Diese "Tosca" riecht nach Erfolg

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OPER. Großes Gefühl und feine Zwischentöne: Dortmunds Intendantin Christine Mielitz vertraut in ihrer Inszenierung dem psychologischen und dramaturgischen Instinkt Giacomo Puccinis.

DORTMUND. Erfreuliches gibt es von der Dortmunder Oper zu melden. Mit einer szenisch schlüssigen und musikalisch hochwertigen "Tosca" müsste es dem Haus allmählich gelingen, die schwächelnde Platzausnutzung aufzufangen. Das war zuletzt noch nicht der Fall, könnte sich aber durch gemeinsame Anstrengungen von Intendantin Christine Mielitz und des neuen Generalmusikdirektors Jac van Steen mittelfristig verbessern.

Die neue "Tosca" ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Hausherrin führt selbst Regie und tut genau das Richtige: sie vertraut dem psychologischen und dramaturgischen Instinkt Puccinis und hört genau auf die Musik, die im Grunde alles Wesentliche sagt. Das kühle Bühnebild von Frank Fellmann mit seinen flexiblen Eisensäulen, die je nach Bedarf an Zellengitter oder an Grabsteine erinnern, lenkt nicht von den Protagonisten ab. Dabei zeigt e Mielitz ein ausgeprägtes Gespür für die psychischen Verstrickungen der Figuren. Dadurch werden auch feine Zwischentöne erkennbar, die etwa im großen Liebesduett des ersten Akts die melodischen Höhenflüge in Spannung halten. Die Gefühle, die Tosca und Cavaradossi in balsamisch schönen Kantilenen singen, bleiben überschattet von Toscas Eifersucht und Cavaradossis Furcht um seinen geflohenen und um sein Leben fürchtenden Freund Angelotti.

In ihrem Bemühen, Symbole quasi leitmotivisch aufzuwerten, geht die Regisseurin bisweilen zu weit, wenn sich etwa Tosca am Ende nicht von der (nicht vorhandenen) Engelsburg stürzt, sondern mit dem Messer ersticht, mit dem sie Scarpia soeben zerfleischte.

Knalleffekte werden vermieden

Die junge Holländerin Annemarie Kremer verkörpert eine geradezu ideale Tosca. Emotional aufgeladen, zerrissen zwischen Liebe und Eifersucht, kraftvoll den Intrigen Scarpias Paroli bietend, erschütternd im Moment ihrer scheinbaren Niederlage, stellt sie ein vitales, differenziertes Bild der faszinierenden Frauenfigur dar. Auch stimmlich kann die Sängerin voll überzeugen.

Ihr nahezu gleichwertig agiert und singt der Brite Simon Neal als erfreulich jugendlicher Scarpia, so dass der zweite Akt an Spannung kaum zu überbieten ist. Luis Chapa als Cavaradossi wirkt etwas steifer und kann auch stimmlich mit etwas unausgeglichenen Tenor nicht ganz mithalten.

Ekhart Wycik dirigiert die von GMD Jac van Steen einstudierte Produktion mit verhaltener Schlagkraft und teilweise sehr langsamen Tempi. Dadurch werden viele Details hörbar und aufgesetzte Knalleffekte vermieden. Ein geeigneter Ausgangspunkt, um die Spielkultur der Dortmunder Philharmoniker zu verfeinern. (NRZ) Termine: 9./17. Oktober, 2. November Karten: Tel: 0231 / 502 72 22

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