Kino

Auf der Kinoleinwand ab heute zu sehen: „Mary Shelly“Auf der Kinoleinwand ab heute zu sehen: „Mary Shelly“

Mary Shelley

Mary Shelley

Foto: PROKINO Filmverleih

Das britsche Historiendrama „Mary Shelley“ zeigt die Entwicklung der Schriftstellerin, die Frankenstein erfand. Elle Fanning in der Hauptrolle

Es ist Faszination auf den ersten Blick, als die 17-jährige Mary während eines Salonabends im Hause ihres Vaters diesen neuen, aufstrebenden Stern am Dichterhimmel erblickt. Percy Shelley (Douglas Booth) macht was her in seinem maßgeschneiderten Rock und den glänzend polierten Stiefeln. Seine Haare sind zerzaust und in seinen Augen glüht ein gieriges Feuer. Shelley hat einen Schlag bei Frauen und er weiß das auszunutzen. Aus dem Stegreif lässt er ein paar Verse perlen, dann wendet sich sein Blick Mary zu.

Eine aufgeregte Verliebtheit

Schon wenige Wochen später wird sie Percy Shelley zusammen mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont (Bel Powley) auf eine Europareise begleiten. Dass Shelley verheiratet und Vater einer kleinen Tochter ist, das stört Mary zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie ist verliebt. Das Leben kann so schön und aufregend sein.

Dies ist die erste internationale Regiearbeit von Haifaa Al-Mansour, die 2014 mit „Das Mädchen Wadjda“ als erste Frau einen Film in Saudi-Arabien inszenierte. Hier zeigt sie die Reifeprüfung einer jungen Engländerin als Frau und Schriftstellerin, eingebettet als melodramatische Liebesgeschichte im historischen Kostüm des frühen 19. Jahrhunderts. Angesichts der Biografie der Titelheldin hätte es sich angeboten, diese Geschichte als sozio-psychologische Charakterstudie zu erzählen. Schließlich war Mary Wollstonecraft Godwin die Tochter der Wegbereiterin der Frauenbewegung, während der Vater am politischen Anarchismus feilte. Mary selbst erlangte Berühmtheit, weil sie einen Schlüsselroman der dunklen Fantastik schrieb, „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Doch auf dieses Terrain begibt sich der Film nicht.

Aufrechterhalten von Mythen

Natürlich durfte Haifaa Al-Mansour, die auch am Drehbuch mitschrieb, es sich nicht nehmen lassen, ihre Geschichte auf jene Nacht am Genfer See zuzusteuern: Fünf ­gelangweilte, von Drogen benebelte Engländer beschließen, sich Geistergeschichten auszudenken und in der Folge zu Papier zu bringen. Al-Mansour leitet die Szene mit dem Satz ein: „Es regnet schon seit Wochen.“

Die Langeweile im abgeschiedenen Palais muss zermürbend gewesen sein. Auch berühmte Leute wie der schillernde Dichterfürst Lord Byron (Tom Sturridge) sind eben nur so lange interessant, wie sie ihren Mythos gegenüber den Defiziten der Realität aufrecht erhalten können.

Al-Mansour zeigt hier klare Kante. Während Shelley sich im Laufe der Handlung immer mehr vom erotischen Prinzen zum egomanen Scheusal wandelt, hat Byron den Bodensatz der Dekadenz schon durchsuhlt, beleidigt ungeniert den befreundeten Arzt John Polidori (Ben Hardy), lässt die verliebte Claire am kleinen Finger zappeln, blickt aber offen in den Spiegel der eigenen Verkommenheit.

Elle Fanning spielt Mary, die seelische Erschütterungen schriftstellerisch zu verarbeiten lernt. Sie ist kein Unschuldslamm, aber eine Getäuschte, die den Aufbruch zur Würde in der Selbstbestimmung wagt. Das ist starker Stoff für eine melodramatische Liebesgeschichte im historischen Kostüm.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben