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Warum Jochen Schweizer einen Ein-Euro-Deal ausschlägt

Jörn Jacobi (l.) und Tim Ascheberg (r.) stellten Frank Thelen (M.) ihren Elektroroller vor. Sie wollten für zehn Prozent ihrer Firma gerade mal einen Euro haben.

Jörn Jacobi (l.) und Tim Ascheberg (r.) stellten Frank Thelen (M.) ihren Elektroroller vor. Sie wollten für zehn Prozent ihrer Firma gerade mal einen Euro haben.

Foto: VOX

Berlin.  Das gab es noch nie: Ein Gründer-Duo will in der „Höhle der Löwen“ nur einen Euro haben. Jochen Schweizer lehnt ab – weil er fair ist.

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Es war der Abend von Ralf Dümmel. Der Investor schlug in der zehnten Folge der „Höhle der Löwen“ gleich dreimal zu und war damit an allen Deals der TV-Show beteiligt – und das teilweise ohne zu verhandeln. Ein Deal war dabei ein Novum in der Geschichte der „Höhle der Löwen“.

Denn das volle Risiko wagten die Gründer Jörn Jacobi und Tim Ascheberg. Sie stellten ihren Elektrofaltroller „Scuddy“ vor. Nicht ganz so hübsch wie eine Vespa, aber auch etwas cooler wie ein Segway sah das Gefährt aus, das vor allem Pendler oder Camper ansprechen soll. Frank Thelen probierte den Roller direkt aus, der bis zu 35 Stundenkilometer schnell sein kann: „Das Gerät ist sehr durchdacht.“

Einzigartiges Angebot

Durchdacht war auch das schockierende Angebot der Gründer, das es so noch nie in der „Höhle der Löwen“ gab: 10 Prozent der Firma für einen symbolischen Euro. Wichtiger als Geld sei ihnen Hilfe im Vertrieb und Marketing, so Jacobi und Ascheberg. Jochen Schweizer fragte logischerweise: „Wo ist der Haken?“

Carsten Maschmeyer ging auf das Angebot begeistert ein. Er könne bei allen genannten Punkten weiterhelfen. Dafür forderte der Löwe aber satte 20 Prozent. „Und wenn Geld nötig wird, rufen Sie einfach an.“

Auch Jochen Schweizer und Ralf Dümmel waren interessiert. Schweizer lehnte aber das Angebot der Gründer ab und fand deutliche Worte. Er wolle nichts geschenkt haben. Gemeinsam mit Dümmel bot er 100.000 Euro für 25,1 Prozent der Firmenanteile. Diesen Deal konnten Jacobi und Ascheberg nicht ausschlagen.

Investoren kritisieren Produktqualität

Dietmar Hirsch und Manuel Reisacher hatten da mehr Probleme, ihr Produkt an den Mann – oder die Frau – zu bringen. Frank Thelen kritisierte die Qualität der Mützen mit den integrierten Kopfhörern, die die Gründer unter der Marke „Earables“ verkaufen.

Judith Williams war nur von der Strickkunst der Mutter eines der Gründer beeindruckt, die einige der Mützen selbst gestrickt hatte: „Bei ihrer Mutter würde ich einen Strickkurs buchen.“

Nur Ralf Dümmel war begeistert: „Ich finde die Idee toll.“ Er bot 125.000 Euro für 30 Prozent der Firma. Eigentlich hatten Hirsch und Reisacher nur zehn Prozent abgegeben wollen. Trotzdem schlugen sie ein.

Ralf Dümmel schnappt sich den Deal

Gänzlich ohne Verhandlungen ging Ralf Dümmel den Deal mit Ebru und Erol Kaynak ein, die in „My Chipsbox“ Kartoffelchips und luftgetrocknete Gemüsechips kombinieren. „Ich hätte große Lust, das Ding mit euch nach vorne zu bringen. Ich würde euch die 200.00 Euro für die 12,5 Prozent geben.“

Damit schnappte Dümmel seiner Investoren-Konkurrenz den Deal vor der Nase weg. Denn Judith Williams und Frank Thelen waren auch interessiert. Jochen Schweizer bestellte direkt Chips vor: „Ich hätte gerne 20 Kilogramm von den Wirsing-Chips.“

Ähnlich erfolgreich wie die Chips-Produzenten kann auch das Ehepaar Thorsten und Brigitte Weiß werden. Sollten sie im kommenden Jahr zurück in die Löwenarena kommen, schlagen die Investoren bestimmt zu. Am Dienstagabend war ihnen die Firma „Fili Barefoot“, die Kinderschuhe mit Barfußgefühl herstellt, aber noch zu klein.

Grusel-Clowns in der „Höhle der Löwen“

Einigen Investoren lehrten die Kandidaten aber auch das Fürchten. Schon beim Anblick des Gründers Steffen Oppermann lief es Löwin Judith Williams kalt den Rücken runter. Der Hamburger war verkleidet gekommen – als gruselige Hexe. In seiner Firma „Wizardo“ stellt der 39-Jährige Horror- und Partymasken aus Latex her. Clown-Masken inklusive.

Dass das Unternehmen bei dem derzeitigen Hype um die Grusel-Clowns eigentlich florieren müsste, erkannten die anderen Investoren nicht. Oppermann konnte eher mit seinem Lebenslauf Eindruck schinden. So ist er hauptberuflich Gynäkologe. „Ich hoffe, sie haben die Ideen für die Masken nicht von ihrer Arbeit“, merkte Judith Williams an und schlug den Deal aus.

Roboter kommt bei Löwen nicht gut an

Schöner wurde es aber auch nicht mit „Marvel Boy“, einem Roboter, den Matthias Gehring den Löwen präsentierte. Das Ding hätte auch in einem schlechten Science-Fiction-Film aus den 60er Jahren vorkommen können.

Vor den Investoren pries Gehring sein Werk hoch an. Er wolle die Erlebnisgastronomie aufmischen. Sein Roboter könne autonom Softeis produzieren. Für 30 Prozent der Firmenanteile verlangte er 250.000 Euro Kapital. Beim Test des Roboters scheiterte Frank Thelen – eigentlich Technik-Freak – aber bereits am Touchpad.

Auch Jochen Schweizer blieb skeptisch: „Das ist ja eine nette Idee, aber wie verdient man damit Geld?“ Eine gute Antwort auf diese wichtige Frage hatte Matthias Gehring nicht. Für die Löwen war klar: Eine Investition lohnt sich nicht. Davon unterkriegen lassen will sich Gehring nicht. Er plant schon „Marvel Boy 2“.

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