Neuverfilmung

„Ruf der Wildnis“: Digitaler Bernhardiner fürs Familienkino

Einsamer Wolf, wachsamer Hund: Harrison Ford als John Thornton in „Ruf der Wildnis“. Rechts von ihm: Buck.

Einsamer Wolf, wachsamer Hund: Harrison Ford als John Thornton in „Ruf der Wildnis“. Rechts von ihm: Buck.

Foto: picture alliance/dpa

Essen.  Im Zentrum von „Ruf der Wildnis“ steht ein Hund. Für die Neuverfilmung griff man zum Vierbeiner aus dem Animations-Rudel - fürs Familienkino.

Buck ist ein Widerspruch auf vier Pfoten. Auf der einen Seite ist der gut 60 Kilo schwere Bernhardiner-Mischling eine echte Naturgewalt, auf der anderen der wohl liebste und vertrauensseligste Hund, den man sich vorstellen kann. In dem kleinen Ort im kalifornischen Santa Clara Valley, in dem er bei seinem Herrchen, dem Richter Miller, lebt, kennen ihn alle, und er kann dort machen, was er will.

Mit seiner stürmischen Art treibt er die Menschen gelegentlich zwar zur Verzweiflung, aber letztlich verzeihen sie ihm doch jedes Chaos, das er anrichtet. Es ist ein paradiesisches Leben, das Buck führt. Doch es endet auf einen Schlag, als ihn in den 1890er-Jahren ein Hundefänger entführt und als Schlittenhund nach Alaska verkauft. Nur wenige Szenen genügen Chris Sanders in seiner Verfilmung von Jack Londons berühmten Roman „Ruf der Wildnis“, um Bucks idyllisches Leben im Santa Clara Valley eindrucksvoll zu skizzieren. Die Kamera bleibt immer nah dran an dem mächtigen Tier und zeigt uns die Welt aus seiner Perspektive.

Buck wird nicht von einem Hund verkörpert, sondern digital erschaffen

So verschiebt Sanders von Anfang an die Perspektive. Obwohl die Bilder von dem unbeschwert durch die Straßen und über die Felder rennenden Hund aus dem Off von Harrison Fords Stimme begleitet werden, besteht kein Zweifel daran, dass dieser Film mit den Augen eines Hundes auf die Welt und die Menschen blickt. Die neueste Computertechnologie macht diese Verschiebung möglich. Denn Buck wird nicht von einem Hund verkörpert, sondern digital erschaffen.

Es dauert zwar ein wenig, bis man sich an die aus den Rechnern kommenden Animationen gewöhnt hat. Doch schon nach ein paar Szenen nimmt man sie kaum noch wahr. Sie verschmelzen mit der realen Szenerie Alaskas und schaffen so eine neue Kinowirklichkeit, die einem auch einen Vorgeschmack darauf gibt, was in Zukunft im Film alles möglich sein wird. Je perfekter diese Technik wird, desto leichter wird es auch, im Computer erschaffene Tiere oder Menschen in absolut realistischen Szenarien zu präsentieren.

Ein Film, der niemanden verstört

Bucks Odyssee durch die vom Goldrausch geprägten Weiten Alaskas bleibt zwar nah dran an Jack Londons Roman. Allerdings bricht Sanders mit Londons illusionslosem Realismus. Seine Verfilmung ist klassisches Familienkino, dass niemanden verstören will und zugleich dem Publikum noch erbauliche Lebensweisheiten mit auf den Weg gibt. So ist der von Harrison Ford gespielte John Thornton, der Buck aus den Fängen eines ebenso brutalen wie dekadenten Goldsuchers befreit, anders als im Roman selbst nicht auf der Suche nach Gold.

Die Trauer über den Tod seines Sohnes hat Thornton in die Einsamkeit der Wildnis geführt. Als er dort eher zufällig auf Gold stößt, wirft er einen Großteil der Nuggets zurück und behält nur so viel, dass er, wie er selbst sagt, bis zu seinem Lebensende immer genug Lebensmittel haben wird. Diese idealisierte Darstellung Thorntons spiegelt sich zugleich in der Tendenz, Bucks Reaktionen zu vermenschlichen.

So ist dieser „Ruf der Wildnis“ eigentlich eher ein Aufruf zu einem bescheidenen Leben im Einklang mit der Natur.

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