Kino

„Und wer nimmt den Hund?“: Tragikomödie mit Ulrich Tukur„Und wer nimmt den Hund?“: Tragikomödie mit Ulrich Tukur

Martina Gedeck war zuletzt in „Wir leben Stelle“ zu sehen, Ulrick Tukur in „Tatort: Murot und das Murmeltier“.

Martina Gedeck war zuletzt in „Wir leben Stelle“ zu sehen, Ulrick Tukur in „Tatort: Murot und das Murmeltier“.

Foto: Boris Laewen (bola)

Die Scheidungs-Tragikomödie „und wer nimmt den Hund?“ lebt von den Auftritten von Martina Gedeck und Ulrich Tukur

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein Ehepaar trennt sich nach zweieinhalb Jahrzehnten, weil die Luft raus ist – und weil der Mann mit einer dreißig Jahre jüngeren Doktorandin anbandelt. Ein Neuanfang scheint verlockender, klarer und belebender als die eingefahrene Routine, bei der die gutbürgerliche Langeweile den Sterbeprozess schon Jahre vor dem physischen Ende einleitet. Nicht nur, aber auch ihrer Kinder zuliebe wollen Doris und Georg Lehnert die gescheiterte Beziehung per Gesprächstherapie aufarbeiten. Dabei flammen gegenseitige Schuldzuweisungen, Bedauern, Eifersucht, Rachegelüste und natürlich die eine oder andere Selbsterkenntnis auf.

Im Mittelpunkt stehen Martina Gedeck und Ulrich Tukur (Bild), die als quasi geschiedene Eheleute sehr viel miteinander und übereinander reden. Im Verlauf der Trennungstherapie werden die unterschiedlichen Sichtweisen auf die gemeinsam verbrachten Jahre deutlich. Während Georg zum Direktor eines Hamburger Aquariums aufstieg, stellte Doris ihre eigenen Pläne der Kindererziehung wegen hinten an. Jetzt, wo das eingerostete Gefüge aufgebrochen ist, werden die Rollen neu definiert. Und das geht natürlich mit diversen Holprigkeiten einher.

Kaputte Ehe nicht das Ende

Georgs neue Beziehung wird durch den Altersunterschied auf die Probe gestellt. Doris erfindet sich derweil als Herausgeberin einer Kunstzeitschrift neu und angelt sich einen Lover, was wiederum Georg auf die Palme bringt. Der im Titel erwähnte Familienhund spielt derweil lange eine untergeordnete Rolle im Hintergrund – um schließlich daran zu erinnern, dass die kaputte Ehe nicht das Ende aller Gemeinsamkeiten sein muss.

Aus der simplen und lebensnah erzählten Geschichte könnte man dem Drama leicht einen Strick drehen. Die Kette der Kritik entspinnt sich ganz automatisch, wenn man erfährt, dass der Regisseur Rainer Kaufmann und der Autor Martin Rauhaus in erster Linie im Fernsehfilmbereich tätig sind, wo es eben immer noch häufig Usus ist, die Handlung mit einfacher Bildsprache und vielen erklärenden Dialogen zu vereindeutigen.

Nicht ganz klischeefrei

Einmal mehr liegt es an den Darbietungen des starken Ensembles, dass die Tragikomödie trotzdem interessant anzuschauen ist. Es sind die Seitenblicke und ausdrucksstarken Gesichter von Gedeck und Tukur, die den nicht ganz klischeefreien Film von einer fast banalen Alltagsschilderung ins Filmische und Dramatische holen. Außerdem gefallen ein paar schöne Drehbuch- und Regieeinfälle, wenn die neuen Geliebten der Getrennten markante Dialogzeilen der Ex-Partner wiederholen, oder der Musikeinsatz: Als Doris das Auto ihrer Nebenbuhlerin abfackelt, läuft dazu besinnliche Jazzmusik, die nicht das verwegene äußere Geschehen aufgreift, sondern die innere Genugtuung darüber. Auch sonst geht es in dem Drama vor allem um die Emotionen, die die Umstände in den Figuren auslösen.

D 2019, 89 Min., R: Rainer Kaufmann, D: Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Lucie Heinze, Giulia Goldammer, Marcel Hensema FSK 0, Wertung: 3 von 5 Sternen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben