Klassik

Dortmunds Konzerthaus eröffnet Saison mit Tschaikowsky

Konzerthaus Dortmund. Festliche Saisoneröffnung – mit dem Royal Concertgebouw Orchestra und Dirigentin Elim Chan.

Konzerthaus Dortmund. Festliche Saisoneröffnung – mit dem Royal Concertgebouw Orchestra und Dirigentin Elim Chan.

Foto: Pascal Amos Rest / Handout

Dortmund.  Es muss keine Katastrophe sein, wenn Klassik-Künstler absagen. Dortmunds festliche Saisoneröffnung im Konzerthaus war Samstag ein Beispiel dafür.

So kann das gehen: Erst sagt der berühmte Dirigent ab (Franz Welser-Möst), dann die weltbekannte Solistin (Janine Jansen). Und das zur Eröffnung der neuen Saison. Doch wo einiges Pech, ist manches Glück ganz nah. Der Tschaikowsky-Abend im Dortmunder Konzerthaus wird trotz allem über weite Strecken zum Ereignis.

Das ist besonders Elim Chans Verdienst, eine jener aufstrebenden jungen Frauen am Pult, die den Dirigentinnenhimmel noch heller leuchten lassen. Sie scheint mit der Musik verwachsen, führt das Royal Concertgebouw Orchestra zielsicher durch alle Klangstürme und milden Träumereien. Kleine kantige, nur manchmal raumfüllende Bewegungen – Chan wirkt in ihrer Gestik ungemein akribisch .Doch diese unprätentiöse Perfektion lohnt sich. Tschaikowskys „Romeo und Julia“-Ouvertüre ist geladen mit wuchtiger Spannung, durchtränkt von mitreißender Leidenschaft.

Auch der „Schwanensee“ schimmerte silbrig im reinen Tschaikowsky-Programm des Konzerthauses Dortmund

Das Amsterdamer Orchester ergibt sich dem hochdramatischen Fluss, mit farbenprächtigen Holzbläsern, einem glühenden Streicherkorpus und sattem Blech, das alles Geprotze vermeidet. Elim Chan entlockt dem Concertgebouw Transparenz, organische Übergänge und zumeist klingende, kaum schneidende Lautstärke. Prachtvolles ertönt in den „Schwanensee“-Auszügen, neben verspielt Filigranem und herzblutender Lyrik. In der „Scène finale“ indes spricht das Drama, ähnlich aufregend wie in der Sinfonie „Pathétique“.Auch zu Beginn steht in diesem Reigen des Populären ein Repertoire-Renner: Tschaikowskys Violinkonzert.

Den Solopart gestaltet die Niederländerin Simone Lamsma, virtuos souverän und offenbar bemüht, romantisches Schmachten zu vermeiden. Doch der mitunter harsche, ja schrundige Tonfall gibt keine Linie vor. Ihre oft robuste Art, als müsse sie diese Musik bezwingen, führt nur ins Reich des Ungefähren. Mancher Orchestereinwurf wirkt beredter, aber vieles an Binnenspannung geht verloren. Schade eigentlich.

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