Zukunftsvisionen

Ausstellung: Mit dem Sex-Roboter in den Darkroom

Sind sie nicht süß? Kuratorin Jasmin Grimm Auge in Auge mit „Seer" von Takayuki Todo.

Sind sie nicht süß? Kuratorin Jasmin Grimm Auge in Auge mit „Seer" von Takayuki Todo.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Das NRW-Forum in Düsseldorf ist dafür bekannt, bei ungewöhnliche Wege zu gehen. Aktuell widmet man sich dem Roboter als neuem Mitmenschen.

Sophia begrüßt die Besucher im NRW-Forum augenzwinkernd und mit einem charmanten Lächeln, Alter 3 im Obergeschoss dirigiert leise summend ein ganzes Orchester – und im Hinterzimmer des NRW-Forums, das am Wochenende zu einer (fast) ganz normalen Wohngemeinschaft umgestaltet wird, kann man mit seinem künstlichen Mitbewohner auch trinken, kuscheln ... und mehr. Ein Darkroom bietet alle Möglichkeiten.

„Homo sapiens“ und „Homo digitalis“ nähern sich an

Sie sollen sich also näher kommen, die beiden Spezies „Homo sapiens“ und „Homo digitalis“, dessen zunehmende Existenz die älteste aller Fragen hervorruft: Was ist der Mensch? Die Antwort ist wie so oft eine Gegenfrage: Was ist ein Roboter? Das ulkige Metallgestell, das Altmeister Nam Jun Paik 1964 durch Manhattan laufen ließ und auch als Unfallopfer eines Verkehrsunfalls inszenierte? Oder sind sie jene flachen Ufos aus der Serienfertigung, die Wollmäuse jagen und den Rasen kurzhalten?

Wobei: mit diesen so harmlos anmutenden mobilen Käselaibern hat die neue Spezies Roboter angefangen, aus den Fabriken auszuschwärmen und den Menschen in seiner natürlichen Umgebung – zuhause also – aufzusuchen.

Insofern ist es folgerichtig, dass das NRW-Forum sich am Wochenende zur Groß-Wohngemeinschaft umbaut, in der Tresenrobotor in der Küche die Cocktails mischen und im Wohnzimmer die Couch und der Fernseher und viele andere Dinge mehr mit den Besuchern reden und gewissermaßen live in ein Beziehungsdrama mit dem Internet der Dinge treten, das der Künstler So Kanno hier inszeniert hat.

So soll Star-Roboter Sophia beispielsweise in ein philosophisches Gespräch verwickelt werden. Paul J. Kohtes von der „Identity Foundation“, einer Düsseldorfer Stiftung für Philosophie erläuterte, Sophia verstehe nur Englisch, man könne also auf Deutsch vor ihr über sie reden.

Wer da innerlich zusammenzuckt, ob derlei denn mit dem menschlichen Anstand vereinbar sei, ist den ethischen Fragestellungen in der von Robotern und Menschen bevölkerten Welt schon dicht auf den Fersen.

Doch der Welt modernster Roboter ist eine Dame ohne Unterleib – dafür gibt es ja – wie eingangs erwähnt – wieder andere Roboter. Immerhin hat sie, die Roboterin Sophia, schon Kanzlerin Angela Merkel und Fußballgott Christiano Ronaldo die Hände geschüttelt und sogar eine Staatsbürgerschaft – ausgerechnet eine des nicht so arg frauenfreundlichen Staates Saudi-Arabien.

Sie zu fragen, warum sie als Frau entworfen wurde – und ob sie lieber männlich gewesen wäre, könnte ja ein Einstieg sein. Zur Begrüßung fand sie nur ein paar Floskeln auf Englisch. Düsseldorf sei eine schöne Stadt. Nun ja, wesentlich einfallsreicher kommen meist auch Stargäste aus Fleisch und Blut nicht rüber.

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