Buch

Ein Kinderbuch über das Leben auf der Straße

Sebnem Aydinöszü hat ein Kinderbuch über den Obdachlosen Chris geschrieben

Sebnem Aydinöszü hat ein Kinderbuch über den Obdachlosen Chris geschrieben

Foto: Fiftyfifty

Die Studentin Sebnem Aydinözü hat das Leben eines Obdachlosen beschrieben und bebildert. Aus der Geschichte hat sie selbst viel gelernt.

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Sebnem Aydinözü studiert in Düsseldorf Kommunikationsdesign. Die Gestaltungsprofis kennen sich aus mit Schriften, Formen, Bildern und Strukturen und arbeiten später zum Beispiel in Verlagen oder Werbeagenturen. Auf dem Weg dorthin hat die 21-Jährige den Kurs „Macht Sinn“ besucht. Hier unterstützen die Studenten mit ihren Ideen das fiftyfifty-Team aus Düsseldorf. Fiftyfifty ist eine Organisation, die Obdachlosen hilft.

Daraus hat sich für Sebnem ein ganz besonderes Projekt ergeben: Sie hat ein Kinderbuch über den Obdachlosen Chris und seinen Hund Molly geschrieben. Es heißt „Die Unsichtbaren“.

„Das waren Obdachlose früher für mich: unsichtbar“, gibt Sebnem zu. Sie sei immer schnell an ihnen vorbei gelaufen. Ohne hinzuschauen. Ihre Sicht hat sich inzwischen geändert. Sebnem hofft, dass ihr Buch das auch bei anderen schafft.

Sebnem hat Chris über eine mobile Tierarztpraxis kennengelernt. Die besucht der 28-Jährige mit Molly, wenn der Hund krank ist. „Chris hat gleich gesagt, dass er bei dem Buch mitmacht. Er ist sehr offen und herzlich.“ Chris hat der Studentin viel von sich erzählt. Er hat nicht immer auf der Straße gelebt. Früher hat er als Handwerker gearbeitet. Aber irgendetwas ging schief und als er seine Miete nicht mehr zahlen konnte, ist Chris in ein Zelt gezogen.

Zwei Tage nichts gegessen

Eine Notunterkunft, wie es sie in vielen Städten für Obdachlose gibt, kommt für ihn nicht in Frage. „Hunde sind in solchen Schlafstellen nicht erlaubt“, erklärt Sebnem. „Und Chris käme nie auf die Idee, Molly draußen zu lassen.“

Das hat Sebnem von Chris und anderen Besuchern der mobilen Tierarztpraxis gelernt: Die Tiere sind unheimlich wichtig für die Menschen, die auf der Straße leben. Sie bieten ihnen einerseits Schutz. Wenn Chris draußen schläft, bellt Molly sofort alarmiert, wenn sich jemand nähert. Molly ist für ihn aber auch eine gute Freundin, für die er Verantwortung übernimmt. Einmal hatte er so wenig Geld, dass es nur für Mollys Futter reichte, erzählt Sebnem. Chris hatte zwei Tage lang nichts gegessen.

In dem Buch heißen Chris und Molly anders. Sebnem hat sie Benni und Shana genannt und ihren Alltag beschrieben. Sie schreibt sehr eindringlich von der Angst vor Regen und Kälte. Traurig wird es, wenn die beiden respektlosen Spaziergängern begegnen, die über Obdachlose schimpfen. Sebnem wünscht sich, dass viele Eltern das Buch gemeinsam mit ihren Kindern lesen. Und die Menschen dann vielleicht mit anderen Augen sehen. Das Buch kostet 5 Euro. Man kann es bestellen unter www.fiftyfifty-galerie.de/shop

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