Imker-Sorgen

„Und Honig fällt auch noch ab“

Walter Klär (links, mit Honigwabe) und sein Vereinskollege Gottfried Sabsch (mit Brutwabe) am Lehrbienenstand im Honsel. Foto: Guido Raith

Walter Klär (links, mit Honigwabe) und sein Vereinskollege Gottfried Sabsch (mit Brutwabe) am Lehrbienenstand im Honsel. Foto: Guido Raith

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Lüdenscheid.Wenn Walter Klär von seinen Bienen erzählt, gerät er leicht ins Schwärmen. „Ich fahre fast jeden Tag raus zu ihnen in den Wald. Das ist so ein tolles Hobby, da vergessen Sie alles andere“, sagt der 72-jährige Pensionär. „Und Honig fällt auch noch ab“, weist er auf den wirtschaftliche Aspekt der Imkerei hin. „Da springt schon auch ein bisschen raus.“

Trotz alledem plagen den Imkerverein Lüdenscheid, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, Nachwuchssorgen. Gerade noch 22 Mitglieder zählt der Verein, der sein Clubhaus und den Lehrbienenstand am Honseler Bruch betreibt. Rückläufige Einnahmen und steigende Betriebskosten machten dem Verein zu schaffen, der dringend Leute brauche, die sich für die Imkerei begeistern. So wie Walter Klär. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt er sich mit der Imkerei. 1986 war es, als sein Schwiegervater starb. „Wir hatten überhaupt keine Ahnung von Bienen, und plötzlich mussten wir uns gleich um zehn Völker kümmern“, erinnert er sich an die ersten Gehversuche als Imker.

Damals blieb ihm und seiner Ehefrau Renate nichts anderes übrig, als sich in die neue Aufgabe hineinzuknien. Das bedeutete: Bücher besorgen. Lesen. Andere Imker fragen. Und vor allem: die Bienen kennenlernen.

Tag der offenen Tür am Sonntag

Die seien ein höchst eigenwilliges Volk, das einfach nicht zuhören wolle, wenn ihm der Mensch etwas erklären oder vorschreiben will, scherzt Walter Klär. Dafür zeigen sie ihm immer wieder etwas Neues. Er sei jetzt seit mehr als einem Vierteljahrhundert Imker. Aber ausgelernt habe er immer noch nicht.

Das mangelnde Interesse an der Imkerei könne er sich noch am ehesten mit Unkenntnis erklären. Da habe er doch im Frühjahr sonntags am Bienenstand eine Spaziergängerin getroffen, die ihn allen Ernstes gefragt habe, ob die Bienen „schon wieder da“ seien. So als ob die Insekten wie die Zugvögel im Süden überwinterten. „Ganz schön bekloppt“, sagt der Imker, der mit der Zufütterung von rund 16 Kilogramm Zuckerlösung pro Bienenvolk dafür sorgt, dass die Tiere über den Winter kommen. Ein Volk sind 40 000 bis 60 000 Insekten.

Ausgeprägt sei auch die Furcht vor den summenden, pelzigen, mit einem Stachel bewehrten Insekten, deren Stich schmerzhafter als der einer Wespe ist. Geradezu hysterisch sei die Angst vor den Bienen, weiß Walter Klär. Doch wer sich näher mit ihnen beschäftige, werde eher Zuneigung und Respekt für die fleißigen, im Stock hoch organisierten Tiere entwickeln.

Gelegenheit dazu gibt es beim Tag der offenen Tür, den der Imkerverein Lüdenscheid am Sonntag, 17. Juni, ab 9 Uhr im Honseler Bruch aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens veranstaltet. Ein Erlebnis für Groß und Klein verspricht der Verein, der neben aktuellen Informationen rund um das Thema Honig und Biene auch für Essen und Trinken sorgt.

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