Ruhrtriennale

Scheitern und Neuversuch mit nackter Haut im Landschaftspark

„Ensaio para um Cartografia“

„Ensaio para um Cartografia“

Foto: Bruno Simao

Duisburg.  Zwölf Darstellerinnen verschieben den gewohnten Blick in der Meidericher Gebläsehalle durch permanentes Scheitern und Wiederaufstehen.

Wiederholungen können anstrengend und ermüdend sein. In ihrer penetranten Unvermeidlichkeit können sie dann aber auch eine ungeahnte Kraft entwickeln, Erwartungshaltungen aushebeln, einen gewohnten Blick verschieben. Mónica Calle gelingt genau das in ihrer Performance „Ensaio para uma Cartografia“, ihrem „Versuch einer Kartografie“.

Die portugiesische Schauspielerin und Regisseurin steht selbst mit auf der Ruhrtriennale-Bühne in der Duisburger Gebläsehalle. Sie erklärt erst mal, worum es in der folgenden Inszenierung gehen soll. Eine der Performerinnen übersetzt holprig ins Deutsche, charmant bemüht. Der Versuch und das Scheitern und der neue Versuch – aus eben dieser Schleife formiert sich der gut zweistündige Abend.

Das männliche Maestro-Gehabe wird immer absurder

Aber es geht auch um mehr. Die zwölf Darstellerinnen ziehen sich aus, bevor sie zur Tonaufnahme einer Orchesterprobe von Ravels „Bolero“ in Keilformation tanzen. Ihre dauerhafte Nacktheit wird zur Selbstverständlichkeit, und diese Demaskierung wirkt angenehm befreiend. Während der Dirigent in herrischer Manier die Musik immer wieder unterbricht, verziehen die Tänzerinnen keine Miene, beginnen nach kurzer Lockerung stoisch wieder ihre Schritte, heben wieder und wieder ihre Arme in ewiggleicher Choreografie. Ihre entschlossene Ernsthaftigkeit in der Gruppe ist es, die das männliche Maestro-Gehabe noch absurder erscheinen lässt.

Die Frauen tanzen – sogar auf Spitze, sind aber keine ausgebildeten Ballerinen. Sie stimmen ihre Streichinstrumente, sind aber keine geübten Musikerinnen. Mónica Calle setzt diese Amateurhaftigkeit bewusst der professionellen Probe auf der Tonspur entgegen. Und: Wahrhaftigkeit der Kunst finden wir auf Seiten der Performerinnen auf der Bühne. Deren Stolz, Stärke und Unaufhaltsamkeit ist ansteckend. Ja, der Abend ist bisweilen anstrengend und ermüdend. Aber in ihrer reduzierten Darstellung und unerbittlichen Klarheit demonstriert diese Performance, was Kunst bedeuten kann: einen Kampf der Körper, einen Akt der sturen Lebendigkeit, der unsere Wahrnehmungsgewohnheiten durchbricht.

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