Krimi

Warum dieser Berliner „Tatort“ nichts für zarte Gemüter ist

Berlin.  Im neuen „Tatort“ aus Berlin geht es um eine mumifizierte Leiche und noch um die Frage: Was hat die DDR-Vergangenheit damit zu tun?

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Dieser Berliner „Tatort“, so viel sei schon zu Beginn gesagt, ist nichts für zarte Gemüter. Das Finale ist blutig. Und gleich zu Beginn geht es um eine Leiche, die mumifiziert in einer Wohnung liegt. Gedreht wurde mit 200.000 Fliegen und Eimern voller Maden, wie Regisseur Florian Baxmeyer in den Produktionsnotizen erzählt.

Die Fliegen umschwirrten die Schauspieler, sie waren überall, in den Haaren, im Mund, in den Augen. „Aber wir wollten eine Leiche, die seit Wochen in der Wohnung verwest, realistisch zeigen“, sagt Baxmeyer. „Also mussten wir da durch.“

In der Folge „Das Leben nach dem Tod“ an diesem Sonntag in der ARD geht es um zwei Themen: Einsamkeit in der Großstadt und die Todesstrafe, die es bis 1987 in der DDR gab.

Dieses DDR-Kapitel ist laut dem Sender RBB für den „Tatort“ etwas Neues. Aber natürlich passt die geschichtliche Reminiszenz perfekt zum 30. Jahrestag des Mauerfalls, der an diesem Wochenende gefeiert wird.

„Tatort“-Regisseur dreht aktuell eine Netflix-Serie

Es geht auch um Befindlichkeiten von Ost und West – mit einer besonderen Besetzung: Der 88 Jahre alte Otto Mellies, der in DEFA-Filmen zu sehen war und zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin gehörte, spielt Gerd Böhnke, einen ehemaligen DDR-Richter. Dieser wird Opfer eines Einbruchs und empfindet die Welt als ungerecht. Es gipfelt in einer Geiselnahme in einem Supermarkt, bei der Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) ihn einen „Wendeverlierer“ nennt.

Rubins Kollege Robert Karow (Mark Waschke) erlebt diesmal als Nachbar, dass man wochenlang neben einem toten Menschen in der Wohnung leben kann, ohne etwas zu merken. Die Leiche hat einen Genickschuss, die Vermieterin gerät ins Visier. Eine hohle Wand spielt eine Rolle. Dann wäre da noch ein Handwerker, der als Kind zu DDR-Zeiten Zeuge einer Bluttat wurde.

Für die beiden Ermittler naht der Abschied

Der RBB-„Tatort“ mit Becker und Waschke ist fast immer gut. Auch wenn die Geschichte der zehnten Folge etwas konstruiert wirkt, atmosphärisch und von den Bildern her passt es. Regisseur Florian Baxmeyer hat schon einige „Tatort“-Erfahrung, aktuell dreht er die Netflix-Serie „Tribes of Europa“.

Für die beiden Berliner Kommissare naht der Abschied. Meret Becker wird 2022 nach dann 15 „Tatort“-Folgen aussteigen. Sie sei ein Streuner, es sei an der Zeit, Neues auszuprobieren, sagt sie. Wer ihr im „Tatort“ folgt, steht noch nicht fest.

In dem aktuellen Fall bahnt sich die Ungewissheit an. Kommissarin Rubin soll befördert werden. Zwischen Karow und Rubin knistert es. „Sie sind die beste Polizistin, die ich kenne“, sagt er. Fast eine Liebeserklärung. Und ihr rutscht sogar das „Du“ heraus.

  • „Tatort: Das Leben nach dem Tod“, ARD, Sonntag, 10. November, 20.15 Uhr
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