Erzählerin der Außenseiter

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GEBURTSTAG. Eine Frau aus Duisburg: Die Kinderbuchautorin Ursula Wölfel begeisterte ganze Generationen von Lesern mit ihren nachdenklichen und doch so einfachen Büchern. Morgen wird sie 85.

A ls sie die damals schon bekannte Kollegin erstmals treffen sollte, musste Mirjam Pressler doch sehr suchen. Denn die renommierte Kinderbuchautorin Ursula Wölfel fiel vor allem durch Zurückhaltung auf: "Eine kleine, zierliche Frau, die sich eher am Rand hielt", mit den wachen Augen eines neugierigen Vogels, schreibt Pressler. So neugierig und zurückhaltend zugleich ist auch das Werk von Ursula Wölfel, die morgen 85 Jahre alt wird. So gut wie alle Formen hat die Autorin für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen durchprobiert - von der humorvollen Kürzestgeschichte bis zum historischen Roman, vom Gedicht bis zum Theaterstück. Ihre Geschichten mit moralischem Hintersinn sind zu Lesebuch-Klassikern geworden. Ihren Erzählton hat Ursula Wölfel beibehalten. "Natürlich könnte ich Sätze schreiben wie Thomas Mann. Aber ich versuche, alles ganz klar und einfach auszudrücken", hat sie einmal gesagt. Wölfel fürchtet die "gefährliche Autorität", die das gedruckte Wort auf Kinder ausüben kann. Sie möchte nicht das eigene Weltbild unterschieben, sondern das Selber-Denken fördern. Dass Ursula Wölfel zur Vertreterin einer engagierten Kinderliteratur wurde, hat biografische Gründe. Geboren im Jahr 1922 wächst sie als jüngstes von vier Kindern des Generalmusikdirektors in Duisburg-Hamborn auf. "Der große Freundeskreis der Familie aus Malern, Musikern und Komponisten war prägend für mich", erzählt sie. Sie studiert Germanistik in Heidelberg, heiratet 1943 den Architekten Heinrich Wölfel und bringt 1944 ihre Tochter Bettina zur Welt, die später viele Bücher der Mutter illustrieren wird.

Bewegende Biografie

Ursula Wölfel muss ihr Kind alleine aufziehen, ihr Mann stirbt 1945. Nach dem Krieg macht sie eine Lehrerinnenausbildung, wird Hilfsassistentin für Pädagogik und setzt ihr Studium fort. Sie arbeitet als Sonderschullehrerin und später als wissenschaftliche Assistentin an der Forschungsstelle für Jugendliteratur und Jungleserkunde in Jugenheim. 1959 erscheint ihr erstes Buch "Fliegender Stern". Seit 1961 lebt Ursula Wölfel als freie Schriftstellerin im Odenwald.

Von Beginn an beschäftigt sie sich mit den Problemen von Außenseitern und zeigt Wege zur Bewältigung. Erst mit dem Band "Die grauen und die grünen Felder" (1970) gewinnt Wölfel eine gesellschaftskritische Perspektive. Immer wieder hat sie auch historische Romane geschrieben. In "Ein Haus für alle" etwa geht es um die Euthanasie im Dritten Reich.

Ursula Wölfel gewann unter anderem den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises. In der Begründung wird ihr ein "hoher Grad an Gegenwärtigkeit" bescheinigt. Kollegin Pressler beschreibt es persönlicher: "Wölfels Figuren wecken selten Wut, höchstens Trauer. Und vor allem wecken sie Verständnis. Immer". (epd)

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