ZDF-Krimi

„Vermisst in Berlin“ zeigt Nöte einsamer Flüchtlingskinder

Djamal (Lilien Batman) spielt in „Vermisst in Berlin“ eins von Zehntausenden Kindern, die Kriege und Armut nach Europa gespült haben und die jetzt alleine auch durch Deutschland irren.

Djamal (Lilien Batman) spielt in „Vermisst in Berlin“ eins von Zehntausenden Kindern, die Kriege und Armut nach Europa gespült haben und die jetzt alleine auch durch Deutschland irren.

Foto: Mathias Bothor / ZDF

Essen  In „Vermisst in Berlin“ kämpft eine hartnäckige Ex-Polizistin um Flüchtlingskinder. Das starke Thema wird aber teils überfrachtet.

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Irgendetwas ist der ehemaligen Polizistin Judith Volkmann gerade vor das Auto gelaufen. Sie will schon aussteigen, da sieht sie plötzlich einen etwa zehnjährigen Jungen vor dem Wagen, der sich gerade wieder aufgerappelt hat. Kaum hat sie ihn erspäht, nimmt er bereits Reißaus.

Für Judith wirkt es wie ein Alarmsignal, ein offenbar ausländisches Kind mit Rucksack durchs nächtliche Berlin irren zu sehen. Die Polizistin in ihr lässt sie sofort ihren früheren Kollegen Denitz Kovacevic (Edin Hasanovic) anrufen. Doch der hat scheinbar keine Lust, das Gespräch anzunehmen. Vermutlich schwelen zwischen beiden noch alte Wunden.

Tausende Kinder sind verschollen

Mit „Vermisst in Berlin“ thematisiert die Regisseurin Sherry Hormann das Drama der sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die anfangs zwar in Deutschland registriert werden, die danach aber untertauchen und als vermisst gelten. Nicht wenige von diesen Tausenden stranden als obdachlose Bettler oder versuchen es mit Prostitution.

Kaum jemand kümmert sich um sie, und wenn doch, dann meist nur aus Eigennutz. Ein Paradebeispiel für die Ausbeutung von Migranten im Kindesalter bietet in diesem Fall die undurchsichtige Evelyn Kraft (Natalia Wörner). Im Privatleben ist sie die Geliebte eines Gangsters, im Alltag jedoch firmiert sie als Geschäftsführerin einer Flüchtlingsunterkunft.

Ihr geschmeidiger Auftritt und das Beherrschen mehrerer Sprachen haben es ihr bisher immer ermöglicht, ihrem zweifelhaften Tun weiter nachzugehen. In der hartnäckigen Judith jedoch erwächst ihr ein Gegner, der sich vor allem durch Zähigkeit auszeichnet.

Natalia Wörner brilliert als zwielichtige Ex-Prostituierte

Der Film ist vorrangig um diese beiden starken Schauspielerinnen gebaut, die sich gefährlich nahekommen: Jördis Triebel als Judith Volkmann verkörpert die ehemalige Polizistin, die ihren alten Job nicht vergessen kann und dadurch zur ehrenwerten Heldin mutiert. Natalia Wörner, in ihren Rollen sonst meist auf der Seite des Gesetzes, brilliert als zwielichtige Ex-Prostituierte, die sich in jeder Beziehung sicher fühlt und dies durch ihr hintergründiges Lächeln auf subtile Weise unterstreicht.

• Mehr zur Hauptrolle: Jördis Triebel will mal „so richtig auf die Kacke hauen“

Der Film will aufrütteln, will zum Hinsehen zwingen, kein Zweifel. Doch manchmal will das Drehbuch einfach des Guten zu viel. Da muss ausgerechnet ein extrem nervöser Ermittler her, der als Einwanderer zwar völlig integriert scheint, der sich jedoch immer noch als „Kanake“ fühlt. Es gibt, quasi im Vorbeigehen, den scheinbar unvermeidbaren Mord, diesmal natürlich an einem blutjungen Migranten im Strichermilieu.

Seltsames Restaurant mit leicht bekleideten Tänzerinnen

Und warum eigentlich hat diese Judith den Job bei der Polizei hingeschmissen, um nun in einem seltsamen Restaurant mit leicht bekleideten Tänzerinnen an der Decke zu servieren? Wird da vielleicht mit einem Prequel geliebäugelt, das all diese Fragen beantworten könnte? Besser nicht.

Fazit: Eine Ex-Polizistin interessiert sich für das Schicksal eines elternlosen Migrantenkindes und gerät dabei in einen Sumpf von kriminellen Machenschaften. Starkes Thema, teilweise etwas überfrachtet und rätselhaft.

Montag, 11. Februar, 20.15 Uhr, ZDF: „Vermisst in Berlin“

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