Polit-Kabarett

Florian Schroeder macht Peer Steinbrück zum Kabarett-Kanzler

Florian Schroeder und Peer Steinbrück.

Florian Schroeder und Peer Steinbrück.

Foto: Roland Magunia

Düsseldorf.   Peer Steinbrück ist eigentlich Kabarettist. Mit Florian Schroeder ließ er in Düsseldorf Scherz, Satire, Ironie und tiefere Beleuchtung perlen.

„Haben Sie interne Informationen?“, fragt Florian Schroeder (39) im Robert-Schumann-Saal, der ihm Ehrfurcht gebietet, den immer noch tief in der Anzugwolle (vor allem aber in der Krawatte) gefärbten Sozialdemokraten Peer Steinbrück (72) in der scheinbaren Hoffnung auf einen Insider-Talk: „Gibt es die SPD noch?“

Das Thema ist gesetzt, den ganze Abend wird es immer wieder mal um den desolaten Zustand der einstigen Kanzlerpartei gehen, die nicht mehr weiß wofür sie steht, wohin sie will – mal in präziser, humorfreier Polit-Analyse („Die SPD ist nie zufrieden mit sich selber seit Schröders Agenda-Politik, sie ist die ganze Zeit verdruckst rumgelaufen und war nie stolz auf ihre Erfolge. Und sie hat diese tiefe Unzufriedenheit immer auf ihre Vorsitzenden projiziert“!“) mal in beißendem, selbstironischem Spott („Ich hatte 25 Prozent!“). Steinbrück ist allerdings immer noch mit ganzem Herzen in seiner politischen Heimat: „Wenn die SPD wüsste, was sie weiß, also was ihre vielen Mitglieder wissen, wäre sie wieder bei 30 Prozent!“, empfiehlt er die Entdeckung von Sachkompetenz, die vom Berliner Intrigengerangel überlagert wird.

Badischer Wein und ein Monty-Python-Film

Schroeder kredenzt breit grinsend Wein aus seiner badischen Heimat „(„Unter zehn Euro schmeckt der praktisch gar nicht!“), Steinbrück lässt scheinnörglig wie Waldorf & Statler in einer Person die Pointe liegen. Das wird den ganzen Abend so gehen, Sprünge zwischen den Ebenen, Humorlagen, Anspielungshorizonten. Und Kalauer am Rande, die blödeln, wie Schroeder und Steinbrück im Interview mit dieser Zeitung: „In England wird mir vermittelt, dass der Brexit in Wahrheit gar nicht geplant ist, sondern es sich bei der ganzen Angelegenheit um einen Monty-Python-Film handelt.“ Oder: „Mir wird so oft Arroganz unterstellt. Aber immer von Leuten, die mir das Wasser nicht reichen können...“

Die beiden machen aus unterschiedlichen Meinungen keinen Hehl, Steinbrück sieht die „Fridays for Future“ als Schulschwänzen an, Schroeder als legitimen zivilen Ungehorsam; Steinbrück kritisiert vehement, dass sich die Jugend, die gegen Upload-Filter protestiert, zum Büttel der Interessen von Google, Apple & Co macht („die haben im Silicon Valley die Champagnerkorken knallen lassen; das ist genau so ein Freiheits-Bewegung, wie sie die Autolobby gegen Tempolimits fördert und die Waffenindustrie in den USA gegen Einschränkungen beim Waffenrecht“), Schroeder macht geltend, dass die etablierte Politik die Freiheit des Internets nicht verstanden habe. Hier ist allerdings die Stelle für Steinbrück, an der er für blanken Ernst Beifall kassiert: „Das wäre eine Aufgabe für die SPD: Das Einhegen eines digital entgrenzten Kapitalismus!“

Kevin Kühnert und die Verstaatlichung des Verkehrsministeriums

Schroeder wiederum punktet mit der Verteidigung des Jungsozialistischen am Juso Kevin Kühnert, bleibt aber dabei nicht stehen: „Er will ja BMW verstaatlichen, mir wäre lieber, man würde das Verkehrsministerium wieder verstaatlichen!“

Und bevor das blitzgescheite Sottisen- und Pointen-Pingpong langweilig werden kann, ist dieser

!Denn sie tun nicht, was sie wissen.

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