Dokumentation

Altenheim der Traumfabrik: „Sunset Over Hollywood“ im Kino

Im Altenheim der Traumfabrik: „Sunset over Hollywood“

Im Altenheim der Traumfabrik: „Sunset over Hollywood“

Foto: Piffl Medien GmbH

Essen.   Uli Gaulke besucht in der Doku „Sunset Over Hollywood“ dessen Seniorenresidenz, vom Cutter bis zum Caster. Nur das Elend muss draußen bleiben.

Das Objekt liegt ein wenig versteckt, am Ende des Mulholland Drive nördlich von Los Angeles. Hier findet man den „Motion Picture & Television Fund Home“, eine einmalige Einrichtung, die deutlich macht, dass Hollywood seine einstigen Mitarbeiter im Alter nicht im Stich lässt. In diesem luxuriösen Altenheim leben die Rentner der Filmindustrie, gesponsert von Stars wie Jodie Foster oder George Clooney. Hier atmet man noch das Kino von Gestern, trifft man auf Menschen, die man nicht kennen muss, die aber an großen Filmen mitgewirkt haben. Der Dokumentarfilmer Uli Gaulke, mehrfach ausgezeichnet („Havanna Mi Amor“), hat sich mit „Sunset Over Hollywood“ in dieses Refugium begeben und dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht.

Zunächst einmal muss man die Illusion ablegen, dass Hollywood nur aus Stars und vielleicht noch aus Regisseuren besteht. Hier trifft man auch auf Drehbuchautoren, Masken- und Kostümbildner, auf Cutter und Besetzungscouches. Gaulke konzentriert sich hauptsächlich auf eine Gruppe für kreatives Schreiben, die sich regelmäßig trifft. Im Kino der Anlage sehen sie gerade noch einmal „Casablanca“, weil sie danach versuchen wollen, die Geschichte des Films fortzusetzen.

Der Kurzfilm der 90-Jährigen und die Kleindarsteller

Dass man im Alter nicht zu früh aufgeben sollte, dafür ist dieser Kreis das beste Beispiel. Nicht nur, dass die meist schon über 90-Jährigen einen Kurzfilm im eigenen Studio produzieren wollen. Nein, die Schauspielerin Conny Sawyers ist auch mit ihren 103 Jahren immer noch aktiv. Dass man sie und andere Kleindarsteller noch einmal in ihren Filmausschnitten sehen kann, das ist ein großes Plus dieses Films.

Auch wenn einem die Menschen hier auf den ersten Blick unbekannt vorkommen mögen, Gaulke lässt sie uns vertraut werden. Joel Rogosin etwa, der früher mal Produzent von TV-Serien wie „Die Leute von der Shiloh Ranch“, „Der Chef“ oder „Magnum“ war. Jetzt ist er dabei, mit seiner Frau ein Buch über die glückliche Ehe zu verfassen. Bei dem Namen Selznick denkt man sofort an den Produzenten David O. Selznick und an „Vom Winde verweht“. Sein Sohn Daniel, der jetzt Ruhe sucht im beschaulichen Ambiente, hat zumindest eine Großtat vollbracht: Er gab George Lucas die Chance, „American Graffiti“ zu drehen und hat ihm damit das Tor zu einer grenzenlosen Karriere geöffnet.

Ein allzu „schöner“ Film ohne Krankheit und Verfall

So gerne man diesem Film zuschaut, man spürt doch, dass hier etwas Wesentliches fehlt. Gaulke wollte offensichtlich einen „schönen“ Film abliefern. Von Krankheit und Verfall ist hier nichts zu sehen. Alles sieht so aus, als ob die alten Menschen noch ganz und gar eigenständig leben könnten, Pflegepersonal jedenfalls bleibt ausgespart. Einmal fährt die Kamera ganz kurz an einer Palliativstation vorbei. Vermutlich ein Versehen.

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