Tiere

Kuscheln verboten! Die Insel der Kegelrobben

Süß! Aber die Robbenmutter mag es überhaupt nicht, wenn man ihrem Baby zu nahe kommt.

Süß! Aber die Robbenmutter mag es überhaupt nicht, wenn man ihrem Baby zu nahe kommt.

Foto: Oliver Willikonsky / dpa

Sie sehen friedlich und niedlich aus. Doch Kegelrobben sind die größten Raubtiere Deutschlands. Vor hundert Jahren waren sie fast ausgestorben.

Leicht schwankend verlassen die Besucher das kleine Boot. Nur wenige Minuten sind sie damit über die Nordsee gefahren: von der Insel Helgoland rüber zu einer kleinen Insel mit dem Namen „Düne“. Gerade angekommen, halten sie schon Ausschau. Denn wer sich trotz Wind und Kälte hierher wagt, hat ein klares Ziel: Kegelrobben sehen! In den Wintermonaten kommen an diesem Strand mehrere hundert Kegelrobben-Babys zur Welt.

Das Gewusel aus kuscheligen Tierkindern gab es hier nicht immer. Vor etwa hundert Jahren waren die Kegelrobben verschwunden. Fischer wollten nicht, dass die Robben ihnen den Fang wegfressen und rotteten sie fast aus.

30 Meter Abstand

Heute sind die Kegelrobben aber geschützt. Deshalb dösen sie auch wieder dicht nebeneinander am Strand. So können Neugierige sie leicht beobachten. „Wichtig ist allerdings, dass man genügend Abstand hält“, sagt Nils Conradt. Er arbeitet für einen Naturschutz-Verein und zeigt Besuchern die Robben. 30 Meter sollten mindestens zwischen den Robben und den Menschen liegen, damit die Tiere nicht gestört werden. Lange dauert es nicht, bis die ersten Robben zu erkennen sind. Im Sand strecken sich erwachsene Weibchen aus. Außerdem kann man die großen Bullen sehen, die bis zu 300 Kilogramm schwer werden. Und auch die Jungtiere sind dabei. Eine noch ganz kleine Robbe mit weißem Flausch-Fell liegt neben einem Ast. Träge beißt sie hinein und dreht sich dann wieder auf die Seite, um weiter zu schlafen. Den weißen Flaum der Babys nennt man Lanugofell. Es schützt vor Kälte, ist aber nicht wasserdicht. Weil sie deshalb noch nicht selbst im Wasser jagen, werden die Robben von ihren Müttern versorgt.

Die Robbenbabys mit ihren Kulleraugen sind so niedlich, dass sich manche Besucher der Insel einfach nicht an die Regeln halten. Aber wer dem Jungtier zu nahe kommt, muss damit rechen, dass die Mutter brüllend und mit spitzem Raubtiergebiss angreift.

Aus Flaum wird Fell

Die Mütter sind nicht die ganze Zeit bei ihrem Nachwuchs. Sie kommen aber mehrmals täglich vorbei, um die Jungen zu säugen. „Ihre Milch ist eine Art Wundertrank“, sagt Nils Conradt. Sie ist extrem fetthaltig. „Mit der Milch, die wir aus dem Supermarkt kennen, hat das nichts zu tun.“

Durch die Milch nehmen die Robben jeden Tag etwa 1,5 Kilogramm Gewicht zu. Ungefähr so viel wiegt eine große Flasche Wasser! Nach etwa drei Wochen hören die Mütter auf, ihren Nachwuchs zu versorgen. In dieser Zeit wechseln die jungen Robben zum ersten Mal ihr Fell. Aus dem weißen Flaum wird ein dunkles, geflecktes Fell. Das süße Baby ist bereit für die Jagd – es ist jetzt ein richtiges Raubtier!

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