Krimireihe

Der neue Fall von „Helen Dorn“ ist packend und finster

Helen Dorn (Anna Loos) versucht, sich mit dem aktuellen Fall von ihrem schwierigen Privatleben abzulenken.

Helen Dorn (Anna Loos) versucht, sich mit dem aktuellen Fall von ihrem schwierigen Privatleben abzulenken.

Foto: Martin Valentin Menke / ZDF

Essen  Helen Dorn zeigt im neuen ZDF-Krimi unbekannte Facetten. Und ihr neuer Fall, der Mord an einer Landschönheit, wird spannend erzählt.

Am Anfang steht, wie so oft, die schöne Tote. „Wir haben sie aus dem Wasser gezogen“, erklärt jemand. Nun liegt sie da, auf der Walderde, die Lippen und die Lider über den starren Augen blau verfärbt: das Make-up des Todes. Welkes Laub ist auf ihr und um sie herum so drapiert, als habe jemand versucht, sie zu schmücken. Das Bild erinnert an die berühmteste Wasserleiche der Fernsehgeschichte, die der geheimnisumwitterten Kleinstadtschülerin Laura Palmer aus David Lynchs Serie „Twin Peaks“.

Auch Karla Petersen, das junge Mordopfer im neuen Fall „Nach dem Sturm“ der Krimireihe „Helen Dorn“, hatte ihre Geheimnisse. „Es gab hier kaum jemanden, der sich nicht für sie interessierte“, erklärt Karlas Chefin im Kindergarten der Kommissarin, die aus Düsseldorf in das Dörfchen im Bergischen Land angereist ist. Karla habe viel gefeiert, sei deswegen nicht immer pünktlich gewesen – aber die Kinder hätten sie geliebt. Sie starb nach einem Dorffest. Und eigentlich steht der ganze Ort unter Verdacht.

Anna Loos ermittelt in ihrem elften Fall

Helen Dorn aber glaubt, dass Christian Jännicke (David Korbmann), Besitzer des Fahrradladens und alleinerziehender Vater, der Täter ist. Karla und er hatten an ihrem letzten Abend einen Flirt. „Sie waren wütend“, treibt Dorn den Verdächtigen in die Enge. „Warum lässt sie sich von Ihnen einen ausgeben, wenn sie dann mit einem anderen Typen rummacht?“

Anna Loos ermittelt in ihrem elften Fall (Regie: Sebastian Ko) gewohnt übellaunig. Der Blick ist streng, die Lippen sind zusammengepresst, die Mundwinkel nach unten gezogen. Wer diese Frau lächelnd sehen will, der muss sie wohl auf den Kopf stellen. Und sie scheint nicht gewillt zu sein, an diesem einen Gesichtsausdruck irgendetwas zu ändern.

Und doch erlaubt das Drehbuch von Nicole Armbruster („Zur Hölle mit den anderen“) der Figur diesmal neue Facetten. Der Bruder des Toten ist Dorfpolizist Tom Petersen (Johannes Zirner), der sich in die Ermittlungen einmischt. Trotz dieses schwierigen Starts wird er ihr Liebhaber – obwohl das erst einmal gar nicht der richtige Ausdruck ist.

Vater liegt seit der letzten Folge im Koma

Sie fallen übereinander her wie verzweifelte Tiere, das sieht eher nach Kampf aus als nach Liebe. Im Laufe des Films aber entwickelt Dorn fast schon zärtliche Seiten. Vielleicht liegt es daran, dass die Kriminalhauptkommissarin ohnehin angeschlagen ist, liegt ihr Vater doch seit der letzten Folge im Koma. Dorns kriminalistischer Instinkt bleibt trotz des privaten Dramas sicher, doch formal passiert ihr ein verhängnisvoller Fehler.

Die Geschichte ist schnörkellos und spannend erzählt, die schauspielerischen Leistungen herausragend, allen voran Lena Stolze als verzweifelte Mutter des Mordopfers. Die stimmige Atmosphäre ist einem Leitmotiv zu verdanken: dem Wald als Symbol für das Triebhafte und Verborgene. Er scheint seine Fortsetzung zu finden in den holzvertäfelten Wohnungen, Gaststätten oder Werkstätten des Dorfes, die wirken, als befänden sie sich im Inneren eines morschen Baumstamms. In all der Düsternis gelingt Helen Dorn dann das: ein Lächeln.

Fazit: Finster und packend.

• Samstag, 9. Februar, 20.15 Uhr, ZDF

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