David Bowie

Bowie-Musical Lazarus feiert in Düsseldorf Auferstehung

Hans Petter Melø Dahl ist in der deutschsprachigen Erstaufführung Musicals «Lazarus» der .David Bowie, der Thomas Newton spielt. Hinter ihm lauert der Tod, alias Valentine.

Foto: Lucie JanschSchauspielhaus Düsseldorf/dpa

Hans Petter Melø Dahl ist in der deutschsprachigen Erstaufführung Musicals «Lazarus» der .David Bowie, der Thomas Newton spielt. Hinter ihm lauert der Tod, alias Valentine. Foto: Lucie JanschSchauspielhaus Düsseldorf/dpa

Düsseldorf.   David Bowies Musical „Lazarus“ in deutscher Uraufführung feiert den Star unter den Sternchen mit großen Bildern und einem großartigen Mörder

Mann und Frau werden unsterblich, in dem sie Kinder bekommen. Wie aber wird unsterblich, wer Gender-Rollen sprengt, über Grenzen geht, sich nicht zuordnen lassen will? Wer sich fühlt, als gehöre er zu einer anderen Welt und sei auf Erden gefangen?

Fragen, auf die David Bowie kurz vor seinem Tod vor zwei Jahren Antworten suchte – und zu einem Musical verdichtete, das den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde, Leben und Tod ausschöpft, beleuchtet, erträumt und einen Zwitter schafft: Lazarus, der Untote aus der Bibel, ist Pate. In Düsseldorf feierte Bowies Musical seine bejubelte Premiere.

Lazarus-Musical ist ein Spiel mit Assoziationen

Dabei macht es Bowies Drama dem Publikum nicht leicht: Lazarzus ist ein Spiel mit Assoziationen, mit Träumen, mit Delirien und Wahnbildern, mischt Rausch und Realitäten. Zeiten und Orte wechseln, wir erleben Thomas Newton, den außerirdischen Helden, den Bowie 1976 in Nicholas Roegs Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ spielte. Er ist auf Erden gefangen und sehnt sich, weil unsterblich, nach dem Tode.

Als Hilfsmaßnahme katapultiert er sich ins Gin-Delirium, wo ihm ein Girl (Lieke Hoppe) erscheint. Dazu sehen wir junge und gelangweilte Liebespaare, gefangen zwischen Eifersucht und Alltag und den Tod, der ausgerechnet den Namen des Schutzheiligen der Liebenden, Valentine, trägt.

André Kaczmarczyk begeistert als Valentine

Das Puzzle mit Bildern und Assoziationen ist zugleich Stärke und Schwäche des Stücks, das Bowie gemeinsam mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh erarbeitete: „David sagte stets, das Stück solle sich anfühlen wie ein Fiebertraum, in dem der Tod unausweichlich näher rückt“, so Walsh.

Der Tod ist ohnehin der große Held: André Kaczmarczyk als Valentine tänzelt als großer schwarzer androgyner Vogel über die Bühne, liebevoll schmeichelnd, brutal meuchelnd mit dem Dolch im Gewande, wenn es gilt, der Liebe im Standardformat von Mann und Frau ein blutiges Ende zu bereiten.

Ebenfalls zu den Stärken gehören die unsterblichen Lieder, die Bowie mit veränderten Texten und Tempi einbaut, so wie die balladeske Heroes-Fassung zum Finale.

Regisseur Matthias Hartmann fährt mächtig auf: mehrstöckige Bauten, Multimediabildschirme, (Bühne. Volker Hintermeier), dazu stimmungsvolles Licht. Großer Rahmen für große Themen. Zwar entschuldigte sich Hartmann vor dem Auftakt für die Bronchitis seiner Hauptdarsteller, doch Hans Petter Melø Dahl als Thomas Newton klingt nur in manchen Sprechszenen etwas angerauht.

Hans Petter Melø Dahl als Bowie der Let’s-Dance-Zeit

Gegen den norwegischen Bowie-Look-a-Like-Sänger (etwa aus der Let’s- Dance-Phase ) wirken die Frauenstimmen am Premierenabend etwas blasser, Girl (Lieke Hoppe) genauso wie Rosa Enskat als Elly, die als Assistentin von Newton im Kielwasser des Stars den eigenen Aufstieg sucht.

Bowie zeigt auch als Musicalmacher, was er war: Ihm geht es nicht um eine Nummernrevue, sondern um ein Gesamtkunstwerk, er will nicht Formate füllen, sondern Unikate schaffen. Die Düsseldorfer Inszenierung bietet dazu gute Akteure und große Bilder.

Termine: 6., 16. und 17. Februar; 3., 4. und 31. März, 1., 11., 12. und 30. April. Karten unter: 0211/36 99 11, www.dhaus.de

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