ARD-Talk

„Anne Will“: Söder stellt sich gegen Merz als Kanzler

Friedrich Merz im Porträt

Friedrich Merz saß schon 1989 im EU-Parlament – und war zwischendurch raus aus der Politik. Er bewarb sich zunächst ohne Erfolg auf den CDU-Vorsitz. Nun könnte er Kanzler werden.

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Berlin.  Anne Will zeigte: CSU-Chef Markus Söder hat bei der K-Frage der Union eine klare Haltung. Die dürfte Friedrich Merz nicht gefallen.

Anne Will versuchte am Sonntagabend, die jüngsten innenpolitischen Geschehnisse größer zusammenzubinden. „Wer hält das Land noch zusammen?“, wollte die Moderatorin mit Blick auf die geschwächte große Koalition und die erodierende politische Mitte wissen. Hintergrund ist dabei der Wahleklat von Thüringen – und die Folgen für die Noch-Volkspartei CDU.

Diskutiert wurde das Thema von einer politikerlastigen Runde. Mit dabei: Saskia Esken (SPD), Annalena Baerbock (Grüne), Markus Söder (CSU), Gerhard Baum (FDP) sowie der Journalist Giovanni di Lorenzo.

„Anne Will“: Markus Söder attackiert Friedrich Merz

Den größten Aha-Effekt löste Markus Söder aus, als er sich zur Kanzlerkandidatur der Union äußerte. Indirekt aber doch überraschend deutlich sprach er sich gegen Friedrich Merz aus. Ist er der Richtige für die CDU? – Das Phänomen Merz.

Das Wahlprogramm müsse einen „progressiven Ansatz“ verfolgen, forderte der bayerische Ministerpräsident. Auch dürfe man nicht mit Angela Merkel brechen. „Sie ist eine starke Kanzlerin, eine angesehene Kanzlerin“, befand Söder.

Das war klare Kante gegen Merz, der einerseits als rückwärtsgewandt und andererseits als Merkel-Gegner gilt. Interessant war aber auch, dass sich Söder dafür Aussprach, Kanzlerkandidatur und CDU-Vorsitz zu trennen.

Hofft da jemand doch, der bayerische Kandidat für Deutschland zu werden? „Mein Platz ist in Bayern, so lange es die Wählerinnen und Wähler das so möchten“, wiegelte Söder ab. Ein schwaches Dementi.

Gerhart Baum warnt vor Rechtsextremisten

Gut war, dass die Runde abseits davon zumindest versuchte, sich den großen Zusammenhängen zu nähern. Etwa, indem die Frage diskutiert wurde, ob wir uns in einer Systemkrise befinden. „Zeit“-Chefredakteur di Lorenzo sah das unter Verweis auf Thüringen und die CDU zumindest zur Hälfte erfüllt.

Gerhart Baum schickte passend dazu eine eindrückliche Warnung hinterher. Die Rechtsextremisten seien so stark wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik, warnte der FDP-Politiker. Zudem säßen sie mittlerweile auch in den Parlamenten. „Und das Bürgertum schaut wieder zu“, erinnerte der frühere Bundesinnenminister an die Machtergreifung der Nazis. Baum war zuletzt in der ZDF-Show von Markus Lanz zu Gast und hatte dort Thomas Kemmerich in Schutz genommen.

Ratlos gegen die AfD

Aber was tun gegen die AfD? Bei dieser Frage blieb die Runde überraschend ratlos. Grünen-Chefin Baerbock verwies zu Recht und doch etwas hilflos auf die starke Zivilgesellschaft, die nach dem Thüringen-Eklat sofort aufgestanden sei. Und Baum empfahl, den Menschen stärker die Vorteile des Grundgesetzes zu erklären.

„Es reicht nicht, über die schöne Verfassung zu reden“, entgegnete ganz richtig Markus Söder. Die AfD sei überall dort stark, wo die Struktur schwach ist. An diese Orte müsse man Behörden und Universitäten verlegen. Das war immerhin konkreter, doch kann vermutet werden, dass es den Wählern der AfD nicht nur um wirtschaftliche Aspekte geht.

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Anne Will“ löste nicht ganz ein, was sie versprach: Zwar waren Versuche eines übergeordneten Ansatzes erkennbar, am Ende war das aber vor allem die Hülle für einen weiteren CDU-Talk.

Der war dank Markus Söder aber durchaus erhellend. Wer hätte gedacht, dass sich der CSU-Chef so deutlich von Merz abgrenzt? Seine neue Rolle als aufrechter Konservativer mit Herz hält Söder also auch unionsintern weiterhin durch. Vielleicht reicht es am Ende ja doch mal wieder für eine Kanzlerkandidatur aus Bayern.

Zur Ausgabe von „Anne Will“ in der ARD-Mediathek.

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