Tabakkonsum

Grüne wollen Zigarettenautomaten zum Jugendschutz verbieten

Attacke auf Zigarettenautomaten: Die Grünen wollen sie verbieten.

Attacke auf Zigarettenautomaten: Die Grünen wollen sie verbieten.

Foto: Jens Büttner/dpa

Berlin.   Ein Vorstoß, der Diskussionen auslösen wird: Die Grünen wollen Zigarettenautomaten verbieten lassen, um Jugendliche auf diese Weise besser vor den Gefahren des Tabakkonsums zu schützen. Es gibt durchaus Unterstützung für diese Idee.

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Die Grünen machen weiter gegen das Rauchen mobil. Jetzt fordert die Bundestagsfraktion der Partei das Verbot von Zigarettenautomaten und die weitere Einschränkung von Werbung für Tabakprodukte. Mit dem Vorstoß wollen die Grünen vor allem Jugendliche vor den Gefahren des Tabakkonsums schützen.

In einem Antrag an den Bundestag begründet die Fraktion den Vorstoß damit, dass das 2007 eingeführte System der Alterskontrolle an Zigarettenautomaten nicht effektiv sei. Seit 2007 können Zigaretten nur noch mit Hilfe von EC- oder anderen Chipkarten am Automaten gezogen werden. Allerdings habe eine 2009 durchgeführte Befragung gezeigt, dass etwa ein Viertel der befragten Jugendlichen die Altersschranken der Automaten umgingen, heißt es in dem Grünen-Antrag.

Schon jetzt ist die Zahl der Zigarettenautomaten deutlich zurückgegangen: Derzeit gibt es bundesweit noch etwa 350 000, vor zehn Jahren waren es doppelt so viele.

Vor allem aber, heißt es in dem Antrag weiter, müsste die Tabakwerbung wirksamer eingeschränkt werden – sowohl die auf Plakaten und Postern wie auch die in Kinos. Die Bundesregierung habe sich diesbezüglich bislang einer vollständigen Umsetzung der Tabakrahmenrichtlinie verweigert, kritisieren die Grünen. Zudem unterstützt die Partei einen Vorstoß der EU, wonach die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen deutlich größer und gegebenenfalls mit schockierenden Bildern garniert werden sollen.

„Bildgestützte Warnhinweise“ könnten die Kenntnis über die mit dem Rauchen verbundenen Risiken verbessern, argumentieren die Grünen. Sie verweisen in dem Antrag darauf, dass pro Jahr in Deutschland bis zu 140 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben; trotzdem würden noch immer etwa 31 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen rauchen. Um die Suchtentwöhnung zu unterstützen, sollten medikamentöse Methoden von den Krankenkassen bezahlt werden, fordern die Grünen weiter.

Einen weiteren Vorstoß der EU lehnen die Grünen allerdings ab: Sie sind dagegen, dass die Liquide für elektronische Zigaretten ab einem bestimmten Nikotingehalt als Arzneimittel eingestuft werden, da dies einem faktischen Verbot gleichkomme. Stattdessen sollten auch elektronische Zigaretten reguliert werden – inklusive Besteuerung.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding begrüßte den Grünen-Vorstoß. Dem Missbrauch sei mit dem bestehenden System Tür und Tor geöffnet, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“. Automaten machten außerdem Lust zu rauchen. Deswegen sei es richtig, die Vertriebswege von Zigaretten noch einmal kritisch in den Blick zu nehmen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), spottete hingegen im Kurznachrichtendienst Twitter: „Sie haben wieder etwas gefunden, was sie verbieten können: Zigarettenautomaten!“

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