Eisenbahn

Freie Fahrt für die kluge Lok

Die rote Lok kann sich auf unterschiedliche Stromleitungen einstellen.

Die rote Lok kann sich auf unterschiedliche Stromleitungen einstellen.

Früher musste man Güterzüge kurz vor der Grenze oft umbauen. Weil im Ausland eine andere Technik genutzt wurde. Das geht jetzt viel einfacher.

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Die Bremsen hat Marek de Haan schon überprüft. Alles in Ordnung! Der Fahrplan für den Lokführer liegt bereit, genauso wie die wichtigen Frachtpapiere. Darin steht, was in den Güterwagen transportiert wird und wo es hingeht: In unser Nachbarland, die Niederlande. Die 36 Wagen enthalten auch Gefahrgüter.

Gefahrgüter? Das sind zum Beispiel Stoffe, die giftig sind oder leicht brennbar, gefährliche Gase und Säuren. Solche Güter dürfen nicht mit Lastwagen befördert werden, man muss sie in Schiffe oder auf Züge verladen. Das ist sicherer.

Bei der Bahn gibt es besondere Waggons für Gefahrgüter. Man kann sie von außen leicht erkennen. Sie haben spezielle Schilder. Ein rotes Quadrat mit einer Flamme verrät zum Beispiel: Dieser Stoff ist entzündlich. Ein Totenkopf zeigt an: Achtung, giftig!

Marek de Haan kennt sich gut damit aus, er arbeitet schon seit 35 Jahren als Lokführer. Er bewegt den Gashebel. Langsam rollt die rote Lok aus dem Güterbahnhof in Köln. Der Zug ist 663 Meter lang und sehr schwer. Aber das bemerkt man vorn in der Lok kaum. Der Motor surrt nur leise. Das Ziel liegt etwa 250 Kilometer entfernt: der Güterbahnhof Kijfhoek in der Nähe des riesigen Hafens von Rotterdam.

Mit der Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 Kilometern pro Stunde saust der Zug vorbei an Duisburg und Oberhausen, weiter in Richtung Grenze.

Früher war es kompliziert, einen Güterzug von einem Land in ein anderes fahren zu lassen. In den einzelnen Ländern haben zum Beispiel die Stromleitungen eine unterschiedlich starke Spannung. Und in jedem Land gibt es eine andere Technik für den Funk, für die Signale und für die Sicherheit. Deshalb musste man immer an einem Bahnhof kurz vor der Grenze anhalten und die Loks vor den Güterwagen tauschen. Das dauerte lang und war furchtbar aufwändig.

Heute geht es oft einfacher. Denn es wurden Loks gebaut, die in verschiedenen Ländern funktionieren. Es sind sozusagen besonders kluge Lokomotiven, die sich an die unterschiedlichen Spannungen und Techniken anpassen können. Die rote Lok vorne am Güterzug von Marek de Haan ist so eine Vectron-Lok. Dieses Modell ist noch ziemlich neu.

Kurz vor der Grenze fährt der Lokführer den Stromabnehmer herunter. Das ist eine Art Stange, die eine Lokomotive mit der Stromleitung über ihr verbindet. Ist der Stromabnehmer abgesenkt, bekommt die Lok keine Energie mehr. Sie fährt dann nur noch mit dem restlichen Schwung.

Bildschirm wird schwarz

Der Lokführer legt einen Schalter um. Die Bildschirme, auf denen die Geschwindigkeit und andere Daten angezeigt wurden, sind schwarz. Sekunden später leuchten sie auf und sehen plötzlich anders aus. Die Lok hat ihr Programm gewechselt. Jetzt kann der Lokführer den Stromabnehmer wieder ausfahren. Die Lok bekommt neuen Strom – und ist jetzt in den Niederlanden zu Hause.

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