Regeln & Co.

Streifzug durch die „Verbote-Republik Deutschland“

Regeln wollen beachtet sein: Willkommen auf dem Rheinboulevard.

Foto: Überall

Regeln wollen beachtet sein: Willkommen auf dem Rheinboulevard. Foto: Überall

An Rhein und Ruhr.   In seinem neuen Buch „Es ist untersagt“ spürt der Journalist Frank Überall dem Sinn und Unsinn von Verboten nach.

Kölns Rheinboulevard ist kein Ort, wo man machen kann, was man will. Ein Schild voller Balken-Logos gibt Bescheid. Entspannen ja – aber keine laute Musik, keine Mülleimer mit dem Fuß umstoßen, nicht grillen, kein Feuerchen machen und: nicht Wasserpfeife rauchen. Der feucht-aggressive Tabak könnte die schönen (und vor allem teuren) Stufen beschädigen.

Verbote-Republik Deutschland: Zusammenleben braucht Regeln, Gebote und Verbote. Aber, müssen es denn gleich so viele sein? Reichen nicht mitunter auch gesunder Menschenverstand, etwas Rücksichtnahme und –

gute Erziehung?

In „Es ist untersagt - wie Verbote uns verwirren und warum wir sie trotzdem brauchen“ taucht der Kölner Journalist und Sozialwissenschaftler Frank Überall (46) tief ein in Verbotswelten. Das Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt, das Foto-Verbot am Strand von Boltenhagen, Betretungsverbote in Kirchen und auf Stränden, Eichstriche, die Debatte um Cannabis, Jugendschutz an Trinkhallen, Veggie-Day, der Bußgeld-Katalog für Hundehaufen und ausgespuckte Kaugummis in Köln... Alles vertreten. Das Buch ist eine Einladung, sich mit Verboten auseinanderzusetzen. Verbote bedürfen der Kontrolle und im Falle ihrer Verletzung auch der Sanktion. Nachhaltig wirken Verbote nur, wenn sie reflektiert werden.

Start als Kunstprojekt

600 Fotos von Verboten hat Überall mit dem im Januar 2015 früh verstorbenen Kölner Journalisten Kollegen Wolfgang Jorzik gesammelt. „Es ist untersagt“ startete als Kunstprojekt. Überall, der auch Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes ist und an einer Hochschule in Köln Journalismus lehrt, hat es in Buchform gegossen.

Ein Klassiker ist das „Betreten verboten“-Schild, mitten auf einem Rasen – bei dem man sich fragt, wie es denn wohl dahin kam, wenn doch das Betreten verboten ist . . . Anderes wirkt einfach skurril, etwa ein Schild aus der Landwirtschaft: „Es ist verboten, während der Besamung zu rauchen oder den Bullen durch Gelächter abzulenken!“

Gespräche runden das Buch ab. Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) etwa beklagt, dass Verbote manchmal schön einfach sind: „Die Deutschen haben eine Neigung zu glauben, wenn sie ein Verbot aussprechen – also insbesondere ein Gesetz machen – dann sei der Missstand beseitigt.“ Tatsächlich aber würden die Wurzeln des Missstandes gar nicht offengelegt. Der Mediziner und Kabarettist Eckhard von Hirschhausen will den Zeigefinger lieber zum Kitzeln verwenden als zum Drohen: „Denn Menschen sind widersprüchlich und selten wirklich vernünftig.“

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