Fernsehen

"Die Bombe" - Dokumentation von Claus Kleber

Foto: Resa Asarschahab zdf

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Essen. Normalerweise berichtet er als Moderator des "heute-journals" über die Themen des Tages, doch ab und zu kommt der Reporter in Claus Kleber durch: Dann reist der 53-Jährige durch die Welt und dreht eine Dokumentation. Im Interview spricht er über "Die Bombe" und das neue ZDF-Nachrichtenstudio.

Normalerweise berichtet er als Moderator des „heute-journals” über die Themen des Tages, doch ab und zu kommt der Reporter in Claus Kleber durch: Dann reist der 53-Jährige durch die Welt und dreht eine Dokumentation. Für den Dreiteiler „Die Bombe” (1. Teil am Mittwoch um 22.45 Uhr im ZDF), war Kleber gemeinsam mit Co-Autorin Angela Andersen in den USA, Pakistan, Russland, Israel, dem Iran und anderen Ländern unterwegs, um die nukleare Bedrohung zu dokumentieren, die für viele Experten so akut ist wie lange nicht mehr. Teil 2 und 3 laufen am 30. Juli und am 2. August. Ein Gespräch mit Kleber über „Die Bombe” und die heftige Kritik am neuen ZDF-Nachrichtenstudio.

Herr Kleber, der neue Look der ZDF-Nachrichten hat für viel Wirbel gesorgt. Wie sind denn Ihre ersten Erfahrungen mit dem neuen Nachrichtenstudio?

Claus Kleber: Gut - aber immer noch verbesserungsfähig. Daran arbeiten wir jeden Tag. Nach der zweiten Sendung haben Gundula Gause und ich uns angeschaut und wollten beide dasselbe sagen: Es war alles schon so normal. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben in der neuen Umgebung und wissen doch, dass wir erst am Anfang einer Lernkurve mit den neuen Möglichkeiten stehen.

Hat Sie die Flut der Zuschauerreaktionen überrascht, darunter auch viele kritische Anmerkungen?

Claus Kleber: Oh nein! Eine erfolgreiche, lang etablierte Nachrichtensendung ändert fundamental ihr Aussehen. Das muss doch Millionen Zuschauern wie eine überraschende Renovierung ihres Wohnzimmers vorkommen. Wir nehmen die Anregungen - da gibt es eine Menge sachlicher, hilfreicher Post - sehr ernst.

Für Ihre Dokumentation „Die Bombe” sind Sie den Spuren der Atombombe gefolgt, um festzustellen, dass Nuklearwaffen nach wie vor eine große Gefahr für die Menschheit sind. Ein beängstigendes Thema.

Claus Kleber: Durchaus, die Atombombe ist ja ein entscheidendes Problem der Menschheit, eines, das unmittelbar existenzbedrohend ist. Ich persönlich nehme die nukleare Bedrohung jetzt sehr viel ernster als das vor der Arbeit an der Dokumentation der Fall war. Wir wollen die Zuschauer mit unserem Film aber nicht verängstigen, sondern in erster Linie auf dieses Problem hinweisen, damit es auch angepackt wird. Wir möchten zeigen, dass es Wege aus dem Wahnsinn gibt.

Die Dreharbeiten in den USA, Moskau, Pakistan oder dem Iran waren nicht einfach.

Claus Kleber: Wir waren häufig nicht willkommen, nicht mal bei den deutschen Tornado-Jagdflugzeugen, die in der Pfalz Atombomben-Abwürfe proben. Auch nicht in Amerika, wo wir einen Stützpunkt der Air Force in Montana besucht haben, auf dem 150 landgestützte US-Interkontinentalraketen stationiert sind. Es hat teilweise Monate gedauert, bis wir die Genehmigungen bekommen haben - das war das Allerschwierigste. Als wir unser Thema präsentiert haben, gingen natürlich überall die Alarmglocken an.

Gab es Schikanen?

Claus Kleber: Das nicht, aber die Atmosphäre war zum Teil recht angespannt. Einmal hat ein aufgeregter Mann in Pakistan eine Pistole gezogen - nicht wegen unserer Recherchen, sondern weil wir eine verhüllte Frau nicht filmen sollten, die im Hintergrund durchs Bild lief. Es ist dann nichts passiert, aber der Vorfall hat uns gezeigt, dass die Nerven manchmal blank lagen.

Wie viel Zuschauer möchten Sie mit dem Thema erreichen?

Claus Kleber: Eine Million sollte es schon sein, wichtig ist mir aber vor allem, dass der Film da ist, dass er angeboten wird. Das ist öffentlich-rechtliches Fernsehen. Er wird hoffentlich auch auf Phoenix und 3sat rauf- und runterlaufen.

Und wie viele Zuseher schauen sich das wegen Claus Kleber an und wie viele wegen des Themas?

Claus Kleber: Ach wissen Sie, ich habe die schmerzliche Erfahrung machen müssen, dass der Name Claus Kleber gar nicht so zieht.

Jetzt kokettieren Sie aber.

Claus Kleber: Nein, gar nicht, ich glaube nur, dass wir in den Medien den Werbewert eines Namens oft höher einschätzen als er tatsächlich ist. Die Leute schauen sich doch keine Dokumentation mit einem vergleichsweise sperrigen Thema an, nur weil Claus Kleber das präsentiert.

Das ZDF ist also nicht auf Sie zugekommen und hat Sie gebeten, den Dreiteiler zu machen, damit er sich besser verkauft?

Claus Kleber: Das ZDF lässt mich - wofür ich sehr dankbar bin - jedes Jahr mindestens eine große Dokumentation oder Reportage machen. Ich muss einfach ab und zu mal weg vom Schreibtisch des „heute-journals”, da kommt der alte Reporter durch.

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