Kultur

In Moers werden Vorleser für ein Marathonprojekt gesucht

Professorin Gaby Herchert und Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb gehören zu den Vorlesern des Nibelungenliedes am 6. Mai im Schlosstheater. Solche Marathonlesungen gab es bereits 2016 (Geschichten aus 1001 Nacht) und 2010 (Odyssee) in Moers.

Foto: Norbert Prümen

Professorin Gaby Herchert und Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb gehören zu den Vorlesern des Nibelungenliedes am 6. Mai im Schlosstheater. Solche Marathonlesungen gab es bereits 2016 (Geschichten aus 1001 Nacht) und 2010 (Odyssee) in Moers. Foto: Norbert Prümen

Moers.   Passend zur aktuellen Ring-Inszenierung gibt es am Sonntag, 6. Mai, eine Marathonlesung im Schlosstheater. Nur ein Text steht auf dem Programm.

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Mit seiner Ring-Inszenierung im Wallzentrum hat Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb voll ins Schwarze getroffen. Die Vorstellungen sind ausverkauft, offenbar gibt es einen aktuellen Hang zu dem uralten Thema. Passend dazu gibt es am Sonntag, 6. Mai eine Marathonlesung. Einziger Programmpunkt: Das Nibelungenlied.

Das Epos mit seinen Ursprüngen im Mittelalter und die Musik von Richard Wagner dienen Greb als Grundlage für seine Inszenierung. „Ich bin über Wagner an das Nibelungenlied gekommen“, sagt Greb.

Die ewige Gier nach Macht

Themen wie die Gier nach Reichtum und Macht findet er auch in der heutigen Zeit im Übermaß wieder und Ähnlichkeiten zwischen der Siegfried-Figur und Akteuren der aktuellen politischen Landschaft sind auch nicht zu verkennen. Heißt also im Klartext: Mag die Vorlage auch noch so alt sein, sie hat aktuelle Bezüge – ein guter Anlass also, den gesamten Text vorzulesen.

Wer sich über den literarischen Wert hinaus für schnöde Zahlen interessiert, bitte sehr: 2400 Strophen mit jeweils vier Verszeilen stehen den geneigten Lesern zur Verfügung. Wer sich berufen fühlt, einige davon am 6. Mai vorzutragen, kann sich gern melden (siehe Info).

Dass die Vorleser dabei Sätze wie: „Uns ist in alten maeren wunders viel geseit“, vortragen müssen, steht nicht zu befürchten. Die Übersetzung von Karl Simrock aus dem 19. Jahrhundert bedient sich einer moderneren Sprache. Wer unbedingt möchte, kann natürlich auch auf Mittelhochdeutsch vortragen. Womit wir bei der Publikumswirksamkeit wären.

Eine Entdeckungsreise

„Ja, das ist sicher eine überdehnte Veranstaltung, aber die Zuhörer können ja kommen und gehen, wann sie wollen“, sagt Ulrich Greb. Gaby Herchert, Professorin für Mediävistik und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen, findet zudem, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Text durchaus lohnen kann – als Vorleser und als Zuhörer: „Das Nibelungenlied spielt im Nationalismus unterschiedliche Rollen. Mal ist es die Grundlage einer eigenständigen deutschen Literatur, mal wird es als Steinbruch für Argumentationen benutzt.“

Die Marathonlesung des Nibelungenliedes ist mithin auch eine Entdeckungsreise, nicht nur für Literatur-Fans.

>>INFO:

In einer Marathonlesung wird am Sonntag, 6. Mai, 10 – 20 Uhr das Nibelungenlied im Schlosstheater gelesen. Wer Teile des Versepos vorlesen möchte, kann sich bis zum 19. April per E-Mail hier melden: info@schlosstheater-moers.de
Bitte schreiben Sie den Zeitraum dazu, in dem Sie lesen möchten.

Eine zweite Lesung gibt es am 21. Oktober im Kriemhildsaal des SiegfriedMuseums Xanten.

Ebenfalls im Herbst (Start: 26. September, 19.30 Uhr) wird es im Schlosstheater eine – Achtung: Wortspiel – Ring-Vorlesung zum Nibelungenstoff mit Professorin Gaby Herchert geben.

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