Förderung

Literaturvernetzer werden im Ruhrgebiet dringend gesucht

Die Literatur ist ein Kunstbereich, der bei der Kulturförderung im Revier nur wenig bedacht wird.

Foto: Lars Heidrich

Die Literatur ist ein Kunstbereich, der bei der Kulturförderung im Revier nur wenig bedacht wird. Foto: Lars Heidrich

Essen.   Das Revier gibt schändlich wenig zur Förderung von Prosa und Lyrik aus. Daran wird die „Lit.Ruhr“ wenig ändern. Dabei gibt es längst Förderer.

Für Oper und Ballett geben die Städte des Ruhrgebiets pro Jahr über 150 Millionen Euro aus. Für das Sprech-Theater über 50 Millionen. Und für die institutionelle Förderung der Literatur den vergleichsweise läppischen Betrag von rund 100.000 Euro. Da sind zum einen die seit anderthalb Jahrzehnten nicht erhöhten 50.000 Euro, die der Regionalverband Ruhr (RVR) der Literatur zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen Breckerfeld und Xanten pro Jahr zukommen lässt. 5000 Euro davon gehen an das Literaturbüro in Unna und 45.000 an das mit zwei „vollzeitnahen Teilzeitstellen“ ausgestattete Gladbecker Literaturbüro Ruhr, das davon vor allem den alljährlich verliehenen Literaturpreis Ruhr organisiert. Der ist mit 10.000 Euro für den Hauptpreis und 2555 Euro für zwei Förderpreise dotiert. Und da sind zum anderen die 44.800 Euro pro Jahr, die von der Stadt Dortmund an das dortige Literaturhaus überwiesen werden.

Wenig Beachtung

Den wesentlichen Beitrag zur Pflege von Dichtung und Wahrheit, Lyrik und Prosa in der selbsternannten 5-Millionen-Metropole Ruhr aber leisten nach wie vor private Initiativen und Vereine. Von denen gibt es zwar mehr als in den meisten deutschen Großstädten (siehe Box) – aber ihre Wahrnehmung reicht selten über die Grenze einer Stadt hinaus.

Eine solche Wirkung wird schon eher die Ausdehnung der Lit.Cologne auf das Ruhrgebiet entfalten, die im Herbst dieses Jahres ihre Premiere als Lit.Ruhr auf der Essener Zeche Zollverein feiern soll. Doch die Lit.Ruhr ist vor allem ein mehrtägiges Event mit Scheinwerfer- und Leuchtturm-Effekt, das dem Standort-Marketing mindestens so sehr nutzt wie den Lesern. Ein solches Festival sollte jedenfalls nicht mit jener Art von jahrzehntelanger Literaturförderung verwechselt werden, wie sie von den vergleichsweise kleinen und mittelgroßen Initiativen, Vereinen und Institutionen geleistet werden.

Sicheres Gespür für literarische Qualität

Die seit drei Jahrzehnten bestehende Lesereihe des „Schreibheft“-Herausgebers Norbert Wehr etwa, früher von der Stadt Essen und inzwischen von der Alfred und Claire Pott-Stiftung gefördert, brachte nicht nur Autoren-Prominenz wie etwa drei Nobelpreisträger, Paul Auster, Don DeLillo, Peter Handke oder Daniel Kehlmann zu Dutzenden ins Revier. Wehr dürfte vielmehr mit seinem sicheren Gespür für literarische Qualität Generationen von Jung-Autoren und Literaturstudenten mit unvergesslichen Lesungen befruchtet haben.

Gerd Herholz, der als Leiter des Literaturbüros Ruhr auf eine ähnlich im­po­sante Gästeliste seiner Lesereihen zurückblickt, betont, dass man „eine blühende Literaturlandschaft nicht einfach implantieren kann.“ Das wäre im Ruhrgebiet allerdings auch gar nicht nötig, denn die Wurzeln einer solchen Landschaft sind ja längst da. Sie müssten gedüngt, gehegt und gepflegt werden, ganzjährig.

Literaturförderer verbinden

Aber bislang sieht es so aus, als fehle der politische Wille, die vorhandenen Fäden der Literatur zu verknüpfen zu einem Literaturnetz Ruhr. Das wäre wohl noch wichtiger als das vor über zwei Jahren an dieser Stelle geforderte Literaturhaus Ruhr. Ein Literaturnetz Ruhr, wie es Gerd Herholz bereits einmal als Überlegung ins Spiel gebracht hat, könnte die im Revier tätigen Literaturförderer nicht nur miteinander verbinden, sondern auch zur Geltung bringen. Auch gegenüber jenen, die sich bei der Literaturförderung über Gebühr zurückhalten.

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