Lehmbruck-Museum

Flüchtlinge arbeiten bei Ausstellung im Duisburger Lehmbruck-Museum mit

Die Ausstellung „The Walk – Keine Retrospektive“ des Konzeptkünstlers Jochen Gerz wird am 23. September im Lehmbruck-Museum eröffnet.

Die Ausstellung „The Walk – Keine Retrospektive“ des Konzeptkünstlers Jochen Gerz wird am 23. September im Lehmbruck-Museum eröffnet.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Zwölf Flüchtlinge sollen während der Gerz-Ausstellung „The Walk“ im Lehmbruck-Museum mitarbeiten - und für Gespräche mit Gästen bereitstehen.

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Jochen Gerz hatte schon immer ein großes Interesse an Menschen mit Flüchtlingshintergrund und deren Lebenswege. Kein Wunder, dass der Konzeptkünstler bei seiner Ausstellung „The Walk – Keine Retrospektive“, die ab dem 23. September im Lehmbruck-Museum stattfindet, diese Gruppe in den Fokus rücken möchte.

Derzeit wird ein Team von zwölf Geflüchteten zusammengestellt, das dann im Rahmen des Projektes „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ zum einen Handwerks- und Hilfsarbeiten im Museum übernehmen und so Teil des Alltagsbetriebs werden soll. Zeitgleich werden diese Menschen aber auch allen Ausstellungsbesuchern als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. „Wir erhoffen uns, dass so Menschen miteinander in Kontakt kommen, die sonst nie aufeinandergetroffen wären“, sagt Cihan Sert. „Das kann für beide Seiten von Nutzen sein.“

Fit gemacht für den Arbeitsmarkt

Der 37-Jährige ist Projektleiter der KH Qualifizierungs- und Vermittlungs-GmbH – ein Tochterunternehmen der Kreishandwerkerschaft Duisburg. Das kümmert sich um die Betreuung von Flüchtlingen, die mit Hilfe von Sprachkursen, Praktika und Ausbildungen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. „Wir wollen im Rahmen der Berufsorientierung aber auch zeigen, dass das Leben hier nicht nur aus Arbeit besteht, sondern zu einem Tagesablauf auch noch Sport, Unterhaltung und Kultur gehören können“, erklärt Sert. Es sei auffällig, wie viele der Flüchtlinge in ihrer alten Heimat mit Kultur zu tun gehabt hätten, so der Projektleiter. Jene zwölf Flüchtlinge, die nun für diese Kooperation mit dem Lehmbruck-Museum ausgesucht werden, sollten kulturaffin sein und Lust auf den Austausch mit Museumsgästen mitbringen. „Spätestens im August soll dieses Team stehen“, erklärt Cihan Sert.

Von den zwölf Auserwählten werden dann immer vier pro Tag im Museum sein. „Wir arbeiten noch an einem Einsatzplan, der garantiert, dass immer Projektteilnehmer als Gesprächspartner bereitstehen“, berichten Claudia Thümler und Sybille Kastner, die beiden Kunstvermittlerinnen des Lehmbruck-Museums. Ideal wäre es aus ihrer Sicht, wenn auch geflüchtete Frauen für diese Maßnahme gewonnen werden könnten.

Das Lehmbruck-Museum will auf diesem Wege weitere Erfahrungen im Bereich der Flüchtlingsarbeit sammeln. Für die Teilnehmer bietet sich gleichzeitig die Gelegenheit, das Museum als einen Anlaufpunkt in dieser Stadt kennen zu lernen und gleichzeitig die eigenen Sprachkenntnisse zu vertiefen. „Und es werden ganz sicher auch soziale Kontakte zu den Mitarbeitern des Museumsteams und vielleicht ja auch zu einigen Museumsbesuchern entstehen“, schildern Thümler und Kastner ihre Erwartungshaltung.

Das Konzept von „The Walk“

Wer einen Menschen mit Flüchtlingshintergrund kennt, dessen Profil zu diesem Berufsorientierungsangebot passt, oder wer sich über weitere Angebote der KH Qualifizierungs- und Vermittlungs-GmbH informieren möchte, findet Kontakt unter: 0203/99 53 423.

Bei der Kunstaktion „The Walk“ von Jochen Gerz verwandelt sich die Glashalle des Lehmbruck-Museums ab dem 23. September in ein Buch. Auf einem etwa 100 Meter langen Steg, der von außen um die Glasfassade des Gebäudes herum befestigt wird, laufen Besucher in drei Metern Höhe an Texten des Künstlers vorbei. Diese verbinden Leben und Werk von Gerz mit acht Jahrzehnten Zeitgeschichte. Jede der Scheiben wird mit roten Buchstaben beklebt – und verwandelt sich in eine Textspalte.

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