Schermbeck.

Neues Rathaus steht seit 20 Jahren

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Schermbeck.  Neubürger kennen diesen Ortseingang nur so, aber manche Alteingesessene haben bis heute ihre Probleme mit dem „neuen“ Schermbecker Rathaus. Am 30. Oktober 1993, also vor fast genau 20 Jahren, wurde der Bau eingeweiht und offiziell übergeben.

Sehr lange und intensiv beschäftigte das Vorhaben die Verwaltung und die örtliche Politik. Im WAZ-Archiv füllen die vielen Berichte, Kommentare, Stellungnahmen und Leserbriefe zum Thema einen dicken Aktenordner.

Im November 1988 beschloss der Rat, einen interfraktionellen Arbeitskreis zu gründen. Im Juni 1990 entschied sich die Politik für das Rathaus samt Begegnungszentrum. CDU und SPD stimmten damals dafür (immerhin: eine Stimme fehlte aus beiden Fraktionen), Grüne und USWG dagegen. Gemeindedirektor Heinz Willi Verrieth und die USWG-Fraktionsspitze gerieten heftig aneinander.

Grundsteinlegung im Juli 1992

Bei der Grundsteinlegung im Juli 1992 stellte der damalige Bürgermeister Bernhard Redeker fest: „Noch nie ist eine Baumaßnahme in Schermbeck so kontrovers diskutiert worden.“ Die Gegner gründeten im Mai 1990 eine eigene Bürgerinitiative, um das ihrer Ansicht nach „unsinnige Mammut-Projekt“ zu stoppen. „Rettet Festwiese und Festplatz“ hieß die BI, die sich Anfang 1992 auflöste.

Der Hamburger Architekt Karl-Heinz Sönnichsen verteidigte den Bau so: „Das Rathaus ist kein Abenteuer für Schermbeck.“ Dabei thematisierte die WAZ im Mai 1994 mögliche Planungsfehler und unbezahlte Handwerkerrechnungen, sogar vom „Kuckuck“, dem Pfandsiegel am Neubau, war damals die Rede. Rund 8,5 Mio Euro kostete dieser letztlich.

Auch die Schermbecker Kilianer waren von den Plänen gar nicht begeistert; sie fürchteten um die Zukunft ihre Traditionsfestes durch den Standort des Verwaltungs-Baus auf der großen Wiese.

Immerhin: Spätestens mit dessen Bezug konnten die Container am Altbau verschwinden. Und der „Rote Platz“ (der Sinn der Ampel darauf bleibt manchen Schermbeckern immer noch verborgen) zwischen Alt- und Neubau sorgte später auch wieder für Streit.

Am 7. November 1993 lud die Gemeinde zum „Tag der offenen Tür“: Die Gemeinschaftsgrundschule zeigte damals die „Rathausgeister“. Ginge es nur nach den Kritikern, hätte Schermbeck diese niemals rufen dürfen. In der langen Serie der Querelen rund um die Immobilie gab es noch die zwischen Imbiss-Betreiber Peter Finke und der Gemeinde. Die WAZ titelte damals treffend: „Hähnchen haben Hausverbot.“ Da örtliche Betriebe Vorrang genießen sollten, blieb der Holsterhausener außen vor.

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