Sammler-Aufbruch an der Wupper

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AUSSTELLUNG. Das von der Heydt-Museum zeigt 250 Meisterwerke aus Privatsammlungen: "Der expressionistische Impuls".

WUPPERTAL. Kaum ist "Renoir und die Landschaft des Impressionismus" als bestbesuchte Ausstellung aller Zeiten des Wuppertaler von der Heydt vorbei, da lockt das nächste Farben-Feuerwerk: "Der expressionistische Impuls", das sind rund 250 Meisterwerke aus Wuppertals großen Privatsammlungen, minutiös recherchiert in mühsamer Provenienz-Forschung von der passionierten Kuratorin Antje Birthälmer. Auf verschlungenen Pfaden spürte sie über Auktionen, Galerien, Privathäuser und Museen auf, was insbesondere vor der Nazi-Kampagne entarteter Kunst versteckt oder über Erbfolgen weit verstreut bzw. längst verkauft worden war.

Der Farbensinn und die Handwerkerseele

Gigantisch, was wohlhabende Bürger der aufstrebenden Textil-Industrie-Metropole an der Wupper binnen eines Jahrhunderts seit der Gründung des Barmer Kunstvereins 1866 und des Elberfelder Museums 1902 zusammensammelten: Cézannes, Kandinskys, Klees, die Brücke-Maler, den Blauen Reiter, Beckmann, Meidner und und und.

Dabei hinkte Wuppertals damaliges Kunstinteresse der Zeit um Jahrzehnte hinterher. Den Düsseldorfer Kunstverein gab es schon 1829. Dass es dann aber trotzdem zu einem solch rasanten Sammler-Boom an der Wupper kam, wenn auch zunächst wohlbehütet im geschlossenen Zirkel heimischer Salons und großbürgerlicher Villen betrieben, liegt für den Kunstenthusiasten Rolf Frowein in Wuppertals ureigener Handwerkerseele begründet: "Ich glaube, der Sinn für die Farben kommt aus der Beschäftigung in der Textilindustrie#1#20 Das Immer-wieder-Neuschöpfen von Stoffkollektionen bringt doch mit sich, dass man sich auch damit befasst, was die eigene Zeit an Kunst hervorbringt."

So begeisterte sich der Bankier August von der Heydt etwa ebenso wie der Möbelfabrikant Julius Schmits für impressionistische Maltechniken, der Kaufmann Gottlieb Friedrich Reber verguckte sich in sage und schreibe 25 Cézannes und deren formauflösende Passagen-Technik. Und der Klavierfabrikant Rudolf Ibach hatte ein spezielles Auge auf wichtige, farbglühende Werke von Schmidt-Rottluff, Pechstein und Kandinsky.

15 leidenschaftliche Sammler und ihre Lebensläufe präsentiert der "expressionistische Impuls" gleich zum Auftakt als "kleine Ruhmesgalerie". Und als großes Dankeschön an all jene, die durch Schenkung oder Stiftung mit dazu beitrugen, das von der Heydt als eines der wichtigsten Museen Deutschlands strahlen zu lassen. Ohne Wuppertals Sammler-Riege wohl wäre die Aufbruchstimmung für die Moderne im bergischen Land nicht so bahnbrechend verlaufen. "Der Konkurrenzkampf unter den Freunden hat sich dann immer mehr gesteigert, und man hat sich gesagt, wenn der eine ein Bild kauft, warum kauft man nicht selbst auch solch ein Bild", erinnert sich Rolf Frowein, in dessen Kollektion unter anderem der orientalisch flirrende "Blick auf eine Moschee" von August Macke farbensüchtig macht.

Wunderbare Arbeiten, manchmal auch vermittelt durch den heimischen Maler und Mitbegründer der "Neuen Künstvereinigung München", Rudolf Erbslöh, gelangten so nach Wuppertal. Sie jetzt auf einen Streich als luxuriösen Augenschmaus zu erleben, wird so schnell nicht wiederkommen. Also auf ins von der Heydt und gucken! (NRZ) ZUR AUSSTELLUNG Die Ausstellung "Der expressionistische Impuls - Meisterwerke aus Wuppertals großen Sammlungen" läuft bis zum 18. Mai.

Der Katalog kostet 25 Euro.

Von-der-Heydt-Museum, Turmhof 8, Führungen unter Tel: 0202-563 6231 www.von-der-heydt-museum.de

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