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The Chainsmokers von Kritikern bemäkelt, vom Erfolg verwöhnt

The Chainsmokers.

Foto: HO

The Chainsmokers. Foto: HO

  Hier fällt eine clevere Marketingstrategie mit angenehm hörbarem Pop zusammen. Bassbetont und smart erobern „The Chainsmokers“ die Charts.

Ach, immer diese Kritiker. Kommerziell, stromlinienförmig, belanglos – das sind die Adjektive, die das professionelle Gutachter-Gewerbe gerade für das US-Duo The Chainsmokers übrig hat. Eine Hit-Fabrik aus der Retorte, klagt die Branche. Andrew Taggert (Jahrgang 1990) und Alex Pall (1985) juckt das Gemaule der Rezensenten nicht. Ihre Musik verkauft sich gerade blendend.

Das Debütalbum „Memories ... Do Not Open“ katapultierten die Käufer in den USA auf Platz 1 der aktuellen Albumcharts. Mit den Stücken „Paris“ und „Something Just Like This“ (gemeinsam mit Coldplay) platzierten sich die beiden auch in Deutschland unter den Top 10.

Klar, es ist etwas dran an den Kommerz-Vorwürfen. Wer die Gruppe als erste Designer-Boy-Band der elektronischen Tanzmusik bezeichnet, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch. Die Chain­smokers sind ein musikalisches Projekt zur Gewinnmaximierung, das sich im Jahr 2009 (in anderer Besetzung) den Namen gab, weil die gleichlautende Adresse im Internet noch frei war.

Debüt „Memories“ schon in den US-Charts

Aber was soll’s. Wir leben im Kapitalismus, der Kunde entscheidet. Ihm servieren die beiden gutaussehenden New Yorker pompöse Klänge und hymnische Melodien. Ihre Zusammenarbeit mit Coldplay ist kein Zufall, weil sie einen ähnlichen Stil verfolgen. Nur dass die Chainsmokers ihre Lieder mit einer ausgeprägten Basslinie ausstaffieren. Die hämmernden Beats stehen ein bisschen im Widerspruch zu den Texten, die von Liebe, Verlassenwerden und Partnersuche handeln. Die Bässe zertrümmern jede Melancholie, und trotzdem bleibt die Musik im Ohr.

Auch richtig: Das Duo klöppelt seine Hits nach dem Baukastenprinzip zusammen, was im Album einen Hauch von Monotonie erzeugt. Machen andere aber auch. Und vielleicht liegen ja in Zukunft noch andere Werkzeuge in der ­Kiste. Die beiden werden sich weiterentwickeln, wenn es dem Geschäft zuträglich ist.

Baukausten-Musik kommt beim Publikum an

Gerade erst haben die Chain­smokers in Miami ihre USA-Tournee gestartet. Den Kritikern missfiel die Show. Ein Drittel des Publikums habe schon vor dem letzten Song das Konzert verlassen, viele andere Zuhörer hätten öfter auf ihr Smartphone als auf die Bühne geschaut.

Vielleicht sind sie einfach zu alt für diese Art der Musik: die Kritiker. Aufmerksamkeit wird heute anders verteilt. Und wenn das Projekt der Chainsmokers nicht mehr genug Gewinn abwirft, dann starten sie einfach ein neues.

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