Ausstellung

Düsseldorfer Kunstpalast zeigt legendäre Sportwagen-Oldtimer

Elegant bis in die Scheibenwischer: Porsche 911, 1967. Verantwortlicher Designer: Ferdinand Porsche.

Elegant bis in die Scheibenwischer: Porsche 911, 1967. Verantwortlicher Designer: Ferdinand Porsche.

Foto: Oliver Sold

Düsseldorf.   Porsche, Maserati und Jaguar – der Düsseldorfer Kunstpalast holt 29 legendäre Sportwagen der 50er- bis 70er ins Museum: „PS: Ich liebe Dich“.

Autos? Im Kunstmuseum? Da muss sich Felix Krämer, seit fast einem Jahr neuer Hausherr im Düsseldorfer Kunstpalast, denn doch einmal kurz rechtfertigen für seinen ersten Ausstellungs-Coup, der es auf einmal so ganz anders riechen lässt in den Ausstellungsräumen des Hauses, nach Gummi nämlich. Krämer drückt verbal gleich aufs Pedal: „Das Auto ist das wichtigste Design-Objekt des 20. Jahrhunderts. Kein anderes Objekt wurde so durchgestaltet und hat die Wahrnehmung von Zeit und Raum so geprägt!“

Der Kunstpalast, der sich auch als Haus für angewandte Kunst, für Design versteht, ist das erste Museum in Europa, das dem Auto eine Ausstellung widmet, aber es wird nicht das letzte sein, für nächstes Jahr hat auch das Victoria & Albert-Museum in London eine angekündigt. Und selbstverständlich erhofft man sich, eine Reihe von Menschen anzulocken, die ihren Fuß sonst nicht so schnell über eine Museums-Schwelle setzen.

Edel-Sportwagen aufs Podest gehoben

29 Edel-Sportwagen der 50er-, 60er- und 70er-Jahre hat das Haus aufs Podest gehoben, vom Ferrari 166 MM Barchetta (Baujahr 1953), auf dessen Motorhaube noch Rallyestaub liegt, bis zum messerscharfen, unheilschwarzen Rennkeil Lamborghini Countach 5000 QV (für den sogar eine Ecke am Museum weichen musste, damit er hineinpasste).

Es sind sogar Prototypen dabei, ein „Concept Car“ von Mercedes Benz mit Wankelmotor (1970), ein bis heute futuristisch anmutender BMW Turbo von 1972, der nur in zwei Exemplaren gebaut wurde, und auch der erste Jaguar E-Type, mit dem das Modell 1961 auf dem Genfer Autosalon eingeführt wurde, bevor er in Filmen und auf echtem Asphalt eine Turbo-Karriere hinlegte (die Schweizer Autobahn-Vignette auf der Windschutzscheibe bezeugt übrigens, dass der Wagen bis heute nicht nur ein Sammelobjekt, sondern auch ein Kraftfahrzeug ist).

Lamborghini Miura P 400 als Portal-Löwen

Die meisten Modelle stammen denn auch nicht aus dem Hausmuseum einer Nobelschlitten-Schmiede – sondern aus einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern rund ums Museum, wo es „viele, viele Autos gibt, die diese Qualität haben“, schmunzelt Dieter Castenow, Kurator der Ausstellung. Kein Leihgeber hat gezögert, sein Schätzchen auszuleihen, und ausgerechnet vom goldfarbenen Lamborghini Miura P 400 (1968) gab es sogar zwei Modelle – so stehen sie nun beide am Eingang zum oberen Stockwerk der Ausstellung, wo die Wendung der Designer zum kraftprotzigen, aggressiven Design ab Ende der 60er-Jahre offensichtlich wird, wie zwei Portal-Löwen, der eine mit aufgeklappter Motor- und „Kofferraum-“Haube, der andere in der ganzen Eleganz seiner augenschmeichlerischen Gestaltung.

Museums-Chef Krämer möchte die Automodelle als „synästhetische Skulpturen“ verstanden wissen, solche also, die alle Sinne ansprechen. Aber hören wird man den Sound ihrer Motoren nur an den Medienstationen der Ausstellung, die auch sonst eine ganze Wagenladung von Informationen zum jeweiligen Modell bereithalten.

Fahrten auf kurvenseligen Strecken

Aber selbstverständlich lassen diese Sportwagen auch träumen von Fahrten auf kurvenseligen Strecken, bei Sonnenschein natürlich, ein Gutteil steht ja oben ohne da. Es sind Autos aus Zeiten, in denen es nur vorwärts ging und Designer auch mal freche Kühnheit bewiesen wie beim Porsche 911 in Kristallblau. Als die meisten Sportwagen allenfalls einen Außenspiegel hatten und die wenigsten einen Gurt, die Stoßstangen und die Lenkräder aus Holz diesen Namen noch verdienten und Navigation was für Seeleute war.

Und weil es in Düsseldorf keine Über-Menge an Chromjuwelen ist, kann man sich im Museum auch gut auf Details konzentrieren, auf Türgriffe und Felgen, auf Scheibenwischer und Aschenbecher. Hier ist nämlich nichts dem Zufall überlassen. Da manche dieser rollenden Überlegenheitsansprüche allerdings bei Auktionen heute für zweistellige Millionenbeträge weggehen, musste sich Museums-Chef Krämer noch nach der Versicherungssumme fragen lassen: „Die Autos sind ja schon versichert“, lächelte er kühl, und mit dem Gesamtwert verhalte es sich ja auch nicht anders als bei einer „ganz normalen Kirchner-Ausstellung.“

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