Fotografie

Düsseldorfer Kunstpalast zeigt „Fotografinnen an der Front“

Das Bild der Fotografin Anja Niedringhaus zeigt amerikanische Marineinfanteristen (Bagdad, Irak, November 2004 Pigmentdruck auf Barytpapier).

Das Bild der Fotografin Anja Niedringhaus zeigt amerikanische Marineinfanteristen (Bagdad, Irak, November 2004 Pigmentdruck auf Barytpapier).

Foto: Anja Niedringhaus

Düsseldorf.   Frauen sehen im Krieg nicht anders, aber mehr. Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast zeigt Fotos von Lee Miller, Anja Niedringhaus und Kolleginnen.

Haben Frauen einen anderen Blick auf den Krieg? Nein, aber sie sehen mehr. Die Fliegen etwa auf dem zerschundenen Gesicht der Frau in Bagdad, die ihre Augen verhüllt, um Ruhe zu finden — Carolyn Cole fielen sie auf. Die fidelen Knirpse von Belfast im Karnevalskostüm, die 1972 vom britischen Soldaten auf Waffen gefilzt werden, sind ein Bild von Christine Spengler, ebenso wie ihre madonnengleiche Kriegerin der Polisario-Befreiungsfront mit Kind im Arm und Gewehr über der Schulter.

Für manche mag der Begriff Kriegsfotografin schon die Neuigkeit sein. Die Ausstellung „Fotografinnen an der Front“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast mit 140 Fotos von acht Kriegsreporterinnen bietet aber gleich eine kleine Geschichte der Kriegsfotografie im 20. und 21. Jahrhundert.

Eine der ersten Frontfrauen mit Kamera war Gerda Taro. Als Gerta Pohorylle 1910 in Leipzig zur Welt gekommen, unterstützte sie mit ihrem Freund Endre Friedmann im Spanischen Bürgerkrieg die Truppen der Republikaner. Um ihre Fotos zu verkaufen, gaben sie sich als US-Fotograf Robert Capa und seine Agentin aus: Auch ihre Fotos erschienen unter „Capa“.

Lee Miller und Anja Niedringhaus

Gerda Taro wusste brillant mit der Tiefenschärfe zu spielen, und ihr bestes Bild dieser Ausstellung (neben dem mit der dramatischen Unschärfe im Vordergrund, ein echter Capa!) ist eines ohne Uniformen: ein Blick durch die Gitter eines Leichenschauhauses hinaus auf die Frauen, Kinder und Brüder, die sich ängstlich davor drängen.

Lee Millers mitleidlose Bilder vom besiegten Nazi-Deutschland und von Französinnen, denen eine Glatze geschoren wurde, weil sie sich mit deutschen Soldaten eingelassen hatten, sind bekannt – aber auch sie fotografierte trocknende Gebetstücher auf dem Rasen bei Aachen. Die 1965 in Höxter geborene Anja Niedringhaus, die ohne Scheu bei lebensgefährlich verletzten Soldaten mit zerfetzter Uniform und zermarterten Oberkörpern draufhalten konnte, sah aber auch die Angst in den Augen des Marines bei der Razzia in Abu Ghraib, die so groß ist wie die der Frauen und Kinder hinter ihm.

Berühmt wurde die Agentur-Fotografin mit einem Bild, auf dem ein kanadischer Soldat in Afghanistan ein Huhn beiseitetritt, Sekunden bevor die Handgranaten fliegen und auch Anja Niedringhaus schwer verletzt wird. Wochen später war sie wieder vor Ort, wo sie auch die GI-Joe-Puppe als Maskottchen auf dem Rücken des US-Marines sieht, die vom Kind im Soldaten erzählt. „Wenn ich es nicht fotografiere“, hat sie gesagt, „wird es nicht bekannt.“ Im April 2014 wurde sie von einem Attentäter in Polizeiuniform erschossen.

Und noch etwas zeigt sich: Die wahre Kriegsfotografie ist schwarz-weiß. Zwar hat die Amerikanerin Susan Meiselas den Sandinisten-Krieg von Nicaragua in Farbe dokumentiert, aber diese Bilder funktionieren als Ausnahme. Aber das – noch – unblutige Drama einer palästinensischen Familie im Massaker christlicher Milizen in Beirut 1976, wie sie Françoise Demulder festgehalten hat, ist unübertroffen. Es wurde das World Press Photo dieses Jahres. Frauen sind im Krieg genauso falsch am Platz wie Männer. An der Kamera aber sind sie dort noch unersetzlicher.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben