Literatur

Lit.Ruhr: Ein Lese-Feuerwerk fürs Revier

Traudl Bünger und Rainer Osnowski von der Lit.Ruhr

Traudl Bünger und Rainer Osnowski von der Lit.Ruhr

Foto: Lars Heidrich

Essen.   Das erste Programm der Lit.Ruhr bringt große Namen von Martin Suter bis Zadie Smith – und über 80 Veranstaltungen an fünf Tagen

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Ehen werden im Himmel geschlossen, heißt es so schön, und wenn nun die erste Lit.Ruhr mit einer Gala über die Ehe startet, weist dies auf hochfliegende Vereinigungspläne: Mit über 40 Lesungen und literarischen Abenden und nochmal so vielen Veranstaltungen für Schulklassen startet das erste Programm an fünf Tagen im Oktober, wartet auf mit namhaften Autoren: von Ulla Hahn bis Zadie Smith, Martin Suter bis Nick Hornby. Zentraler Spielort: die Essener Zeche Zollverein. Über 30 000 Karten haben die Macher zu vergeben – und sind guter Dinge, am Ende die meisten verkauft zu haben.

Autoren-WG in Gelsenkirchen

Nun war die Region auch bislang nicht arm an literarischen Feier-Reihen: Mord am Hellweg und Literaturland Westfalen, Literatur:Literatur! und Literatürk, der herbstliche Lesereigen des Literaturbüros Ruhr und die Abende im Herner Literaturhaus – dem lesenden Menschen konnte zwischen Duisburg und Dortmund durchaus geholfen werden. Die Macher der seit langem etablierten Kölner Lit.Cologne aber setzen auf die zugkräftige Mischung aus Literatainment, einigen Promifaktoren und hintergründigen Be­gegnungen. Dabei betont das Team um Leiter Rainer Osnowski: „Eine Kopie soll die Lit.Ruhr auf keinen Fall werden.“

Dem dienen etwa zwei eigens konzipierte Formate: Unter dem Titel „Über Unter Tage“ werden vier Leipziger Literaturstudenten vortragen, welche Eindrücke sie gesammelt haben als „Gelsenkirchens jüngste Autoren-WG“ (6.10., Essen). Lebensläufe mit Migrationsvordergrund hat die Filmemacherin Undine Siepker gesammelt, etwa jene von Haeng-Ja, die vor 50 Jahren aus Korea kam und sagt: „Manchmal ess ich morgens Brot“ (8.10., Essen).

Nur 527,7 km reist Autorin Gila Lustiger und doch in eine neue Welt: Für ein Jahr verlässt sie ihre Wahlheimat Paris und lebt (auf Einladung der Brost-Stiftung) als erste Stadtschreiberin des Ruhrgebiets in Mülheim. Es begrüßt sie Schauspieler Peter Lohmeyer – WAZ-Kulturchef Jens Dirksen moderiert (6.10., Essen).

„Bis dass der Tod uns scheidet!“

Zum Auftakt lädt die Lit.Ruhr in Essens Philharmonie: „Bis dass der Tod uns scheidet!“ lautet der Titel einer Gala, in der Iris Berben und Christoph Maria Herbst Ehe-Klassiker lesen, Kirsten Fuchs und Wladimir Kaminer aus eigenem Erleben schöpfen. Bettina Böttinger fragt – und Max Mutzke musiziert (4.10.).

