Oper Don Giovanni in Tonhalle

Sängerfest mit Mozart und Adam Fischer

Der Kniefall von Düsseldorf: Don Giovanni geht vor seiner Angebeteten zu Boden.

Der Kniefall von Düsseldorf: Don Giovanni geht vor seiner Angebeteten zu Boden.

Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.   Es sollte ein großer Opernabend werden und die Erwartungen wurden erfüllt: „Don Giovanni“ begeisterte das Publikum in der Düsseldorfer Tonhalle.

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So viel Mozart auf Spitzenniveau gibt es selten in der Tonhalle. Und das als Opernfest von dreieinhalb Stunden. Zu Gast waren Orchester und Solisten der Wiener Staatsoper mit dem „Don Giovanni“ und führten Opern- und Konzert-Freunden vor, dass ein intensiver Opernabend auch ohne Bühnenbild möglich ist. Letzteres soll ja manchmal von Vorteil sein. Wie auch hier: Die agilen und auf Adam Fischers Dirigat eingeschworenen Sängerdarsteller (vom Staatsopern-Ensemble) brachten Mozarts ‚Dramma giocoso’ mit so viel ansteckender Spielfreude, sängerischer Bravour und Komik über die Rampe, fegten über die Tonhallen-Bühne und nutzten dabei alle Nebengänge, dass sie in der gut besuchten (wenn auch nicht ausverkauften) Tonhalle mit Bravorufen und Ovationen stürmisch gefeiert wurden.

Ermöglicht hat diese „Sternstunde“ eine Finanzspritze des Tonhallen-Freundeskreises, der einmal pro Jahr so richtig in die Tasche greift, um dem Düsseldorfer Publikum ein bedeutendes Musikereignis vorzuführen. Dieses Mal erfüllte man den Herzenswunsch von Düsseldorfs Principal Conductor Adam Fischer, gleichzeitig Ehrendirigent der Wiener Staatsoper. Im Klartext: Fischer dirigierte - wie üblich auswendig, leichtfüßig hüpfend und energisch eindreschend. Es spielten ‚seine’ Wiener Philharmoniker, die, wenn sie Oper spielen, sich Orchester der Wiener Staatsoper nennen.

Glühender, schwebender Sound

Egal, wie sie heißen: Sie spielten Mozarts letzte Da-Ponte-Oper mit all ihren Ohrwürmern, tragikomischen Wendungen und kammermusikalischen Ensembles auf Weltniveau. Denn wenn die Wiener ein Alleinstellungsmerkmal haben: Sie sind bei Mozart international erste Wahl. Sie kultivieren einen glühenden, schwebenden Sound und legen, wie hier, ein zündendes, elektrisierendes Turbotempo an den Tag, ohne dabei zu schmieren.

Schon beim ersten unheimlichen Akkord der Ouvertüre führten Streicher, Schlagzeuger und Bläser-Gruppen in die finsteren Abgründe des Frauenhelds, der, wie es sein Diener Leporello aus Don Giovannis Notizbuch vorträgt, allein in Spanien 1003 Liebhaberinnen hat, genauer: haben soll. Jongmin Park mit seinem kernig schwarzen Bassbariton mausert sich als schlitzohriger, scharwenzelnder Diener zum Publikumsliebling und heimst am Ende lautstarkeren Jubel ein als der Titelheld.

Adam Plachetka reizt als gewichtiger Don Giovanni zwar alle Don-Juan-Trümpfe aus, kommt von Donna Anna, düpiert Donna Elvira und bändelt mit der jungen Bediensteten Zerlina an. Hetzt in keuchendem Tempo von einer zur anderen, macht aber allzu gern, wie in italienischer Komödie, den Clown, der die Lacher auf seiner Seite hat. Dass er von einem Dämon getrieben ist – das will man dem Sänger, der gerne über die Stränge schlägt, nicht abnehmen. Stimmlich flexibel und zuverlässig ist dieser tschechische Bariton, vom Hocker reißt er nicht.

Bei den Frauenstimmen brilliert besonders Tara Erraught, die bereits kürzlich bei der Aids-Gala im Opernhaus mit ihrem samtigen Timbre, agilen Mezzosporan und einer inniglichen dramatischen Attacke betörte. In den Bravourarien der Donna Elvira überzeugt sie zudem in den Spitzentönen mit sicher geführter Stimme ebenso wie als Darstellerin der hysterischen, verschmähten Ex-Geliebten.

Am besten waren die Passagen, in denen die Solisten im Duett, Terzett oder im Siebener-Ensemble singen. In diesen Momenten erreichte die Aufführung das Niveau eines Sängerfestes.

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