ARD-Film

„Sanft schläft der Tod“ ist ein fesselndes Entführungsdrama

Foto: GMVozd / ARD Degeto/ndf/Esteve Franquesa

Essen  Der ARD-Film „Sanft schläft der Tod“ nutzt ein bekanntes Schema – und ist trotzdem spannend. Vor allem, weil Matthias Brandt brilliert.

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Nicht schon wieder ein Entführungsdrama, mag sich manch einer denken, die werden uns in diesen Zeiten voll krimineller Dauerberieselung schon oft genug vorgesetzt. Doch wer deshalb Marco Kreuzpaintners Film „Sanft schläft der Tod“ keine Chance geben möchte, würde dann doch etwas Ungewöhnliches verpassen. Denn diesem Regisseur und seinem Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt („Mord in Eberswalde“, „Mörder auf Amrum“) gelingt es, über ungewöhnlich lange 130 Minuten eine Spannung aufzubauen, wie man sie in dieser Intensität selten zu sehen bekommt.

Alles Böse erwacht in einem Zustand vermeintlich ungebrochenen Glücks. Gerade noch sind Frank (Fabian Busch) und Anja (Marleen Lohse) mit ihren beiden Kindern in einem Segelboot über die Ostsee geschippert. Dann plötzlich, die Eltern waren beide nur kurz weg, ist das Boot samt Leila und Finn wie vom Erdboden verschwunden.

Warten auf die Lösegeldforderung

Zuerst kommt die Suche auf dem Wasser, dann das Warten auf eine Lösegeldforderung. Ein LKA-Experte (Bernhard Schütz) trifft ein und legt sich fest auf einen „ungeordneten, intuitiven“ Täter. Völlig ungewöhnlich dabei bleibt jedoch die Tatsache, dass auch nach langem Warten noch keine Lösegeldforderung eingegangen ist.

Es scheint Unheil in der Luft zu liegen. Der Zuschauer spürt das am deutlichsten, denn er kennt den Täter (Matthias Brandt), aber nicht seine Absichten. Die bringt erst der frühere Stasi-Offizier Herbert Winter (Manfred Zapatka), der jetzt mit Alkoholproblemen kämpft, ins Spiel, weil er sich an einen alten Fall in der DDR erinnert. Auch dort sei es um einen Jungen und ein Mädchen gegangen, von denen nur das Mädchen gerettet werden konnte. Und als wäre das alles nicht schon schwer genug für die Eltern, muss Frank in dem trunkenen Informanten auch noch seinen eigenen Vater erkennen. Ihn hatte er völlig ausgesperrt aus seinem Leben, weil Winter seinen eigenen Bruder denunziert und damit in den Tod getrieben haben soll.

Brandt macht den Film besonders

So interessant diese Familiengeschichte auch ist, so ist es doch vor allem die Präsenz von Matthias Brandt, die diesen Film zu etwas Besonderem macht. Fast erinnert er an Alfred Hitchcocks Norman Bates aus „Psycho“, wie er hier allmählich seinen Wahnsinn preisgibt, auch mal kurz in Frauenkleidern zu sehen ist, immer aber, auch in prekären Situationen, nie die Beherrschung verliert.

Es gibt beispielsweise die Szene, in der dieser Serienkiller einfach von der Straße weg gebeten wird, bei einer polizeilichen Gegenüberstellung mitzumachen und nur einen Satz zu sagen. Die Mutter der entführten Kinder erkennt ihn sofort wieder an seiner Stimme. Aber sie darf nichts sagen, denn inzwischen hat er sie mehrfach angerufen und ihr Dinge gesagt, die sie verzweifeln lassen. Am Ende ist es deshalb nur selbstverständlich, dass der Showdown hauptsächlich eine Sache zwischen ihr und dem Killer ist.

Fazit: Der Film zeigt auf beängstigende Weise, wie schnell Entführungsfälle aus dem Ruder laufen können. Matthias Brandt bringt die Wahnhaftigkeit des Täters brillant herüber.

• Samstag, 7. Oktober, 20.15 Uhr, ARD: „Sanft schläft der Tod“

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