Ausstellung

Düsseldorf zeigt den Mythos der Tour de France

Philipp Hympendahl inszeniert die Tour in stark gedopten - äh - bearbeiteten Panoramen.

Foto: Kai Kitschenberg

Philipp Hympendahl inszeniert die Tour in stark gedopten - äh - bearbeiteten Panoramen. Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Im Feld sind Promis wie Andreas Gursky, Robert Capa, Louis Malle. Nicht nur deshalb ist sie mehr als ein Ereignis im Windschatten des Tourstarts.

Eine Ausstellung über die Tour de France – ist das für ein Museum nicht zu viel des Windschattenfahrens beim sportlichen Großereignis? Wer die Ausstellung im NRW-Forum besucht, bemerkt jedoch: Der Begriff „Mythos“ ist der Ausstellung zur Tour nicht zu Unrecht vorangestellt. Und wie alle Mythen kann man nicht mit rationalen Gründen erklären, warum man sich für eine mit oft zweifelhaften Mitteln zu Höchstleistung getriebene Werbekarawane auf Fahrrädern interessieren sollte.

Man muss innehalten, um zu begreifen, was das größte mobile Sportereignis für Menschen bedeutet, zumindest bedeuten kann. Und Innehalten. Und das tun die Künstler, die die Tour in Licht und Schatten festhalten – und mit deren stillen Momenten das NRW-Forum gleichwohl eine höchst populäre Ausstellung mit bemerkenswerten Schauwerten auf die Beine stellt.

Die Tour de France als Rummelplatz und Volksfest, auf dem man sich beispielsweise hinter die hölzernen Aufsteller von Pascal Rivet stellen kann, um in die Rolle seiner Idole zu schlüpfen. Auf dem grauen Boden des NRW-Forums sind die Namen der Künstler gemalt, so wie die Fans die Namen der Radsportidole auf den Asphalt der Bergankünfte pinseln.

Ein Großformat von Philipp Hympendahl zeigt dies beispielhaft, entstanden in der Auffahrt nach L’Alpe d’Huez. Ein Foto, unbearbeitet, von hinten ausgeleuchtet, zeigt die Fahrer unscharf die Serpentinen hinauf eilend vor großer Bergkulisse, vorbei an zahlreichen Zuschauern.

Die Tour als Rummelplatz,Volksfest und Mythos

Die Fans, so erzählt der ehemalige Radamateur und Fotokünstler Philipp Hympendahl, parken ihr Wohnmobil an solchen Stellen eine Woche vorher, warten stundenlang, um dann in wenigen Augenblicken das Fahrerfeld an sich vorbeiziehen lassen – ein Riesenaufwand für ein Minutenglück, das klingt schon nach Mythos.

Er lebt ihn nach, in großen Panoramabildern. Mit seiner Rollfilmkamera kann er genau vier Bilder pro Tag machen, verbringt Tage mit der Anreise, Stunden mit der Standortsuche und weiß dennoch nicht, ob am Ende der Triumph eines perfekten Bildes gelingt.

Böswillig könnte man sagen: Bei seinen Bildern kommt das Doping hinterher: Die Bildbearbeitung stilisiert die Momentaufnahmen zu Ikonografien des Tourmythos.

Dessen Schattenseiten thematisiert Martin Höfer, der mit eine Installation samt Eigenblutkonserve das Doping thematisiert, gegenüber hängen die Schweißtücher des Radsports - die vom Modedesigner Paul Smith gestaltet wurden.

Dass sich der Blick auf die Tour im Laufe der Zeit gewandelt hat, zeigen die Porträts der Tourhelden. Stephan Vanfleteren zeigt die Fahrer noch als martialische Tourhelden, die jüngeren Arbeiten von Timm Kölln hingegen zeigen Porträts der Fahrer direkt nach der Zielankunft, wo ihnen die Strapazen der Strecke noch ins Gesicht geschrieben sind.

Gegenüber stehen, ebenfalls in Schwarz-Weiß, überlebensgroß und namenlos die zerschundenen, vernarbten, muskelbepackten Beine. Wer sie sieht, versteht den Antrieb – für den Radsport wie für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Mythos der Tour.

>>>DAS TEILNEHMERFELD DER TOUR-SCHAU

120 Arbeiten von 20 Künstlern aus 80 Jahren– das ist das künstlerische Feld, das bis 30. Juli (11-18 Uhr, fr und sa bis 20 Uhr, 6 Euro, fr-so: 8 Euro) zu sehen ist – darunter sind Favoriten wie Otto Berchem, Reinhard Mucha, Louis Malle, Robert Capa und Andreas Gursky. Die einzige Frau im Feld ist Nicola Mesken, die vor allem die Zuschauer zeigt – über bislang zwölf Tourjahre. 13 sollen noch folgen. www.nrw-forum.de

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