Tanz

Der Geist der Rose in Duisburg

Elektrisierend: Mariana Dias und Bruno Narnhammer.

Foto: Gert Weigelt

Elektrisierend: Mariana Dias und Bruno Narnhammer. Foto: Gert Weigelt

Duisburg.   Der verwegene Dreiteiler-Abend „b.34“ beeindruckt in Duisburg vor allem mit Marco Goeckes elektrisierendem Rosen-Alptraum.

Dorfjugend zwischen Kuhglocken und Alpenglühen im Appenzeller Land, danach ein zitternder „Geist der Rose“, der Tänzern und Zuschauern einen fiebrigen Energieschub verpasst. Zum Schluss das berühmte Antikriegs-Ballett „Der Grüne Tisch“, das Kurt Jooss 1932 für Essens Folkwang-Tanzbühne kreierte. Diese abwechslungsreiche, wenn auch verwegene Mischung bietet der neue Dreiteiler-Abend „b.34“, den jetzt das Ballett am Rhein im Duisburger Opernhaus präsentiert. Besonders groß war der Premieren-Jubel für Marco Goeckes elektrisierenden Rosen-Alptraum von 25 Minuten.

Der 46-jährige hypersensible Wuppertaler, der mit seinen eigenen, hektisch zitternden Arm- und Handbewegungen als Erneuerer des Tanzes gefeiert wird (auch 13 Jahre als Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts), hatte dieses Opus nach Musik von Carl Maria von Weber bereits 2009 in Monte Carlo herausgebracht. Ein Mädchen träumt sich den Rosengeist herbei; als sie aufwacht, ist er auf und davon. Doch anders als 1911, in der Uraufführungs-Regie von Mikhail Fokin (mit Vaslav Nijinsky in der Hauptrolle), gibt es bei Goecke keine süßen Träume.

Wahnwitziges Tempo, elegant fließende Schritte

Zu Beginn streuen zwar sechs Männer in dunkelrotem Samt Rosenblätter. Auch der Geist trägt eine Hose aus roten Blättern. Doch dann brechen die Frau und der Geist auf in eine düstere Welt. Doch sie (Mariana Dias) und das ätherische Wesen (Bruno Narnhammer) geraten in Panik, rudern nervös mit Armen, ihre Hände flattern über ihre Körper. Sie setzen die Musik nicht eins zu eins um, sondern nutzen überwiegend die Rhythmen, um ein rasendes Zucken durch ihre athletischen Körper zu jagen. Narnhammer huscht über die Rosenblätter, krallt sich in die Luft und umschwärmt Mariana Dias, die wie in Trance schwebt. Die beiden Solisten (und die sechs Herren) buchstabieren Goeckes exzentrisches Tanz-Vokabular und vereinen wahnwitziges Tempo und manchmal irre Bewegungen mit elegant fließenden Schritten. Allein dieses Stück, in dem das Potential der Kompanie zum Vorschein kommt, lohnt das Ticket.

Harmlos und eher spröde dagegen die „Appenzellertänze“, mit denen Martin Schläpfer vor 18 Jahren (damals in Mainz) den Bauern seiner Heimat, der Ostschweiz, ein Denkmal setzte. Da schwingen vor einer Berg-Silhouette (Thomas Ziegler) Herren und Damen Kuhglocken, wie man sie aus der Schokoladen-Werbung kennt – maßvoll blieb der Applaus. Bravorufe indes für den „Grünen Tisch“, der nach 90 Jahren kein Staubkörnchen angesetzt hat.

Termine: 7., 9., 24. Feb., 1. März. Tel. 0203/ 283 62 100, www.operamrhein.de

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