Jugendbuch-Schriftstellerin

„Die Wolke“-Autorin Gudrun Pausewang mit 91 Jahren gestorben

Gudrun Pausewang bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Lebenswerk 2017.

Gudrun Pausewang bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Lebenswerk 2017.

Foto: Arne Dedert / dpa

Bamberg/Frankfurt am Main.  Ihre Bücher wie „Die Wolke“ haben Generationen von Schülern gelesen. Nun ist Schriftstellerin Gudrun Pausewang gestorben. Sie wurde 91 Jahre alt.

„Solidarität mit der Dritten Welt und Frieden um jeden Preis“ – so hat Gudrun Pausewang 1984, als ihr der Gustav-Heimann-Friedenspreis verliehen wurde, die beiden großen Ziele ihres Lebens beschrieben. Später kam mit ganzer Vehemenz noch der Schutz der Umwelt hinzu. Gudrun Pausewang hat literarisch so überzeugend für Frieden und Gerechtigkeit gekämpft, dass sie viele Kinder- und Jugendbuch-Preise wie den Buxtehuder Bullen, den Preis der Leseratten oder den Zürcher Kinderbuchpreis „Die Kuh, die liest“ gleich mehrfach verliehen bekam.

„Die Wolke“ wurde weltberühmt – und Unterrichtsstoff

Und obwohl sie mehr als 100 Bücher schrieb, die sich mehr als fünf Millionen Mal verkauften, übertrifft der Ruhm ihres Romans über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl alle anderen bei weiten: „Die Wolke“ geriet ihr so überzeugend, dass das Buch nicht nur zum Bestseller, sondern später auch in vielen Schulen zum Pflicht-Lehrstoff wurde. Nun ist Gudrun Pausewang am Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren in der Nähe von Bamberg gestorben.

Weil sie als Jugendliche den Krieg erlebte, 1943 ihren Vater durch ihn verloren hatte und vor ihm aus Böhmen im heutigen Tschechien fliehen musste, wurde Gudrun Pausewang zur radikalen Pazifistin. Und schon ein erster Aufenthalt 1956 in Chile, dem viele weitere in ganz Südamerika und die Heirat mit einem Chilenen folgen sollten, weckte ihr Engagement für Entwicklungshilfe und Nord-Süd-Gerechtigkeit.

Gudrun Pausewang schrieb mehr als 100 Bücher

Ihre Erfahrungen mit Armut und Ungerechtigkeit in Chile, Venezuela, Kolumbien und Bolivien brachten Gudrun Pausewang, die in Wiesbaden Abitur machte und Lehrerin wurde, bevor sie als Zeichenlehrerin ins Ausland gegangen war, zum Schreiben. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1972 ließ sie sich in Schlitz nieder, wo sie mehr als 35 Jahre wohnte. Dort unterrichtete sie Grundschüler und verfasste einen Großteil ihrer Bücher.

In ihrem letzten Buch („So war es, als ich klein war“, 2016) hielt sie ihre Kindheitserinnerungen fest. Sie begriff sich als Zeitzeugin des Hitler-Reiches: „Mein Vater war ein überzeugter Nazi und ich wurde zum kleinen Nazi.“ Das „Nie wieder“ war ebenfalls eine Leitlinie ihres Lebens. Und aus der Erfahrung der Vertreibung folgerte sie: „Heimat ist nach meinem Dafürhalten ein Begriff, der in die Vergangenheit gehört.“

Konkurrenz für Räuber Hotzenplotz

Neben vielen ernsten Erzählungen auch gegen Fremdenfeindlichkeit („Und dann kommt Emilie“) machte Gudrun Pausewang aber auch dem Hotzenplotz Konkurrenz: Ihre Abenteuer um den Räuber Grapsch gingen in Serie. Da die Grundschullehrerin bis zur Pensionierung stets von Kindern umgeben blieb, konnte sie sich gut in sie einfühlen.

Seit einem Sturz im Jahr 2016 aber wohnte Pausewang in der Nähe ihres Sohnes in einem Seniorenheim. Mit 88 Jahren dann stellte sie das Schreiben ein, aber das Kind in ihr, das hatte immer noch eine Stimme: „Viele Menschen versuchen, ihre Kindheit abzustreifen“, sagte sie kurz vor ihrem 90. Geburtstag dieser Zeitung und fügte hinzu: „Das sollte man nicht!“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben