Uraufführung

Düsseldorf bringt den Kultfilm Fight Club auf die Bühne

Bis aufs Blut: Roger Vontobel bringt in Düsseldorf eine Bühnenfassung des Kultromans „Fight Club“ in den Ring. Es duellieren sich hier Wolfgang Michalek (Tyler Durden) und Kilian Land (Eddy Runtler) .

Bis aufs Blut: Roger Vontobel bringt in Düsseldorf eine Bühnenfassung des Kultromans „Fight Club“ in den Ring. Es duellieren sich hier Wolfgang Michalek (Tyler Durden) und Kilian Land (Eddy Runtler) .

Foto: Thomas Rabsch/Schauspielhaus Düsseldorf

Düsseldorf.   Reichlich Blut, Lauge und Schweiß: Das Düsseldorfer Schauspielhaus hat aus dem Kultfilm „Fight Club“ ein Theaterstück gemacht. Mit Kampfarena.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die erste Regel des Fight Club lautet bekanntlich: „Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.“ Okay. Dann seht zu, dass ihr eingeladen werdet zu einem echt harten Bühnenkampf über gut zwei Stunden. Lohnt sich.

Dafür gibt es mehrere gute Gründe. Zunächst: Die Spielstätte des „Central“ unweit des Hauptbahnhofs ist für die von Hausregisseur Roger Vontobel eingerichtete Uraufführung ein idealer Ort. Die rund 400 Zuschauer gruppieren sich in vier Blöcken um eine Bühne, die wie ein Boxring oder eine Ultimate-Fighting-Arena in der Mitte des finsteren Raumes steht.


In der Ecke – ein zweiter Grund – spielt bereits bei Eintritt eine Band (musikalische Leitung: Keith O`Brien) mit der rauchenden, raunenden Eva Singer (Sonja Beißwenger), die trinkend und schwankend auf Highheels schon mal den ersten Kampf liefert: Den um ihre Balance.

Diese Balance haben alternde, weiße Männer in diesen soften, rundgekuschelten Zeiten ja ohnehin verloren – das ist die These von Chuck Palahniuks Buchvorlage und dem Kultfilm von 1999 mit Brad Pitt, und das ist auch Schwerpunkt des Kampfes von Eddy Runtler, gehobenes Management in der Automobilbranche und wohleingerichtet in Eigentum mit Ikeamöbeln.

Doch der Mann will keine Möbel, er will vermöbeln. Das macht ihm sein Dämon und Alter Ego Tyler Durden klar. Der Mann ist nur da ganz Mann, wo er kämpft. Und der von Kindesbeinen an von Frauen dressierte Mann will eben nicht mit der vagen Aussicht auf relative Unsterblichkeit an der dauernden Selbstoptimierung arbeiten.

Das Drama des alternden weißen Mannes

Er braucht, um überhaupt etwas zu fühlen, den Kampf, den Schmerz, die Destruktion, bestenfalls mit Hilfe von Drogen, schlimmstenfalls durch Selbstmordattentate. „Wenn Sie den Tod umarmen, haben Sie nur noch die Untätigkeit zu fürchten“, lässt er Tyler an einer Stelle sagen.

Vontobel bricht in seiner Bühnenfassung das ganze Drama des alternden, weißen Mannes herunter auf ein Dreipersonenstück und hetzt den schmächtigen, beinahe balletttänzerisch agierenden Killian Land als Eddy Runtler Textrunde um Textrunde auf Tyler Durden, von Wolfgang Michalek irgendwo zwischen Wrestler, Dittsche und Zuhälter angelegt, der ab und an sogar mit leiser Ironie die Textschwere abmildern darf. Das sind die Gründe drei und vier.

Meist aber bittet er zum Kampf bis aufs Theaterblut, den Kilian Land dann bravourös aufnimmt. Die Zuschauer werden im Laufe des Abends gnädigerweise durch eine Art Ultimate-Fighting-Käfig um den Ring (Bühne: Fabian Wendling, Grund Nummer fünf) weitgehend vor den schmierigen Substanzen geschützt.

Stehende Ovationen am Ende der Uraufführung

Drinnen tobt – eindrucksvoll beleuchtet – Nebel, Blut und Glyzerin – wahrlich eine explosive Mischung. Kilian Land wirft sich blutverschmiert wie ein Tier im Käfig immer wieder gegen die gläserne Wand, die am Ende auch die drohende Liebe mit Eva Singer nicht durchdringen kann – Sonja Beißwenger beeindruckt in dieser Rolle neben sehr einfühlsamem Gesang mit großer Selbstentblößung, von der man nur hoffen kann, dass sie rein physisch bleibt. Grund Nummer sechs.

Gewiss, der Uraufführungsabend hatte ein paar kleine Wackler und fordert mit seiner Textlawine und den teilweise brutalen Szenen Ensemble und die Zuschauer bis zur Erschöpfung. Für stehende Ovationen reichte es am Ende aber doch noch. Zurecht. Es lohnt sich, über diesen Düsseldorfer Fight Club zu sprechen.


Weitere Termine: 22. Mai, 7. 12. und 28. Juni, 3. Juli, jeweils 19.30 Uhr.
Karten: 14 bis 44 Euro. Infos: www.dhaus.de


Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben