Wie die Nazis sich im Lüner Rat breit machten

Lünen.  „Nun es ist es so gekommen, wie man es schon lange hat kommen sehen und wogegen man sich mit allen Kräften zur Wehr gesetzt hat: Adolf Hitler ist Reichskanzler geworden.“ Das schrieb die Lüner Zeitung vor 80 Jahren nach der „Machtergreifung“. Heute jährt sich dieser Tag. In vielen Städten kam es abends zu Aufmärschen. In Lünen blieb der Jubel überschaubar. Das noch kleine Häufchen der Parteimitglieder versammelte sich vor dem Rathaus, um danach im Schützenhof Hitlers Ernennung zum Reichskanzler zu feiern.

Doch nur wenige Wochen später nahm die Herrschaft der NSDAP in der Lüner Kommunalpolitik einen dramatischen Verlauf. Hatte die SPD bei der Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 mit 31,45 Prozent und 13 Sitzen noch die stärkste Fraktion gestellt, sah das bei der Kommunalwahl am 12. März 1933 schon ganz anders aus.

Mit 25,17 Prozent der Stimmen hatten die Nazis die Nase vor und bekamen 10 Stimmen, die SPD holte neun Sitze (21,87 Prozent), das Zentrum bekam 20,60 Prozent und acht Sitze, die Kommunisten mit 18,96 Prozent ebenfalls acht Sitze.

Mit einem „Sieg Heil“ und dem Absingen der ersten Strophe des Horst-Wessel-Liedes war die Sitzung beendet worden. Noch im gleichen Monat begann die Ausschaltung politischer Gegner der NSDAP. Es unterblieb die Einladung der KPD-Ratsvertreter. Auch die Einheitsliste, die die NSDAP noch unterstützt hatte, kam nicht mehr. Sie und das Zentrum hatten sich aufgelöst. Die letzte Sitzung mit SPD-Vertretern fand in Lünen am 31. März 1933 statt. Die Partei wurde am 22. Juni verboten.

Das Stadtparlament bestand nur noch aus Nationalsozialisten, die letzte Sitzung fand am 15. September statt, in ihr wurde die Bildung eines beschließenden Ausschusses anstelle der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen.

In der Folgezeit wurden die Gemeindevertreter nicht mehr von der Bürgerschaft gewählt, sondern von dem Beauftragten der NSDAP und dem Lüner Kreisleiter Franke „im Benehmen mit dem Bürgermeister“ berufen.

Danach hießen die 18 Verordneten „Ratsherren“ und hatten folgende Positionen: Kreisleiter der NSDAP, stellvertretender Kreisleiter (gleichzeitig Direktor der Lüner Gaswerke), Ortsgruppenleiter aus Brambauer, Ortsgruppenleiter aus Lünen-Mitte, Ortsgruppenleiter aus Lünen-Süd (gleichzeitig Ortsverwalter bei der Deutschen Arbeitsfront), Leiter der NSDAP-Betriebszellenorganisation NSBO, Bergassessor, Bergwerksdirektor, kaufmännischer Zechendirektor, Bauunternehmer, Sägewerksbesitzer, Fabrikant, Apotheker und Konditor.

Gleich geschaltet wurde parallel dazu auch die 12köpfige Verwaltungsspitze (Bürgermeister, Stellvertreter, Beigeordneter, besoldete und unbesoldete Stadträte). Wer nicht auf der Linie der Nazis war, wurde entlassen. Drei „zuverlässige“ unbesoldete Magistratsmitglieder (Quitmann, Franke, Schmale) konnten bleiben, am 1. Januar 1934 wurde auch der Magistrat abgeschafft. Es galt das Führerprinzip.

Hatten die Nazis in Lünen lange eine schmale Basis, gelang ihr doch nach und nach der Durchbruch. Am 29. Juni 1934 besuchte sogar Adolf Hitler die Lippestadt.

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