Datenschutz

Der Schufa-Check: Jan Böhmermann über die Auskunftei

Jan Böhmermann.

Jan Böhmermann.

Foto: Oliver Berg / dpa

Berlin.  TV-Satiriker Jan Böhmermann nimmt im ZDF die Schufa aufs Korn – und erklärt, warum viele mit dem Unternehmen ein Problem haben.

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Wenn er sich nicht gerade um den Vorsitz traditionsreicher deutscher Parteien bewirbt, macht Jan Böhmermann auch Fernsehen, zum Beispiel am Donnerstagabend beim „Neo Magazin Royale“. Und dieses Mal hat Böhmermann nicht Politiker oder Parteien ins Visier genommen, sondern ein Unternehmen, das viele für eine staatliche Organisation halten: die Schufa.

In einem 18 Minuten langen Video erklärt Böhmermann – teils ernst, teils mit Augenzwinkern – was die Schufa überhaupt macht, wer dahinter steckt und was sich normale Bürger darunter vorstellen. Für viele Zuschauer dürfte das Video einige Überraschungen bereitgehalten haben.

Die Schufa ist die größte deutsche Auskunftei – nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über Informationen zu 67,7 Millionen Privatpersonen. Unternehmen können auf die Daten der Schufa zurückgreifen, um zu beurteilen wie vertrauenswürdig jemand als Vertragspartner ist, zum Beispiel vor dem Abschluss eines Miet- oder Handyvertrags.

Die Schufa steht vor allem deshalb immer wieder in der Kritik, weil die Geschäftspraktiken für diejenigen, die von den Bewertungen betroffen sind, nicht transparent sind. Zahlreiche Privatleute und Organisationen setzen sich seit längerem dafür ein, die Arbeitsweise der Schufa offenzulegen. So hat dies auch das Projekt OpenSchufa getan.

Neo Magazin über Schufa

Auf der Webseite des Projektes wurde dazu aufgerufen, Daten der Schufa an die Macher der Seite zu senden, um so einen Einblick in die Arbeite zu erhalten. Nach eigenen Angaben konnten die Projektverantwortlichen anhand zahlreicher Daten belegen, dass die Schufa mit ihrer Auskunftspraxis gegen die Datenschutzgrundverordnung verstoße. Auch Jan Böhmermann kritistiert in seinem Video, wie problematisch die Arbeit der Schufa in Bezug auf den Datenschutz sei.

Jan Böhmermann klärt im „Neomagazin Royale“ über die Schufa auf

Der Name steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. „Das müsste doch eigentlich Schufak heißen“, sagt dazu Böhmermann. „Wie sehr kann ich einem Unternehmen vertrauen, dass noch nicht einmal seinen eigenen Namen richtig abkürzen kann?“

Schon mal Koffer packen fürs „Sommerhaus der Stars“

Antwort, laut „Neomagazin Royale“: Eher nicht so sehr, vor allem weil die Arbeit der Schufa kaum transparent ist. Das Unternehmen erklärt auf seiner Website nur in Grundzügen, wie es Kreditwürdigkeit berechnet. Die Details sind Betriebsgeheimnis – dabei kann der Score für Privatpersonen enorme Auswirkungen haben.

In den Worten von Jan Böhmermann: „Ein hoher Score, über 97,5 Prozent, heißt sehr geringes Risiko für Banken, kann man gerne Geld leihen, Top-eBayer, gerne wieder, drei Sterne, knick-knack. Score unter 90 Prozent reicht schon aus, damit die Schufa sagt, schon mal Koffer packen fürs ‘Sommerhaus der Stars’.“

Das ist ein Problem, sagt dazu im „Neo Magazin“ Thilo Weichert, ehemaliger Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. „Die Schufa ist ein Privatunternehmen, das Geld verdienen möchte, und das Vertrauen ist schon allein dadurch erst mal eingeschränkt.“ Oft gebe es Verwechslungen von Personen, Daten, die das Scoring positiv beeinflussen, würden nicht eingemeldet, dafür tauchten falsche Angaben in den Dateien auf.

Eine Berlinerin verlor ihr Konto – wegen eines Haftbefehls, der nicht ihrer war

Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben, wie der Fall einer Berlinerin zeigt, der ihre Bank Konto und Kreditkarte kündigte – weil die Schufa fälschlicherweise eine Haftbefehl unter ihrem Namen gespeichert hatte.

Aber, fragt das „Neo Magazin“, guckt da nicht irgendwie der Staat drauf? Doch, irgendwie schon. Zuständig ist dafür Michael Ronellenfitsch, hessischer Datenschutzbeauftragter. Aber der hat laut „Neo Magazin“ seine Informationen über die Arbeitsweise der Schufa aus einem Gutachten, dass die Schufa selbst in Auftrag gegeben hat.

„Der hessische Datenschutzbeauftragte könnte auch ein eigenes Gutachten über die Schufa in Auftrag geben“, erklärt Böhmermann. „Aber Vertrauen, Vertrauen, das ist doch so viel schöner und billiger und macht nicht so viel Arbeit.“

Böhmermanns bitteres Fazit des Segments ist deswegen: „Die Schufa weiß alles über uns, und wir wissen nichts über die Schufa.“ (tma)

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