Politik

Flüchtlingskinder: Deutschland hilft – ein bisschen

Schmutz, Kälte, Gestank – mittendrin leben Tausende Kinder im griechischen Lager „Moria“.

Schmutz, Kälte, Gestank – mittendrin leben Tausende Kinder im griechischen Lager „Moria“.

Foto: Angelos Tzortzinis / dpa

Die Bundesregierung will mit anderen EU-Staaten 1000 bis 1500 Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern holen. Das reicht nicht, sagen Kritiker.

Vielleicht hast du mit deinen Eltern schon mal einen Urlaub auf dem Campingplatz erlebt. Das macht Spaß, wenn man ein Zelt, eine Matte und einen Schlafsack besitzt. Leider haben die meisten Flüchtlingskinder, die in Zeltlagern auf den griechischen Inseln leben, nichts von alledem. Die „Zelte“ bestehen oft aus Plastikplanen, es regnet rein. Die Menschen schlafen im Schmutz und frieren nachts, viele sind krank. Weil in den Lagern inzwischen achtmal so viele Flüchtlinge untergebracht wurden wie geplant, sind Toiletten und Waschräume total überfüllt. Auf allen Wegen türmt sich der Müll, es stinkt furchtbar. Von Schulunterricht können die Kinder nur träumen.

Ohne Eltern, ohne Freunde

Rund 14.000 Kinder und Jugendliche hausen in den Lagern. Das Wort „wohnen“ passt hier nicht. Die Bundesregierung hat nun versprochen, dass sie gemeinsam mit anderen Staaten 1000 bis 1500 von ihnen aufnehmen könnte. „Das ist beschämend wenig!“, sagen Kritiker.

Die Politiker haben sehr lange beraten. Ergebnis: Man plant, kranke Kinder nach Deutschland zu holen. Und Jungen und Mädchen, die allein in den Lagern leben. In den meisten Fällen sind die Eltern gestorben – auf der Flucht, oder in dem Krieg in Syrien, vor dem sich die Menschen retten wollen.

Die Hilfsorganisationen sind dankbar, dass Deutschland eingreifen möchte. Aber viele fragen, warum ein so reiches Land nicht großzügiger hilft? Die Regierung will ja nur zusammen mit anderen EU-Ländern bis zu 1500 Kinder aufnehmen. Angeblich beteiligen sich Frankreich, Kroatien, Portugal, Luxemburg und Finnland. Dann kommen womöglich bloß ein paar Hundert Flüchtlingskinder zu uns.

Ulla Jelpke von der Partei „Die Linke“ sagte, das sei keine Aktion der Menschlichkeit, sondern eine „Bankrotterklärung“ (also ein Total-Versagen). Denn 140 Städte und mehrere Bundesländer erklärten, sie hätten Platz für noch mehr Kinder.

5400 gefährdete Kinder

Die Partei „Die Grünen“ forderte, alle unbegleiteten Kinder müssten unbedingt aus den Lagern geholt werden: Das wären 5400 Jungen und Mädchen, für die das Leben dort ohne Eltern sehr gefährlich ist.

Warum leistet Deutschland nicht mehr? Warum helfen nicht alle EU-Länder mit? Ein Grund ist: Eine Menge EU-Bürger möchten um jeden Preis verhindern, dass weitere Menschen nach Europa kommen. Viele von ihnen interessieren sich nicht dafür, dass die Flüchtlinge sich niemals freiwillig auf den Weg machen, sondern weil sie ihr Leben retten wollen. Es geht ja nicht um Camping, es geht um Krieg.

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