Kino

Die filmreife Geschichte des Tänzers Carlos Acosta

Handout Film Yuli

Handout Film Yuli

Foto: Denise Guerra

Neu im Kino: „Yuli“ von der spanischen Regisseurin Iciar Bollain – eine intensive Künstlerbiografie erzählt vom Aufstieg in Kuba

Carlos ist wie alle Jungen in der Straße, er hat Krach in der Schule, deshalb auch Krach mit den Eltern, und am liebsten würde er den ganzen Tag Fußball spielen und sein Selbstbewusstsein im Kampf mit anderen schärfen. Lange Zeit geht das gut, dann wird er auf eine neue Schule geschickt – und dort erkennt eine Lehrerin erste Knospen eines herausragenden Talents.

Doku mit Spielfilm-Rückblenden

Noch aber mag sich Carlos nicht damit abfinden, dass seine Karriere beim Tanz Erfüllung finden soll und nicht bei Diebstahl oder Fußball. Immer wieder büxt er aus, und dann ist es ein ganz unerwartetes Ereignis, das ihm die Augen öffnet.

Der Aufstieg eines eigenwilligen Jungen vom Gossenkind in Havanna zu einer weltweiten Tanzattraktion, das ist grundsätzlich die alte Geschichte von harter Arbeit und vom Glauben an sich, die hinauf zu den Sternen führen; nur eben diesmal vor exotischer Kulisse.

Die wahre Geschichte des Kubaners Carlos Acosta verfängt als Film auf so wunderbare Weise, weil die spanische Iciar Bollain („Öffne meine Augen“) das Geschehen von zwei Ebenen her angeht. Wichtige Lebensstationen werden in Rückblenden als Spielfilm nacherzählt, und auf der Gegenwartsebene choreografiert Acosta (er sieht tatsächlich aus wie der junge Denzel Washington) sein Leben mit seiner Tanzcompany für die Bühne. Bollain romantisiert nichts und erreicht in melodramatischen Momenten eine zupackende Glaubwürdigkeit. Die charismatischen Schauspieler bilden das I-Tüpfelchen auf einer Filmproduktion, die in gleichem Maße Körper und Gefühl anspricht. Für Tanzfreunde ist das ein Muss, für alle anderen eine lohnende Entdeckung.

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