Tanzpreis

Deutscher Tanzpreis: Gala ehrt Gert Weigelt in Essens Aalto

Geehrt im Aalto-Theater. Isabelle Schad, Gert Weigelt und Jo Parkes. Das Foto entstand bereits vor der Verleihung des Deutschen Tanzpreises im Aalto-Theater Essen.

Geehrt im Aalto-Theater. Isabelle Schad, Gert Weigelt und Jo Parkes. Das Foto entstand bereits vor der Verleihung des Deutschen Tanzpreises im Aalto-Theater Essen.

Foto: Julia Tillmann / Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Bei der Gala zur Verleihung des Deutschen Tanzpreises traten Ballett-Abordnungen erster Klasse auf. Aber es gab im Aalto-Theater auch Pannen.

Als „Paläste der Erinnerung“ würdigte Thomas Thorausch, der stellvertretende Leiter des in Köln ansässigen Deutschen Tanzarchivs, in seiner Laudatio die Arbeiten des wohl bekanntesten Ballett-Fotografen Gert Weigelt, dem am Samstag Abend der „Deutsche Tanzpreis 2019“ im voll besetzten Essener Aalto-Theater überreicht wurde. Als erste Auszeichnung des vom „Dachverband Tanz Deutschland“ vergebenen Preises an einen Fotografen, was Weigelt als „Weihe“ bezeichnete, auf die die nächste Fotografin oder der nächste Fotograf „hoffentlich keine 70 Jahre warten“ müssten, wie er in seiner Dankesrede bekannte.

Seit fast 40 Jahren dokumentiert Weigelt die Arbeiten großer Choreografen von Hans van Manen bis Mats Ek. Ursprünglich selbst renommierter Tänzer u.a. am Nederlands Dans Theater, wechselte er mit 32 Jahren die Perspektive und entwickelte sich zu einem analytischen Beobachter, der mit seiner Kamera „die Illusion des Festhaltens der flüchtigen Bewegung des Tanzes im Moment des Augenblicks“ suggerieren konnte. Und zwar in Bildern, die „keines Interpreten bedürfen, die so voll künstlerischen Lebens sind, dass sie für sich selbst sprechen“, wie Thorausch schwärmte.

Gala in Essen anlässlich des Deutschen Tanzpreises: Festakt für Gert Weigelt mit holprigem Vorlauf

Für den Gala-Abend fuhr man gleich sechs renommierte Tanzcompagnien von Amsterdam bis Berlin auf, die dem langen Abend wenigstens künstlerisch wohltuende Glanzlichter verliehen. Denn „Gala“-würdig lässt sich der organisatorische Ablauf nicht gerade nennen. Es war keine gute Idee, die Saaltüren verschlossen zu halten, um das im Foyer dicht gedrängte Publikum über eine halbe Stunde lang mit vier Installationen der am Vorabend mit einer „Ehrung“ gewürdigten Choreografin Jo Parkes zu beglücken. Sehen konnte man in dem Gedränge kaum etwas, das über Kopfhörer ausgestrahlte Live-Interview fiel weitgehend technischen Problemen zum Opfer, der Sauerstoff wurde knapp, die Bandscheiben im Stehmodus strapaziert und endlich auf den Sitzplätzen angelangt, wurde man mit einer eindrucksvollen Bilderschau aus der Werkstatt Gert Weigelts besänftigt. Wunderschöne Bilder, aber viel zu wenige, dafür aber gefühlte 25 Mal in Dauerschleife.

Deutscher Tanzpreis im Aalto zeigte große Tanzkompanien auf der Bühne. Die Organisation war nicht auf diesem Niveau

Das offizielle Programm startete eine Stunde später, nach geschlagenen drei Stunden läutete es zur Pause, die etliche Besucher zum Finale umdeuteten und das Weite suchten. Allerdings folgten der Pause im Wesentlichen nur noch die Ehrungen der Choreografin Isabelle Schad „für herausragende künstlerische Entwicklungen im zeitgenössischen Tanz“ „an der Schnittstelle zwischen Tanz, Performance und Bildender Kunst“ sowie der Tanz- und Videokünstlerin Jo Parkes „für herausragende künstlerische Entwicklungen in sozialen und partizipativen Projekten des Tanzes“.Neben der kleinen Bilderschau trug Weigelt selbst mit einer kleinen Video-Replik auf Pina Bausch einen kreativen Höhepunkt bei. Umsäumt von umfangreichen, klug ausgewählten Tanzbeiträgen unterschiedlichster Art.

Verneigung vor dem Preisträger Gert Weigelt. Als Fotograf begleitet er seit Jahrzehnten große Tanzkunst

Ihre Reverenz erwiesen das „Bayerische Junior Ballett München“ mit dem Stück „Im Wald“ von Xin Peng Wang. Die von Jo Parkes betreuten „Collective Jumps“ beeindruckten mit einer im wahrsten Sinne des Wortes „kollektiven“ Bewegungsstudie ohne Musik. Martin Schläpfers „Ballett am Rhein“ war mit dem Solostück „Ramifications“ vertreten, ausdrucksvoll ausgeführt von Marlúcia do Amaral und der raffinierte, klassisch angehauchte Pas de deux zu Erik Saties „Trois Gnossiennes“ in der Choreografie des Grandmasters Hans van Manen erzielte wahre Begeisterungsstürme. Lutz Försters Solo-Auftritt erinnerte mit einer ironischen Einlage aus Pina Bauschs Projekt „Nelken“ an die kreative Energie der großen Choreografin. In großer Besetzung trat das Staatsballett Berlin an und begeisterte vor der Pause mit Georges Balanchines neoklassizistisch leichtfüßiger Arbeit „Rubies“ zum Capriccio von Igor Strawinsky, Live zum Klingen gebracht von den Essener Philharmonikern unter Leitung von Robert Reimer.

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