Bühne

Lieblingsmörderinnen

„Chicago The Musical“

„Chicago The Musical“

Foto: Thomas Brill / TB

Rattenscharf und nachtschwarzhumorig: „Chicago“ gastiert in Köln – und bald auch in Düsseldorf.

Köln. Die blondlockige, zuckersüße Roxie (Carmen Pretorius)? Oder doch lieber die herbe Velma (Samantha Peo) mit dem dunklen Pagenkopf und der göttlichen Kodderschnauze? Vor die schwierige Frage gestellt, welche der beiden Ladies ihre Lieblingsmörderin mit der Lizenz für eine exzellente Bühnenperformance ist, könnten Zuschauer Mittwoch im Musical Dome schier verzweifeln. Gottlob schmeißen die beiden Killer-Queens nach 150 Minuten (inklusive Pause) ihre geballten Talente beim „Hot Honey Rag“ zusammen und so ist das hingerissene Premierenpublikum von „Chicago – The Musical“ von weiteren Grübeleien aufs Angenehmste befreit.

„Die heißeste Show der Stadt“ trifft es exakt

Der Stoff, der auf einem Theaterstück von 1926 basiert, das einer wahren Geschichte geschuldet ist – zwei junge, attraktive Frauen töteten in Chicago unter dem Einfluss von Jazz und Alkohol ihre Lover und wurden zu Medienstars – zündet bis heute. Das Musical der „Cabaret“-Macher John Kander und Brian Ebb erlebte 1975 seine Uraufführung, 1996 wurde es einer Generalüberholung unterzogen, begeisterte seitdem mehr als 30 Millionen Besucher in 36 Ländern.

In Köln ist es als Broadway-Originalproduktion (mit deutschen Seitentiteln) zu sehen. Von Anfang bis Ende, über die Musik, die Darsteller, die Choreografien bis hin zu den Kostümen und den Dialogen (als Übersetzung etwas jugendfreier gestaltet) gerät das rattenscharf und nachtschwarzhumorig. Werbung sollte man misstrauen. Aber der Slogan „Die heißeste Show der Stadt“ trifft es in dem Fall exakt. Gegen Pretorius und Peo (oder Ilse Klink als inoffizielle Knastchefin Mama Morton) haben´s die Männer schwer. Doch Grant Towers in der Rolle von Roxies schluffigem Gatten Amos, der genau dann, wenn´s drauf ankommt, wahre Größe zeigt, schafft es trotzdem, sich in die Herzen zu spielen. Craig Urbani als Anwalt Billy Flynn ist da viel glamouröser. Aber auch ein ganzes Stück weit weniger rührend.

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