ARD-Krimi

Neue „Wolfsland“-Folge mutet dem Zuschauer zu viel zu

Yvonne Catterfeld und Götz Schubert.

Yvonne Catterfeld und Götz Schubert.

Foto: imago stock&people / imago/Future Image

Berlin  In der neuen „Wolfsland“-Folge offenbart der Tod eines Wirts einen Familienzwist. Es ist bereits Delbrücks und Schulz’ vierter Fall.

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Gerade noch hat Gasthof-Besitzer Arnold Olmützer Besucher durch die Görlitzer Ochsenbastei geführt, hat ihnen ein erbauliches Schauermärchen über einen Mann aufgetischt, der hier einstmals zu Tode gefoltert wurde und dessen Geist seither irrlichternd sein Unwesen treibt. Wenig später ist Olmützer selbst tot. Ermordet.

Natürlich stammt der Täter nicht aus der vierten Dimension. Doch auch so sind im vierten Fall, der den „Wolfsland“-Kommissaren Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) und Burkhard „Butch“ Schulz (Götz Schubert) aufgebürdet wird, die Geister und Schatten der Vergangenheit allgegenwärtig.

Handlung wirft viele Fragen auf

Es ist, ungeachtet aller düsteren Grundstimmung (Regie: Till Franzen), zumindest ein Schatten zu viel, den Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser (Serienkon­zeption, Drehbuch) dem Zuschauer zumuten. Was sollen die kurzen, ­so bedeutungsschwer wirkenden Kran­kenhaus-Bilder? Warum muss Catterfeld 90 Minuten lang ausschließlich damit verbringen, gründlich verstört und so bedrückt wie möglich zu wirken?

Warum will der flapsige Butch (raue Schale, weicher Kern) seine Kollegin um jeden Preis vor Anstrengung und Aufregung schützen? Nicht jeder Zuschauer hat die ersten Fälle gesehen, kennt Hintergrund und Entwicklung der Protagonisten.

Wer nicht weiß, dass der endlose Streit zwischen Viola und ihrem psychopathischen und nun im Koma liegenden Ex-Ehemann einst eskalierte, dass die traumatisierte Kommissarin eine brutale Attacke abzuwehren hatte, der wird mit seinen Fragen und Überlegungen allein gelassen.

Jeder hütet seine Geheimnisse

Natürlich gelingt es Butch nicht, Viola aus den Ermittlungen herauszuhalten. Es zeigt sich, dass es mit dem vermeintlich harmonischen Leben der Familie Olmützer nicht so weit her war. Vor zehn Jahren starb die an Epilepsie und ­Depressionen leidende Frau des Patriarchen unter merkwürdigen Umständen; ihr Tod verdüstert seither die Atmosphäre im überschuldeten Gasthof, der vom jüngeren Sohn und dessen Frau geleitet wird. Der ältere Bruder, der damals nach dem Tod der Mutter verschwand, taucht unvermittelt auf. Und Gesine Schwenk (Johanna Gastdorf), die Schwester der Verstorbenen und Seele des Hauses, hütet ihre eigenen Geheimnisse.

Buch und Regie steuern zwar nicht geradewegs auf die Klärung des Falles zu. Doch Erzählweise und Charakterzeichnung machen es dem Krimi-Erprobten relativ leicht, die Auflösung frühzeitig zu erahnen. Es sind vor allem die Nebenfiguren, die das Geschehen vorantreiben und dabei auch köstliche Akzente setzen: Franziska Petri als junge, esoterisch angehauchte Verlobte des ermordeten Seniors etwa oder Stefan Grossmann, der als neuer, unkonventioneller Dienststellenleiter viel subtilen Humor mitbringt.

Mit dem Abspann legt sich dann wieder ein Schatten über Görlitz: Der vermeintlich hirntote Ex erwacht zu neuem Apparate-Leben. Violas Trauma hält an.

Fazit: Nebel und Wolken über Görlitz. Ein paar flackernde Irrlichter weniger hätten dem Krimi gut getan.

• ARD, Donnerstag, 31. Mai, 20.15 Uhr

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