Tool übertrifft sich mit dem Album „Fear Inoculum“ selbst

Tool "Fear Inocolum" Handout

Tool "Fear Inocolum" Handout

Foto: Handout

Essen.  Die Progressive-Rock-Band Tool hat ihr neues Album mit Monitor und Lautsprecher ausgestattet: Die US-Amerikaner setzen damit neue Maßstäbe.

Einfach nur zu behaupten, die die Progressive-Rock-Band Tool hätte ein neues Album herausgebracht, wäre die Untertreibung des Musikjahrs. Denn was die 1990 gegründeten US-Band da mit „Fear Inoculum“ erschaffen hat, ist nicht weniger als ein Monster von einem Klangkunstwerk.

Statt eines schnöden Tonträgers wird gleich eine hochwertige Abspielstation mitgeliefert: Wer das Album aufklappt, blickt auf einen kleinen HD-Bildschirm, der dazugehörige Zwei-Watt-Lautsprecher lässt sich dank einer kleinen Öffnung erahnen. Doch nicht nur diese technische Ausstattung ist ein Unikat, auch das ebenso aufwendige wie mysteriöse Design zielt auf gesteigerte Aufmerksamkeit. Kein Wunder, dass Tool-Sänger Maynard James Keenan fast in jedem Interview gebetsmühlenartig wiederholt: „Ich bin kein Entertainer, ich bin Künstler.“

13 Jahre nach dem Vorgänger „10.000 Days“

Das brachten er und seine Mitstreiter Adam Jones (Gitarre), Justin Chancellor (Bass) und Danny Carey (Schlagzeug) schon immer mit einer gewissen Liebe zum Ausstattungsdetail zum Vorschein. Der Vorgänger „10.000 Days“ wurde mit einer 3-D-Brille und dafür geschaffenen Booklet Marke Eigenbau gestaltet.

Das alles ist inzwischen 13 Jahre her. Eine so lange Abstinenz verzeihen normalerweise weder Fans noch Macher im Musikbusiness. Doch Tool ist auch hier anders. Dem Bandprojekt schadet das selbst gewählte Prinzip der künstlichen Verknappung nicht. Im Gegenteil: Es steigerte nur die Spannung, mit der dieses nur sieben Stücke umfassende und dennoch 85 Minuten lange, insgesamt fünfte Studioalbum erwartet wurde. Sein Sound kommt gewohnt düster und psychedelisch angehaucht daher, ohne der üblichen Hitbauweise „Strophe-Refrain-Strophe“ zu folgen. Selbstverständlich nichts für den hastigen Konsum. Nein, Tool bittet einmal mehr zu einem metallhaltigen Trip in die Abgründe des menschlichen Daseins. Ein verstörendes, intensives Klangerlebnis. Und große Kunst.

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