Theater

Hübners „Abiball“ in Düsseldorf uraufgeführt

„Abiball“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Auf dem Bild: Cathleen Baumann, Genet Zegay, Vincent Sauer, Serkan Kaya in der Uraufführung des Düsseldorfer Schauspielhauses.

„Abiball“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Auf dem Bild: Cathleen Baumann, Genet Zegay, Vincent Sauer, Serkan Kaya in der Uraufführung des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Foto: Thomas Rabsch

Düsseldorf.   Die Bausteine des Autorenduos Hübner/Nemitz sind bekannt. Das Publikum schätzt die Mini-Dramen. Jüngstes Werk „Abiball“.

Das Leben – ein Richtfest, eine Wohngemeinschaft, ein Elternabend: Die Autoren Lutz Hübner und Sarah Nemitz schöpfen ihre Geschichten gern aus den Nöten scheinbar gut situierter Bildungsbürger und feiern damit beachtliche Erfolge.

Dabei laufen viele ihrer Stücke nach bewährtem Muster. Sie suchen den großen Konflikt im Kleinen, spitzen ihn mit amüsant geschriebenen Dialogen zu und erfinden Figuren, die oft hart an der Grenze zur Karikatur gebaut sind.

Auch ihr jüngster Wurf, der am Düsseldorfer Schauspielhaus seine Uraufführung erlebte, folgt treu diesem Baukastenprinzip. Es trägt den Titel „Abiball“, und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Drin ist was drauf steht. Hübner und Nemitz lassen kleine Dramen auf dem Boden eines Tanzsaals kreisen, in dem der Abschlussjahrgang eines Gymnasiums seine große Sause feiert. Schüler, Eltern, Lehrer: Ihr letztes Aufeinandertreffen birgt reichlich Stoff für große Gefühle, handfesten Krach und heitere bis peinliche Anekdoten. Da spielt es Hübner und Nemitz natürlich in die Hände, dass die Hochglanz-Parties heutiger Zeit mit den unbekümmerten Besäufnissen früherer Tage nichts mehr zu tun haben. Wer heute einen Abiball plant, braucht Managerqualitäten.

Das Team Hübner/Nemitz betreibt durchaus die Aneinanderreihung von Klischees

Mit welcher Chuzpe die Autoren die Aneinanderreihung von Klischees zur Meisterschaft erhoben haben, ist allerdings erstaunlich. Keine Plattitüde wird ausgespart. Da sind die Helikopter-Eltern, die ihre Kinder nicht loslassen, die Fashion-Prinzessinnen, die eine Sünde für ein Kleid ausgeben, und Muttis neuer Freund, der tatsächlich glaubt, mit einem Pearl-Jam-T-Shirt als Berufsjugendlicher durchzugehen. Eine will als „Influencer“ bei Instagram groß durchstarten, und die steife Direktorin liegt mit ihren Gesangskünsten garantiert daneben. Das läuft zweieinhalb Stunden (mit Pause) so amüsant wie absehbar.

Regisseur Robert Lehniger verwendet viel Mühe darauf, die vielen kleinen Episoden so auseinanderzuhalten, dass keine Figur im großen Gewimmel untergeht und jede für einen Moment leuchten darf. Auf einer schlau eingerichteten Bühne von Michael Graessner sitzen die Zuschauer als Ballgäste mitten im Saal, in dem beherzt gesungen, getanzt, gemeckert, gelacht und fleißig auf Youtube gepostet wird.

„Abiball“ kann sich auf ein verlässliches Ensemble stützen - Extra-Beifall gab es für die resolute Oma

Während die Abiturienten von Schauspielstudenten gespielt werden (hier gelingt insbesondere Naima Laube das berührende Porträt einer depressiven Schülerin), sind es vor allem die verlässlichen Kräfte im Ensemble, die den Figuren Würze geben. Die abgehalfterte Party-Mutter der Cathleen Baumann ist so sehenswert wie Minna Wündrich und Jan Maak als Eltern, die neben den Wodka-Vorräten auch das zarte Band der Liebe entdecken. Extra-Beifall gibt‘s für Manuela Alphons als resolute Oma.

Termine: 0211-369911

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