Was kann noch kommen, nach diesem Einstieg? Große Autoren mit neuen Büchern: Die wunderbare Zadie Smith liest aus „Swing Time“ (deutscher Text: Nina Kunzendorf, 4.10., Essen). Uwe Timm stellt „Ikarien“ vor (6.10., Dortmund) und Sven Regener die „Wiener Straße“ (6.10., Essen). Irene Dische sieht „Schwarz und Weiß“ – Suzanne von Borsody liest, Denis Scheck moderiert (6.10., Duisburg). Robert Menasse erkennt in Brüssel „Die Hauptstadt“ (6.10., Essen). Ulla Hahn verrät alles über Hilla Palm (7.10., Essen), Heinz Strunk schickt „Jürgen“ auf Brautschau (7.10., Essen). Mariana Leky träumt von Okapis („Was man von hier aus sehen kann“, 8.10., Essen). Dienstlich wird es mit Martin Suter und der Business-Class (4.10., Essen), romantisch mit Cecila Ahern (5.10., Duisburg) – und spannend mit Donna Leon (8.10., Essen), Martin Walker (5.10., Essen), Jörg Maurer (5.10., Bochum), Deon Meyer (8.10., Essen). Mit Melinda Nadj Abonji und Frank Witzel sind zwei Preisträger des Deutschen Buchpreises dabei (5.10., Essen) – und mit Stefanie Sargnagel (4.10., Bochum) eine der jungen Stimmen der Gegenwartsliteratur.

Matthias Sammer und Nick Hornby

Als „reviertypisch“ haben die Festivalmacher den Fußball erkannt: Matthias Sammer spricht über das Spiel seines Lebens und dessen „Wendepunkte“ (5.10., Fußballmuseum Dortmund), Nick Hornby plaudert mit Joachim Król über die Poesie von Fußballstadien (5.10., Essen). Um die Fanfreundschaft Berlin-Ruhrgebiet geht es bei Jakob Hein und Kurt Krömer (4.10.).

Seit Jahren schon setzt sich die Lit.Cologne für die Freiheit des Worts ein. Zu dem Abend „Wir sind frei!“ wird der noch in Spanien inhaftierte Dogan Akhanli erwartet; ob auch Can Dündar kommen wird, ist noch offen (8.10., Dortmund). Um die Frage „Wohin, Europa?“ geht es im Gespräch zwischen Autorin Maxi Oberexer und dem gerade aus Essen verabschiedeten Politologen Claus Leggewie (5.10., Essen). Auch Historiker Ian Kershaw und Bundestagspräsident Norbert Lammert sprechen über Europas Geschichte und Gegenwart (6.10., Essen). Historisch wird es auch bei einem Nachmittag im Museum Folkwang: Über den Zorn als Wesenszug der Menschheitsgeschichte sprechen Künstler Georg Baselitz und das intellektuelle Allround-Talent Alexander Kluge (7.10.).

Sophie Rois liest Patricia Highsmith

Nicht zu vergessen: die Abende zu Autoren, die selbst nicht (mehr) lesen können. Sophie Rois begegnet Patricia Highsmith (7.10., Essen), Ulrich Noethen und Cordula Stratmann entdecken Heinrich Heine und Corinna Harfouch (8.10., Essen) und ihr Sohn Robert Gwisdek beschäftigen sich mit Kafka (8.10., Essen). Und schließlich widmet sich Senta Berger der großen unbekannten Bestsellerautorin aus Italien mit Namen Elena Ferrante (6.10., Essen).

Das Programm für Schulklassen

In Klassenstärke können Kinder die Litkid.Ruhr besuchen: Unter dem Motto „Klasse-Buch“ steht die nach Alter gestaffelte Lesungsreihe an drei Vormittagen in Essen, Bochum, Duisburg und Dortmund. Die Tickets kosten zwei Euro, Anmeldungen sind ab sofort möglich – und werden nach der Reihenfolge ihres Eingangs bei der Buchung berücksichtigt. Also: schnell sein!

Zum großen Kinderfest lädt die Lit.Ruhr am Sonntag auf das Zollverein-Gelände: Jörg Hilbert liest aus „Ritter Rost“ und Kirsten Boie aus „Thabo“. Ulrich Noethen gibt Sven Nordquists „Pettersson und Findus“ seine Stimme.

Und Schauspieler Peter Lohmeyer plaudert mit seinem Sohn Louis über – na klar, Fußball!

Die Lit.Ruhr hat einen Etat von 500 000 Euro. Gefördert wird sie von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Brost-Stiftung, der RAG-Stiftung, der innogy-Stiftung und der Stiftung Mercator. Medienpartner sind die Funke Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung zählt, sowie WDR 5.

Weitere Informationen: www.lit.ruhr und www.lit.ruhr/klassebuch

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