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Laschet bei „Lanz“: Ausgangssperre ist noch nicht sinnvoll

Coronavirus: "Als gäbe es eine atomare Bedrohung."

Klopapier, Nudeln, Milch - Seit Ausbruch des Coronavirus sind die Regale in deutschen Supermärkten teilweise wie leergefegt. In dieser Umfrage äußern sich die Menschen zu den Hamsterkäufen.

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Berlin.  Nachdem Schulen und Kitas schließen mussten, werden bei Lanz weitere mögliche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus diskutiert.

Gerade vergeht kein Tag, ohne dass Stadtverwaltungen, Landesregierungen oder die Bundesregierung neue Maßnahmen verlautbaren, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Zuletzt beschloss die EU, dass Nicht-EU-Bürger fortan nicht mehr einreisen dürfen, auch Deutschland wird einen Einreisestopp umsetzen, zunächst begrenzt auf 30 Tage.

In den Fernseh-Talkshows wird zur Abwechslung deshalb weniger gestritten und stattdessen mehr informiert. Das gilt auch für Markus Lanz, der mit seinen Gästen vor allem darüber spricht, welche Herausforderungen die nächsten Wochen für unsere Gesellschaft darstellen werden. Besser man ist mental darauf vorbereitet, was mehrere Wochen sozialer Distanz und ruhenden öffentlichen Lebens neben tausenden Infektionsfällen bedeuten.

Markus Lanz – das waren die Gäste:

  • Armin Laschet, CDU-Politiker und Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens
  • Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos und stellvertretender SPD-Parteivorsitzender
  • Jochen A. Werner, Arzt und Leiter der Universitätsklinik Essen
  • Manfred Lütz, Psychiater und Theologe
  • Osman Djajadisastra, Arzt in Heinsberg
  • und der Virologe Martin Stürmer

Armin Laschet bei Lanz: „Es liegt an jedem Einzelnen“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der per Video in das publikumslose Studio zugeschaltet wird, erinnert daran, dass nicht allein der Staat, sondern vor allem jeder individuell Verantwortung trägt: „Man muss den Menschen jetzt klarmachen, dass sie selbst darüber entscheiden, ob die Kurve abflacht“, so der CDU-Politiker, „noch haben wir die Chance, eine Situation wie in Italien zu verhindern. Es liegt an jedem Einzelnen.“

Mit der Schließung von Restaurants, Fitnessstudios und Schulen sollen nun erst einmal unnötige soziale Kontakte unterbunden werden. „Wir wollen das wirtschaftliche Leben noch aufrecht erhalten“, erklärt Laschet. Er warnt davor, dass die wirtschaftlichen Hilfeleistungen der Bundesregierung zwar eine Überbrückung für die nächsten Monate bieten würden, Deutschland aber nicht vor einer langfristigen Rezession schützen könnten.

Ladenschließungen wegen Coronavirus: Unternehmer in Sorge
Ladenschließungen wegen Coronavirus- Unternehmer in Sorge

Armin Laschet: „Ausgangssperre ist in Deutschland noch nicht das Thema“

Dass in Deutschland noch keine Ausgangssperre verhängt wurde, verwundert Markus Lanz. Er würde in Hamburg weiterhin besonders ältere Menschen in Gruppen beim Kaffee oder Spaziergang sehen – obwohl für diese Bevölkerungsgruppe viele Arbeitnehmer zu Hause bleiben würden. „Ich sehe das auch bei meinem Vater oder anderen Eltern. Die sagen: Wir haben schon so viel überstanden, das werden wir auch noch schaffen“, erzählt Armin Laschet. Lesen Sie hier: Droht Deutschland die Ausgangssperre?

Trotzdem sei eine Ausgangssperre nicht immer sinnvoll: „Man muss sich immer die Frage stellen, ob es in dieser Situation wirklich helfen würde“, so der CDU-Politiker. Ein Verbot, das eigene Haus oder die Wohnung zu verlassen, sei noch kein Thema in Deutschland. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert ist sich da nicht so sicher. Er sähe derzeit so viele Leute, die nachlässig mit der Epidemie-Situation umgehen, dass eine Ausgangssperre nicht undenkbar sei: „Auszuschließen ist im Moment gar nichts.“

Klinikchef bei Lanz: Trotz Corona normalen Krankenhausbetrieb gewährleisten

Sollten Experten zu dem Schluss kommen, dass eine Ausgangssperre notwendig ist, um den Anstieg der Neuinfektionen zu verlangsamen, könnte sich die Beschlusslage im Laufe der Woche ändern. Ähnlich wurde ja auch schon bei den Schulschließungen verfahren. Warum es so wichtig ist, die Zahl der gleichzeitig Infizierten gering zu halten, kann Jochen A. Werner, der Leiter der Universitätsklinik Essen, ganz leicht erklären.

Zwar stimme es, dass in deutschen Kliniken sehr viel mehr Intensivbetten und Beatmungsgeräte zur Verfügung ständen als in Italien. Doch es gäbe schlichtweg nicht genug Pflegepersonal, um diese auch zu versorgen. Außerdem dürfe der normale Krankenhausbetrieb nicht unter der Corona-Versorgung leiden: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch ganz viele andere Kranke in den Krankenhäusern gibt, um die sich weiter gekümmert werden muss.“

Markus Lanz’ Mantra: „Wasser, Seife und Quarantäne“

Werner trägt einen Button am Jacket, der dafür wirbt sich nicht die Hand zur Begrüßung zu geben. Die Talk-Gäste sitzen weit entfernt voneinander oder werden über einen Videocall zur Runde zugeschaltet. Und Markus Lanz sagt mantrahaft: „Wie im Mittelalter: Wasser, Seife und Quarantäne.“

Ihm gelingt es, ohne Panikmache zu informieren und Bewusstsein für die eigene Verantwortung für die Gesundheit des sozialen Umfelds zu schaffen. Kevin Kühnert formuliert es treffend: „83 Millionen Menschen haben ihr Schicksal in den Händen von 83 Millionen Menschen.“

Weitere Sendungen von Markus Lanz zum Coronavirus:

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