sonst hasses wieder anne Bronchen wie dein Vatta.“

Farbenfrohe undknallige Kostüme

Wie viel Rhythmus in einem Seemannslied stecken kann, beweist das Ensemble mit Michael Jarys „Mäckie Booby.“ Rhythmus gekoppelt mit Gesang und mitreißender Tanz-Choreographie steigern sich dann noch beim Ausflug in die große Zeit des Rock’n Roll, in die Zeit von Bill Haley, Little Richard, und Elvis Presley. Elvis gibt es sogar im Doppelpack: Günter Burchert verkörpert den smarten Sänger, Christian Tasche spielt den Sänger, wie er vielleicht in späteren Jahren ausgesehen hätte: Ein „fetter alter Sack“ im Glitzerkostüm.

Apropos alternder Sänger. Burchert karikiert auch einen „Merci Chérie“ wimmernden Udo Jürgens, der von der Bühne getrieben werden muss. Der kurz darauf aber im weißen Bademantel wieder auftaucht, nur um zu behaupten, dass er noch niemals in New York war. Natürlich dürfen an einem solchen Abend die Lieder von Abba nicht fehlen, nicht in den knalligen Kostümen, sondern von den Sängern im Outfit einer Putzkolonne vorgetragen.

An manchen Stellen entwickeln die Liebesperlen einen solchen Glanz, dass sie sich in echte Perlen verwandeln. Das gilt für die vom Orchester dargebotenen Lieder im Original anmutenden Glenn-Miller Sound. Hierfür übernimmt die aus Lünen stammende Pianistin Simone Witt den Taktstock. Eindrucksvolle Soli bringen Katrin Degenhardt mit der Verneigung vor „Bojangles“ und Ulrike Knospe mit „Fever“. Dann ergreift Orchesterchef Heinrich Huber das Mikrofon und singt ein unter die Haut gehendes Chanson des großen Aznavour von der sterbenden Liebe: „Mourir d’aimer“. Weitere Höhepunkte sind die Canzone Italiana und die beswingten Rat-Pack-Songs.

Simone Witt am Taktstock

Zum Schluss gibt es unter einer riesigen Woodstock-Projektion noch eine Hommage an die Flower-Power-Zeit.

Die Liebesperlen 2011 sind runderneuert und mit Lüner Profil versehen. Die begeisterten Zuschauer feierten sie mit lang anhaltendem Applaus und „Standing-Ovations“. Viele von ihnen „Wiederholungstäter“, denn wer einmal von diesen Liebeperlen genascht hat, wird es immer wieder tun.

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