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"Notorious B.I.G.": Draußen Rap-Legende, daheim ein Ekel

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An Rhein und Ruhr. Er starb jung, erschossen vermutlich wegen seiner Musik: "Notorious B.I.B." zeichnet das kurze Leben von Christopher Wallace, alias Biggie Smalls nach. Ein Biopic über einen abwesenden Vater mit dem verzweifelten Wunsch nach Anerkennung und Respekt.

Diese Rapper-Karrieren gleichen sich ja wie ein Ei dem anderen, ungeachtet der Hautfarbe. Das Küken wächst in Armut bei seiner Mutter auf, träumt vom Reichtum, klettert dann irgendwann auf eine Bühne, schnappt sich das Mikro und macht sich einen Reim auf die soziale Ungerechtigkeit. Es folgen: großer Jubel beim Publikum, Handschlag von einem Musikproduzenten, Clips auf MTV, die erste CD und die erste Million. So geschehen bei Eminem und 50Cent und auch schon dementsprechend filmisch verwurstet. Warum, um alles in der Welt, soll man sich diese Story also nochmal geben?

Wer sich diese Frage grummelnd stellt, während er sich in der Kinokassenschlange nicht zwischen „Männersache” und „Slumdog Millionär” entscheiden kann, wird recht überrascht sein, falls er doch in „Notorious” landet. Am Anfang fällt ein Schuss, der dem im Folgenden gezeigten recht obligatorischen Rapper-Werdegang ein jähes Ende setzt. Enthusiasten der Musikgattung wissen sofort: Es geht um Christopher Wallace, alias Biggie Smalls, einen Meister seines Fachs, genau wie Tupac Shakur.

Der Streit Ost- gegen Westküste nur am Rande

Tja, traurige Sache das mit den beiden, und auch 12, 13 Jahre danach sind die Morde noch nicht aufgeklärt. Diesbezüglich wird auch in „Notorious” nichts geklärt werden, denn der Hip Hop-Streit zwischen Eastcoast und Westcoast findet im Film nur am Rande statt. Regisseur George Tillman Jr. („Barbershop”) konzentriert sich vielmehr auf Biggies kurze Laufbahn, und darauf, das alles so authentisch als möglich darzustellen.

Er hat unter tausenden Bewerbern auf die Rolle einen gefunden, der mit ein bisschen Schminke und einer „Super-Size-Me”-Hamburger-Kur dem Rap-Heroen aufs Haar gleicht: Jamal Woolard. Seine Expertise stellt er sich selber aus: „Ich bin wie Biggie in Brooklyn aufgewachsen. Ich war auch das übergewichtige und einzige Kind einer alleinerziehenden Mutter. Ich war auch lieber auf der Straße als in der Schule. Ich habe auch mit Drogen gedealt. Ich wollte und will immer noch reich und berühmt werden, mit meinen Raps oder jetzt eben mit der Schauspielerei. Ich wollte und will, was so viele wollen, nicht nur Schwarze: Anerkennung und Respekt.” Die Motivation von Woolard und Wallace ist damit klar umrissen und lässt im Film auch schön viel Platz für Neuinterpretationen von Biggie Smalls' gerappter Wut aus den 90er Jahren. Die Botschaft von „Notorious” ist das jedoch nicht, dafür sorgte nicht zuletzt auch die Initiatorin und Mit-Produzentin Voletta Wallace, Mutter von Christopher. In Gestalt von Angela Bassett verschafft sie sich im Film nicht nur Mitspracherecht, sondern dem Publikum auch eine neue Perspektive: die Familie.

Er war ein schlechter Vater

Dass Volettas Sohn in den 90er Jahren ohne Vater aufwächst, gehört zum Standard. Dass er selber als millionenschwerer Hip Hop Star ein schlechter Vater war, ist das, was „Notorious” anders macht als „8 Mile” und „Get Rich Or Die Tryin'”. „Eigentlich hätte er es besser wissen müssen”, meint auch Woolard. „Er hat sich nicht besonders um seine Kinder gekümmert. Er hat sie auf die Mütter abgeschoben und sein Ding durchgezogen. Seine Affären. Seine Musik. Seine Karriere. Als Vater war er verdammt rücksichtslos.” Biggies' eigener Sohn Christopher Jr. mimt im Film seinen Vater in Jugendjahren. Wobei er vermutlich mehr über ihn erfahren hat als von ihm selbst. Auch das ist eine neue und unerwartete Facette in einem Film, der als Denkmal für einen Rap-Star daher kommt, aber das Mahnmal an den abwesenden Vater ist.

Zu hoffen bleibt, dass die Message beim rappenden Zielpublikum auch ankommt. (NRZ)

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